Interview mit Dr. Peter Jankowitsch am 13.11.2025


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Lies auch Interview mit Michael Gehler Teil 1 und Teil 2.

Maria Wirth

Herr Jankowitsch, vielen Dank dafür, dass Sie gekommen sind. Wir sprechen heute über Kreiskys Außenpolitik und haben uns eine Reihe von Themenbereichen überlegt, die wir gerne mit Ihnen vertiefen würden. Das sind Österreichs Beziehungen zum globalen Süden, Österreichs Beziehungen zu den blockfreien Staaten, die Entwicklung von Entwicklungspolitik in Österreich, Österreich und die internationalen Organisationen, Kreisky und seine Gestaltung von Außenpolitik und Ihre Sicht auf das Thema informelle Diplomatie, das uns im Rahmen unseres Projekts besonders interessiert.

Maria Wirth

Wir würden gerne beginnen mit dem Themenbereich Beziehungen zu postkolonialen Staaten in Afrika in den 1960er Jahren. Sie sind 1957 in das Bundeskanzleramt, Staatssekretariat für auswärtige Angelegenheiten gekommen. Sie wurden Botschafter in London und bald darauf Botschafter im Senegal.

Peter Jankowitsch

Also, nicht Botschafter in London. Ich war nur Legationssekretär, also nur ein Mitarbeiter. Und im Senegal war ich Geschäftsträger. Am Beginn war ich Geschäftsträger und zum Schluss dann auch ständiger Geschäftsträger. Das ist ein kleiner Missionschef, der allerdings sein Beglaubigungsschreiben nicht dem Präsidenten überreicht, sondern dem Außenminister des entsprechenden Landes. Also das war ich im Senegal. Da war ich ständiger Geschäftsträger.

Maria Wirth

Was waren Ihre Aufgaben im Senegal?

Peter Jankowitsch

Die Gründung einer Botschaft. Österreich hatte ja überhaupt keine Vertretungsbehörden im frankophonen Afrika. Und das war die erste österreichische Botschaft, nicht nur im Senegal, sondern im gesamten frankophonen Afrika.

Maria Wirth

Sie haben gesagt, Sie haben dort eine Vertretung aufgebaut. Wenn wir ein bisschen genauer werden wollen, welche Tätigkeitsgebiete hat das umfasst?

Peter Jankowitsch

Zum ersten Mal war es die Notwendigkeit, in diesem Land Österreich bekannt zu machen. Der Senegal war damals noch sehr stark unter französischem Einfluss, und daher war ihnen Österreich kein Begriff. Ich habe mir also lange überlegt, wie kann man sie für Österreich interessieren.

Peter Jankowitsch

Und da ist mir eingefallen, aus Österreich kommt ja der Aiglon[Napoleon Franz Bonaparte], der Sohn von Napoleon. Und dann hab ich gesagt: „Ja, das ist das Heimatland des Aiglon“. Das war ihnen sofort ein Begriff. Da haben sie Österreich dann besser eingeordnet.

Peter Jankowitsch

Wobei man da allerdings sagen muss, der Präsident[Léopold Sédar] Senghor, war ein sehr gebildeter Mann, der von Österreich natürlich geschichtlich sehr viel wusste, der war ja dann sogar später einmal Festredner bei den Salzburger Festspielen, also dem Senghor, dem musste man nicht sehr viel erklären, aber natürlich die Allgemeinheit als solche musste man erst einmal an Österreich heranführen und ihnen die Rolle Österreichs im heutigen Europa begrifflich machen.

Maria Wirth

Und wenn wir vielleicht vom Senegal noch ein bisschen rausgehen und uns generell so die Beziehungen Österreichs zu Afrika in dieser Zeit anschauen: Sie beginnen sich erst zu entwickeln. Wie würden Sie diese Entwicklung beschreiben?

Peter Jankowitsch

Ja, das war eine Pionierarbeit für alle. Und Kreisky war es ja bewusst, dass wir in der Dritten Welt überhaupt nur sehr schwach vertreten sind. Und er hat damals an alle jungen Beamten des Außenamts einen Brief gerichtet und hat gesagt: „Wären Sie bereit, in einem Entwicklungsland eine österreichische Botschaft zu übernehmen“?

Peter Jankowitsch

Und ich habe mich dann, ich war damals an der Botschaft in London als Legationssekretär, habe mich freiwillig gemeldet und wäre damals sehr gerne nach Ostafrika gegangen, weil ich hatte damals in London sehr viele Beziehungen zu jungen Diplomaten aus Malawi, aus Tansanien und so weiter. Und hab gesagt: “Ich würde so gern eine Botschaft in Nairobi eröffnen“. Es ist aber dann anders gekommen, und ich wurde dann beauftragt mit der Errichtung einer Botschaft in Dakar im Senegal. War mir aber auch recht.

Maria Wirth

Warum passiert das in den[19]60er Jahren? Also, wie erklären Sie das Interesse Kreiskys für Afrika?

Peter Jankowitsch

Das hat damit zu tun, dass in den[19]60er Jahren sehr viele Länder unabhängig geworden sind. Zu Beginn der Vereinten Nationen, so 1945, gab es überhaupt nur drei oder vier unabhängige Staaten in Afrika.

Peter Jankowitsch

Das war[…], das war natürlich Südafrika, dann war Liberia. Aber das war schon alles. Und zu Beginn der[19]60er Jahre kam die große Welle der Entkolonialisierung. Und da wollte natürlich Kreisky zu dieser neuen Welt Beziehung anknüpfen. Und so sind diese neuen Botschaften entstanden.

Maria Wirth

Kreisky hat 1964 ja auch das Wiener Institut für Entwicklungsfragen gegründet. Haben Sie Erinnerungen an die Gründung dieses Instituts, und welches Ziel hat er damit verfolgt?

Peter Jankowitsch

Das war natürlich ein besonderes Anliegen Kreiskys. Und die Idee dieses Entwicklungsinstituts ist eigentlich entstanden auf einer Reise nach Indien bei Pandit Nehru. Kreisky war ein großer Bewunderer von Nehru. Und er hat damals gefunden, die Dritte Welt wird eigentlich, was ihre eigene Entwicklung betrachtet, zu wenig befragt. Man muss sozusagen auf Augenhöhe zwischen Entwicklungsländern und den entwickelten Ländern eine Institution schaffen, wo sie sich miteinander auseinandersetzen können, wie es weitergeht mit ihrer Entwicklung. Und das war die Idee eigentlich hinter dem Wiener Institut. Das war auch tatsächlich die erste Einrichtung dieser Art, in der Vertreter beider Teile, nämlich des Nordens und des Südens, gleichberechtigt einander gegenübergesessen sind, und Kreisky konnte sich dabei auf einige seiner besten Freunde und Mitarbeiter in der Dritten Welt stützen.

Peter Jankowitsch

Einer der hervorragendsten war Ahmed Ben Salah, der damals eine Art Kronprinz war in Tunesien unter Präsident[Habib] Bourguiba, ein bisschen anderes Schicksal. Aber jedenfalls mithilfe solcher Persönlichkeiten hat er das Institut gegründet. Und ich war damals allerdings nicht direkt in Österreich, ich war damals noch in London. Aber ich weiß, das war für ihn ein sehr wichtiger Ansatzpunkt, um seine Beziehungen zu den Ländern der Dritten Welt auf eine gleichberechtigte Basis zu stellen.

Maria Wirth

Kann man auch sagen, dass dieses Wiener Institut für Entwicklungsfragen auch eine Leerstelle gefüllt hat? Weil im Bereich von Entwicklungspolitik gibt es in den[19]60er Jahren ja noch wenig Institutionen. Also es gibt quasi so Vorläufer von Entwicklungshilfeunterstützung, aber institutionalisiert wird das dann erst in den[19]70er Jahren, und es wird auch ins Bundeskanzleramt geholt bzw. dort angesiedelt. Wie würden Sie die Entwicklung von Entwicklungspolitik in den[19]60er Jahren, auch im Übergang zu den[19]70er Jahren, beschreiben?

Peter Jankowitsch

Na ja, das war überhaupt für Österreich vollkommen neu und Kreisky hat damals gefunden, ein Land, das wie Österreich durch den Marshallplan so viel Hilfe bekommen hat von anderen Staaten, damals natürlich vor allen Dingen von den Vereinigten Staaten, muss sozusagen einen Teil dieser Hilfe zurückgeben in Form von Entwicklungspolitik.

Peter Jankowitsch

Er hat sich dabei auch auf eine Bemerkung, auf ein Programm geschützt, das der Präsident[Harry] Truman gemacht hat, das sogenannte Point Four, wo es geheißen hat, man muss sich sozusagen jetzt intensiv auch mit den Entwicklungsländern beschäftigen.

Peter Jankowitsch

Und Kreisky hat das aufgenommen und wollte damit auch Österreich zu einem der Länder machen, das sich an der Entwicklungshilfe beteiligt. Und er hat dann auch immer weiter Ideen entwickelt.

Peter Jankowitsch

Zum Beispiel einmal, das ist jetzt ein bisschen später, die Idee eines Marshallplans für Afrika, wo es eben darum gegangen ist, vor allen Dingen die Infrastruktur zu verbessern. Weil in Afrika war damals noch immer die komische Situation, wenn man sich von Dakar in ein anderes Nachbarland begeben würde, musste man alles über Paris machen.


Peter Jankowitsch mit Bruno Kreisky bei einer Eisenbahnsitzung 1985

Peter Jankowitsch mit Bruno Kreisky bei einer Eisenbahnsitzung 1985

Peter Jankowitsch

Man wollte sozusagen einen direkten Kontakt zwischen den einzelnen Ländern durch Straßen- und Eisenbahnprojekte machen. Das war die Idee hinter diesem Marshallplan für Afrika.

Maria Wirth

Wenn wir vielleicht noch einmal zu den Akteuren kommen. Wir haben Kreisky genannt als Akteur, dem dieses Politikfeld wichtig wird. Wir wissen, dass er in vielen Bereichen eng in der Sozialistischen Internationale eingebunden gearbeitet hat. Welche Rolle spielt die Sozialistische Internationale damals in der Außenpolitik Kreiskys im Hinblick auf den globalen Süden?

Peter Jankowitsch

Eine sehr große Rolle. Weil über die Sozialistische Internationale konnte er Beziehungen mit anderen Staaten, zum Teil auch aus der Dritten Welt, wie Indien und Burma[heute: Myanmar] – Burma war damals zum Beispiel sehr stark in der Internationale –, anknüpfen. Und für ihn war die Internationale daher auch ein internationaler Akteur, der sich mit großen Weltkrisen beschäftigt.

Peter Jankowitsch

Für ihn war natürlich zum Beispiel wichtig, was kann die Sozialistische Internationale für den Frieden im Nahen Osten leisten. Und er hat sich ja immer sehr stark beschäftigt mit der Situation im Nahen Osten. Und das hat er zum Teil auch über die Sozialistische Internationale gemacht, weil es dort ja auch direkte Kontakte gab zur Arbeiterpartei in Israel, die damals ja noch die praktisch unangefochtene Regierungspartei war. Und daher war für ihn die Internationale ein sehr wichtiges Betätigungsfeld, auch für seine Außenpolitik.

Maria Wirth

Waren die SPÖ und die Sozialistische Internationale auf einer Linie?

Peter Jankowitsch

Absolut.

Maria Wirth

Was die Außenpolitik Kreiskys betrifft?

Peter Jankowitsch

Ja. Die SPÖ und die internationale Politik waren dasselbe wie Kreisky. Also, es gab daneben kaum andere Akteure, die sich so stark damit beschäftigt haben. Einer, der leider sehr früh verstorben ist, war der Peter Strasser, der zum Beispiel auch mitgewirkt hat an der Gründung des Wiener Instituts. Aber das war natürlich… die haupttreibende Kraft der Außenpolitik in der SPÖ war natürlich Kreisky selber.

Maria Wirth

Vielleicht an dieser Stelle eine Frage, die wir für später vorgesehen haben: Wie viel Spielraum hat denn Kreisky seinen Außenministern gelassen?

Peter Jankowitsch

Sehr wenig, sehr wenig. Also als Außenminister hat er ja meistens Beamte ernannt. Und er wollte eigentlich selber Außenminister sein. Und ein typisches Beispiel ist der[Erich] Bielka, der einer seiner besten Mitarbeiter war, als Botschafter.

Peter Jankowitsch

Aber er wollte sozusagen keine wirklich eigengestaltenden Kräfte in der Außenpolitik und wollte sich dieses Feld eigentlich selbst überlassen.

Maria Wirth

Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang den Umstand – weil Sie ja auch schon in den[19]60er Jahren bei Kreisky waren –, dass es kein Reformprogramm der berühmten „1400 Experten“ gibt? Gibt es deswegen kein Reformprogramm für die Außenpolitik, weil er sich das vorbehalten wollte, oder…?

Peter Jankowitsch

Ich glaube, für ihn war er… Schauen Sie, zum einen… viele Experten hat er natürlich, für jedes Gebiet hat er natürlich die entsprechenden Experten sich ausgesucht, zum Beispiel aus der Wirtschaft, da hat der[Hannes] Androsch damals schon eine gewisse Rolle gespielt oder einer seiner späteren Staatssekretäre, der Ernst Eugen Veselsky und solche. Für die Außenpolitik hat er aber offenbar nicht so viele Experten gesehen, die ein sinnvolles Programm entwickeln konnten und hat daher es sich selbst vorbehalten.

Maria Wirth

Wie groß war denn das Interesse generell in der SPÖ an außenpolitischen Fragen?

Peter Jankowitsch

Das Interesse war an und für sich nicht sehr groß. Es waren viele Leute, die haben sich hauptsächlich mit der Innenpolitik beschäftigt, aber natürlich in dem Maße, wie Kreisky als Parteivorsitzender sich mit der Außenpolitik beschäftigt hat, hat das natürlich auch viele andere mitgerissen und Interesse erweckt und zum Teil auch kontroversiell.

Peter Jankowitsch

Zum Beispiel der Heinz Nittel war zum Beispiel jemand, der in der Nahostpolitik eine ganz andere Rolle verfolgt hat, der mehr sehr pro-israelisch war, während Kreisky da eine gewisse Reserve gehabt hat in der Beziehung.

Maria Wirth

Würden Sie sagen, dass das Thema Nahostpolitik der Bereich an Kreiskys Außenpolitik war, der in der SPÖ am kontroversiellsten gesehen wurde?

Peter Jankowitsch

Also nicht kontroversiell, aber es war, wie gesagt, es haben dann viele seine außenpolitischen Schritte mitvollzogen, aber es gab also keine Gegenpositionen in dem Sinn, dass jemand sagt, bitte, man muss sich wieder auf eine andere Art damit beschäftigen. Aber es waren natürlich dann schon auch alle der Meinung, das ist ein wichtiges Thema aus Fragen der Sicherheitspolitik. Denn alles, was an Unruhe und Kriegsgefahr kam, kam damals aus dem Nahen Osten.

Maria Wirth

Wenn wir noch einmal zurückgehen zum globalen Süden und weitermachen mit der Frage der Akteure: Wir haben die SPÖ, die Sozialistische Internationale besprochen. Welche Player, Akteure, Kooperationspartner, Gesprächspartner, vielleicht auch Kontrahenten gibt es für Kreisky in dieser Zeit? Welche Rolle spielen etwa NGOs?

Peter Jankowitsch

NGOs haben eine gewisse Rolle gespielt, weil sie die ersten waren, die in Österreich Entwicklungshilfe betrieben haben. Zum Teil mit kleinen, aber sehr wichtigen Projekten für einzelne… zur Unterstützung gewisser Anliegen in der Dritten Welt. Und daher waren die NGOs wichtig als Akteure, weniger, was die Frage der Entwicklung großer Ideen betroffen hat. Da haben die NGOs eigentlich keine sehr große Rolle gespielt, ne. Und da kamen schon andere Akteure, eben die aus der Sozialistischen Internationalen und aus dieser… haben da schon eine größere Rolle gespielt, ne.

Peter Jankowitsch

Und für ihn war natürlich die Zusammenarbeit mit solchen Akteuren und einzelnen Persönlichkeiten. Ich hab vorher Nehru erwähnt, Ahmed Ben Salah, es gab auch einen sehr, sehr engen Vertrauten, dessen Name mir nicht einfällt, einer der führenden Politiker in Kenia damals. Also mit solchen Personen hat er sich auseinandergesetzt, und so sind seine Ideen für die Dritte Welt entstanden.

Maria Wirth

Hat es auch in Österreich Gesprächspartner gegeben, die für ihn besonders wichtig waren, was Entwicklungspolitik betrifft?

Peter Jankowitsch

Also natürlich bis zu einem gewissen Grad die Kirche, weil die Kirche war natürlich die erste Institution, die aktiv Entwicklungshilfe betrieben hat, und das hat Kreisky natürlich respektiert und hat uns auch dann unterstützt von der Entwicklungspolitik her, aber andererseits sehr viele wesentliche Gesprächspartner kamen eher aus dem Ausland.

Maria Wirth

Welche Rolle spielten wirtschaftliche Überlegungen in der Entwicklungspolitik dieser Jahre?

Peter Jankowitsch

Also für Kreisky selber nicht, aber natürlich für andere Akteure in Österreich, zum Beispiel für die Landwirtschaft. Die Landwirtschaft war zum Beispiel sehr daran interessieren, Rindvieh nach Nordafrika zu entsenden und so weiter. Aber natürlich war das keine klassische Entwicklungspolitik. Das war zum Teil eine Art, wie sich die Landwirtschaft selber dann ihre Exporte erleichtert hat.

Maria Wirth

Genau, in dem Zusammenhang hört man sehr oft das Stichwort „Exportförderung“ und dass da Österreich mehr was für sich tun wollte als für die anderen.

Peter Jankowitsch

Bei Kreisky war natürlich sicher nicht in erster Linie die Exportförderung... Für ihn war es in erster Linie die Idee, hier gleichberechtigte Partner auf der Weltbühne sozusagen zu schaffen. Wenn in der einen oder anderen Form dann auch Exportförderung dabei war, war ihm das schon recht, aber das war nicht sein Hauptantriebspunkt.

Maria Wirth

Spielte die Frage des Wissenstransfers eine große Rolle?

Peter Jankowitsch

Wissenstransfer.

Maria Wirth

Wissenstransfer.

Maria Wirth

Ich kann mich an eine große UNO-Konferenz mit der Hertha Firnberg in den[19]70er Jahren erinnern. Und ich weiß auch, dass das österreichische Patentamt so Kurse für Expert:innen aus Entwicklungsländern veranstaltet hat unter Präsident Otto Leberl. Geben Sie dem Wissenstransfer auch eine Rolle in der Zeit?

Peter Jankowitsch

Ja, sicherlich war das eine wichtige Überlegung, dass wir sozusagen die Dritte Welt an den Wissensschatz der entwickelten Länder heranführen und ihnen die Möglichkeit geben, sich damit zu beschäftigen. Das waren ja auch diese Wissenskonferenzen der Vereinten Nationen, die Sie erwähnt haben vorher, die ich damals von New York aus betreut habe und wo es mir damals zum Beispiel sehr darum ging, dass diese Wissenskonferenz in Wien stattfindet. Da musste man sehr viele Kontakte in New York in Bewegung bringen, damit dann die Konferenz letzten Endes in Wien stattgefunden hat, weil uns eben diese Idee des Wissenstransfers doch sehr wichtig war.

Maria Wirth

Ist Ihnen das Patentamt in dem Zusammenhang auch untergekommen?

Peter Jankowitsch

Also mir persönlich nicht, aber es war sicher ein Akteur in der Beziehung.

Maria Wirth

Ein Punkt, der immer auch betont wird in diesem Zusammenhang ist, dass Kreisky mit dem großen Anspruch an das Thema Entwicklungspolitik herangeht, aber dass die realen EZA-Leistungen nie diese 0,7 Prozent am BIP erreicht oder überschritten haben, die man als Ziel festgelegt hat 1970.

Peter Jankowitsch

Das war natürlich eines seiner großen Anliegen, die Entwicklungspolitik wirklich an die internationalen Ziele heranzuführen und war natürlich nicht leicht, weil der musste ja natürlich ein ganzes Land in Bewegung bringen, und die allgemeine Begeisterung für Entwicklungspolitik war in Österreich sehr gering, zum Teil deswegen, weil… und das ist also ein anderes Thema, aber weil Österreich nie Kolonien hatte. Und daher die Leute keine engen, keine intimen Beziehungen zu außereuropäischen Ländern hatten.

Peter Jankowitsch

Für Österreich war alles wichtig, was den Balkan betrifft, bis zu einem gewissen Grad der Nahe Osten. Aber die Spendenbereitschaft, auch für weiter weg liegende Länder, war immer sehr gering, weil sich die Leute darunter nicht sehr viel vorstellen konnten.

Peter Jankowitsch

Und das war ja auch einer der Gründe, warum Kreisky dann die Entwicklungspolitik und die Entwicklungshilfe überhaupt im Bundeskanzleramt angesiedelt hat, weil er gesagt hat, ein Anliegen, das so schwach verankert ist in der Bevölkerung, muss zum stärksten Regierungsmitglied. Und deswegen hat er sich selber als Leiter der Entwicklungspolitik betrachtet.

Peter Jankowitsch

Und wobei es ihm natürlich eben nicht immer gelungen ist, die entsprechenden Mittel aufzutreiben, ne, weil da gab es natürlich sehr viele andere Ansprüche, und daher war es immer sehr schwierig, die Entwicklungspolitik voll zu finanzieren?

Maria Wirth

Haben Sie das Gefühl gehabt, dass ihm das ein Anliegen war, also diese 0,7 Prozent zu erreichen?

Peter Jankowitsch

Ja, das war ihm sicher ein Anliegen, und das war zum Teil auch eines der Themen, das auf der Gründungskonferenz des Wiener Instituts behandelt wurde. Ich glaube, die ganze Idee von den 0,7 Prozent ist zum Teil aus Veranstaltungen des Wiener Instituts entstanden, wo man sich eben die Frage gestellt hat, wie soll man das beziffern?

Peter Jankowitsch

Und damals ist eben diese Idee entstanden mit den 0,7 Prozent. Und das ist dann sehr weitgehend aufgenommen worden, aber ist eine Idee, die ursprünglich aus dem Wiener Institut kommt.

Maria Wirth

Und dann auch von der UNO aufgegriffen.

Peter Jankowitsch

Und dann natürlich aufgegriffen wurde auf einer sehr weiten Basis.

Maria Wirth

Also das sind ganz konkrete Ziele, die man verfolgt hat, pekuniär, und wir haben schon den Kreisky'schen Marshallplan für die Dritte Welt als ganz großes Konzept angesprochen. Das geht ja sehr weit zurück, wird dann aber auch angebunden an das Gipfeltreffen in Cancún, als es noch einmal quasi präsentiert werden sollte. Können Sie uns vielleicht noch ein bisschen was zum Gipfeltreffen in Cancún berichten?

Peter Jankowitsch

Ja, ich war natürlich dort, in Cancún, und Kreisky hat das ja sehr sorgfältig vorbereitet mit dem Präsidenten von Mexiko[José López Portillo y Pacheco]. Leider ist er dann erkrankt vor der Konferenz. Und es haben dann… In Wirklichkeit die große Rolle dort hat gespielt der Ministerpräsident von Kanada[Pierre Trudeau]. Er war dann selber nicht in Cancún. Und Cancún selber war zwar an und für sich sehr gut besetzt. Es war der[Ronald] Reagan dort, die[Margaret] Thatcher und so weiter. Aber seine Grundidee war, dass durch Cancún die Bereitschaft der entwickelten Welt die Dritte Welt zu unterstützen… dass das unterstützt wird durch Cancún. Und das ist aber leider dann nicht gelungen. Cancún war voll von Ansätzen, aber dieser große Durchbruch, der damals erzielt werden sollte von Cancún, zu dem ist es nicht gekommen.

Maria Wirth

Wie ist Kreisky damit umgegangen, dass er einerseits nicht dort sein konnte aus gesundheitlichen Gründen und andererseits, dass die Ziele von Cancún nicht erfüllt wurden?

Peter Jankowitsch

Das hat ihn natürlich sehr bedrückt, und hat ihn natürlich sicher auch… in seinen späteren Jahren immer wieder hat er sich da sicher Vorwürfe gemacht. Aber er hat, wie gesagt, alles getan, und vor allen Dingen hat er einen Rahmen geschaffen, denn so eine große Konferenz wie Cancún hat es weder vorher noch nachher gegeben.

Peter Jankowitsch

Aber dort ist es eben nicht zu diesem großen Durchbruch gekommen, wo sozusagen die Dritte Welt als gleichberechtigter Partner anerkannt wird und aber auch finanziert… Und das ist leider aus Cancún dann nicht herausgekommen.

Peter Jankowitsch

Jemand, der sehr viel gewusst hätte über Cancún, ist leider schon gestorben, das war der Botschafter[Georg] Lennkh, der leider verunglückt ist, aber der war eine der treibenden Kräfte auf unserer Seite.

Maria Wirth

Und Sie haben gesagt…

Peter Jankowitsch

Damals, ich war damals nur am Rande beteiligt. Ich war damals Botschafter bei der OECD. Also ich war physisch dann dort schon in Cancún, halt, aber die ganze Vorbereitung, da hat der Lennkh sehr viel gemacht.

Maria Wirth

Und Sie sagen, dieses Gipfeltreffen in Cancún, das war eine der größten Konferenzen, die es gegeben hat. Davor und danach nichts Größeres. Also hätte das wirklich das Potenzial gehabt…?

Peter Jankowitsch

Politisch ja. Es waren die wichtigsten… es war die Thatcher, Reagan, es waren auch die wichtigsten Führer der Dritten Welt, der damalige Präsident von Tansanien[Julius Nyerere], mir fällt der Namen nicht ein, es waren die wichtigsten Akteure auf beiden Seiten vorhanden. Es hat aber dann irgendwie dort der Anstoß gefehlt, da diesen großen Durchbruch herbeizuführen.

Maria Wirth

Sehen Sie das auch im Zusammenhang, weil die Namen Thatcher und Reagan gefallen sind, mit dem neoliberalen Turn?

Peter Jankowitsch

Der war natürlich damals sehr stark, der ist gerade aufgekommen, damals. Aber wie gesagt, sie wären zumindest bereit gewesen, zu verhandeln. Es ist aber dann in Wirklichkeit nicht dazu gekommen.

Maria Wirth

Eine Frage in dem Zusammenhang, die für uns auch sehr interessant ist: Wie würden Sie denn die Rolle Österreichs gegenüber der 1961 gegründeten Blockfreien Bewegung beschreiben, das Verhältnis von Kreisky zu ihnen? Österreich hatte ja seit Beginn der 1970er-Jahre einen besonderen Status, den Status des Gasts.

Peter Jankowitsch

Und das war eine sehr wichtige Beziehung, und Kreisky ist immer wieder eingeladen worden, den Blockfreien beizutreten, zum Teil auf Wunsch der Jugoslawen. Jugoslawien wollte Österreich bei den Blockfreien haben, zum Teil deswegen, damit die Blockfreien auch europäische Mitglieder haben, nicht eine reine afroasiatische Organisation ist.

Peter Jankowitsch

Und dadurch kamen immer wieder Einladungen. Kreisky wollte aber nicht den Blockfreien beitreten, auch zum Teil wegen ihrer damals sehr starken anti-westlichen Ausrichtung. Aber er hat das mit Interesse verfolgt. Ich wurde daher im Jahr 1970 zu einer Gipfelkonferenz nach Lusaka entsandt, um also diese Beziehungen mit den Blockfreien aufzunehmen.

Peter Jankowitsch

Ein Hintergedanke war damals auch: Wir hatten auch eine Kandidatur für den Sicherheitsrat. Aber die Grundidee war, eine Beziehung zu den Blockfreien zu begründen. Und ich bin dann dort aufgetaucht in dem Sekretariat. „Ah wunderbar, Sie wollen, wollen Sie beitreten?“ „Nein, das eigentlich nicht.“ „Na, was wäre, wollen Sie nicht Beobachter?“ Sag ich: „Wissen Sie, auch das ist für uns nicht so einfach, weil wenn man Beobachter ist, könnte man aber mal Mitglied werden. Also das ist für uns auch nicht so richtig.“ „Das tut uns furchtbar leid, aber es gibt außer Mitglied und Beobachter gibt es nicht.“ Da habe ich gesagt „Wissen Sie, aber wir sind ja eingeladen worden, auch von den Jugoslawen.“ „Ah, Sie sind ein Gast“. Und so ist durch dieses Gespräch dieser Gaststatus entstanden, den Österreich damals in Lusaka bekommen hat und dann weitergeführt hat. Und es haben dann viele andere, auch neutrale Staaten, diesen Status dann angenommen, den eigentlich Österreich entwickelt hat.

Maria Wirth

Wie hat sich die Beziehung weiterentwickelt?

Peter Jankowitsch

Die Beziehung hat sich dadurch entwickelt, dass man sich gegenseitig beobachtet und versucht hat, im Sinne der Blockfreiheit gewisse Beschlüsse in den Vereinten Nationen durchzusetzen. Wir waren ja damals zum Beispiel ein wichtiges Land in der Anti-Apartheid-Politik. Also in solchen Dingen haben wir mit den Blockfreien dieselbe Linie verfolgt. Und wir haben natürlich auch vor allem alle Konferenzen der Blockfreien besucht. Ich war auch bei Außenministerkonferenzen und verschiedenen und so. Und sie haben natürlich wieder Österreich besser kennengelernt.

Peter Jankowitsch

Unsere damals sehr aktive Neutralitätspolitik und so weiter, da gab es Überschneidungen und gegenseitigen Respekt, und das wurde respektiert. Also, das war für Österreich schon wichtig und hat uns auch geholfen, hat uns sehr geholfen bei den Vereinten Nationen, zum Beispiel bei solchen Fragen. Überhaupt, dass Wien zum dritten Sitzstaat der Vereinten Nationen wird, hat sehr viel mit der Unterstützung der Blockfreien zu tun, und zum Teil auch des Ostblocks.

Maria Wirth

Genau. Beziehungsweise generell, also die Dritte-Welt-Länder, wie man damals gesagt hat, haben Österreich ja mehrfach unterstützt bei den Vereinten Nationen, wenn wir uns das Thema Südtirol anschauen.

Peter Jankowitsch

Auch. Zum Beispiel auch dass Österreich überhaupt Mitglied der Vereinten Nationen wurde bzw. die Besatzung beendet wurde, war ja zum Teil auch von Initiativen der Blockfreien... Es hat ja mal Brasilien versucht, eine UNO-Resolution durchzusetzen, um die damalige Besetzung Österreichs… die Unabhängigkeit Österreichs zu stärken. Also von dieser Seite haben wir sehr viel Unterstützung bekommen, und auch in den späteren Jahren ist es dann weitergegangen.

Maria Wirth

Vielleicht bevor wir zum Themenbereich Internationale Organisationen und UNO kommen noch etwas zu Südafrika, weil das gerade angesprochen wurde: An der österreichischen Politik ist ja öfters kritisiert worden, dass Österreich zwar quasi die UN-Politik mitträgt, aber dass wirtschaftliche Kooperation trotzdem da ist mit Südafrika und dass über Umwege auch Waffen, die aus Österreich stammen, in Südafrika gelandet sind. Wie sehen Sie das? Und war das auch einmal irgendwie ein Thema bei der UNO?

Peter Jankowitsch

Nein, das war natürlich für uns sehr unangenehm, dass zum Teil aus privaten Quellen die Beziehungen zu Südafrika weitergeführt wurden, wobei offiziell waren wir gegen die Apartheid und wollten eigentlich diese Beziehungen einstellen. Und da waren gewisse österreichische Großbetriebe, leider auch die VÖEST, waren sehr interessiert an solchen Beziehungen mit Südafrika, zum Teil auch mit Nordrhodesien und so weiter.

Peter Jankowitsch

Und der Kreisky hat versucht, das zu verhindern, aber da waren natürlich große Widerstände, innerösterreichische, die versucht haben, diese Beziehungen aufrechtzuerhalten. Aber wir haben dann natürlich… in den Vereinten Nationen haben wir uns natürlich sehr aktiv an der Anti-Apartheid-Politik beteiligt und auch verschiedene Resolutionen unterstützt und haben dann auch solche Sanktionen angenommen, die, die Beziehungen wirklich beenden sollten. Und ich hab sogar als Außenminister noch ein zweites Sanktionspaket damals durchgesetzt, um diese Sanktionen zu verstärken. Aber wie gesagt, da gab es natürlich innerösterreichische Widerstände.

Maria Wirth

Und auch von Seiten der VÖEST.

Peter Jankowitsch

Ja, von Seiten der VÖEST.

Maria Wirth

Und da hat man als Regierung keinen größeren Einfluss, weil die VÖEST ist ja verstaatlicht.

Peter Jankowitsch

Natürlich ist sie verstaatlicht, aber sie war natürlich in ihrer Geschäftspolitik unabhängig und hat daher solche Sachen machen können. Und der Kreisky ist dann oft spät erst draufgekommen, was da passiert. Aber wie gesagt, von der offiziellen Politik waren wir strikt gegen solche Beziehungen, auch was die VÖEST anbelangt.

Maria Wirth

Das ist dann schon nach Kreisky, aber das hat ja große Aufregung gegeben.[Mangosuthu] Buthelezi war ja vom Europäischen Forum Alpbach eingeladen, nach Österreich zu kommen. Da hat Ferdinand Lacina, ich glaube, dem Europäischen Forum Alpbach dann ja auch Fördermittel, Unterstützungsmittel, weggenommen. Es hat auch eine politische Diskussion um die Einreise von Buthelezi gegeben.

Peter Jankowitsch

Da war ich auch beteiligt, und ich habe damals den Innenminister dazu gebracht, Charly Blecha, dass er ein Einreiseverbot für ihn erlasst. Da waren die Alpbach-Leute dann sehr böse auf mich. Aber das wär natürlich eine erstklassige Propaganda gewesen für das Apartheid-Regime, und das wollten wir verhindern.

Maria Wirth

Wie ist der Buthelezi dann doch nach Österreich gekommen? War es der Außenminister?

Peter Jankowitsch

Wie er dann… also nach Alpbach ist er jedenfalls nicht gekommen, soviel ich weiß. Oder?

Maria Wirth

Ich glaube ja.

Peter Jankowitsch

Das muss aber dann später gewesen sein, ja. Weil irgendwann hat der Blecha ein Einreiseverbot gegen ihn.

Maria Wirth

Ich glaube, dass der Außenminister es dann ermöglicht hat, dass er gekommen ist. Und das hat auch zu Demonstrationen geführt. Ja. Weil wir gerade beim Bereich internationale Organisationen waren: Welche Rolle spielten denn die Vereinten Nationen in der Außenpolitik Kreiskys der[19]60er bis[19]80er?

Peter Jankowitsch

Also für Kreisky eine große Rolle. Er war der Meinung, man muss die Vereinten Nationen stärken und sollte sehr viele Möglichkeiten den Vereinten Nationen geben, sich in den einzelnen Krisensituationen einzuschalten.

Peter Jankowitsch

Er war ja immer sehr interessiert, auch mit den Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten und auch im Nahen Osten zum Beispiel. Aber jedenfalls waren für ihn die Vereinten Nationen damals genauso wichtig wie heute für viele Leute die Europäische Union. Also das war für ihn sozusagen einer der Kernpunkte der internationalen Politik.

Maria Wirth

Welche Ziele hat er sich denn davon versprochen, dass Wien ein UNO-Sitz wird?

Peter Jankowitsch

Ja, vor allen Dingen das Ansehen Österreichs sollte damit gestärkt werden und vor allen Dingen auch seine Rolle als neutraler Staat. Und daher haben wir uns damals sehr intensiv darum bemüht, UNO-Büros nach Wien zu bringen.

Peter Jankowitsch

Und ich war auch als Botschafter bei den Vereinten Nationen sehr aktiv in dieser Beziehung. Wir haben dann nach der UNIDO noch weitere Organisationen nach Wien gebracht, sodass dann Wien tatsächlich der dritte Sitz der Vereinten Nationen geworden ist, neben New York und Genf.

Peter Jankowitsch

Aber das war vor allen Dingen eine Frage, wie kann Österreich als neutrales Land anerkannt sein, und wie können wir uns damit die Unterstützung der ganzen Welt sichern, und nicht nur einzelner Verbündeter.

Peter Jankowitsch

Wobei für ihn war immer sehr wichtig die Beziehung mit Schweden und so weiter. Und die österreichische Außenpolitik war damals nicht so wie heute sehr stark im Kielwasser der deutschen Politik. Also der Außenminister, der Bielka, für den war es immer wichtig, Österreich ist ein eigenes Land. Wir brauchen eine eigene Außenpolitik, wir halten uns nicht an Deutschland.

Peter Jankowitsch

Es hat sich leider… In den späteren Jahrzehnten ist das dann nicht mehr so strikt eingehalten worden, aber damals war es ganz eindeutig. Für Österreich liegen die Schwerpunkte der Außenpolitik bei den Vereinten Nationen oder bei einzelnen europäischen Ländern, mit denen wir enge Beziehungen geführt haben, damals vor allen Dingen mit Schweden, auch mit Frankreich. Er hat ja dann mit Frankreich zusammen das österreichisch-französische Zentrum für Annäherung in Europa gegründet, wo ich lange Zeit Generalsekretär war. Also die Beziehung mit Frankreich hat er sehr stark gepflegt. Er hat eine persönliche Beziehung gehabt mit führenden Politikern in Frankreich. Also das war schon sehr wichtig, dass man sich vollkommen unabhängig Souveränität bildet und nicht nur als zweiter deutscher Staat dasteht.

Maria Wirth

Österreich bekommt dann ja auch einen Sitz im Sicherheitsrat. Wie kommt es dazu, und wie nützt Österreich diesen Sitz?

Peter Jankowitsch

Na ja, Österreich war damit sozusagen Teil einer Art Kommandobrücke der Vereinten Nationen, wo die wichtigsten Beschlüsse gefasst worden sind. Und wir haben vor allen Dingen… Es war immer die Befürchtung, dass man als neutrales Land in Schwierigkeiten kommen kann mit Beschlüssen des Sicherheitsrates. Und wir haben daher sehr sorgfältig darauf geachtet, alle Beschlüsse des Sicherheitsrates mit zu unterstützen und uns nicht der Stimme zu enthalten. Und ich glaube, es ist jedenfalls in dieser ersten Periode, wo ich dann auch im Sicherheitsrat war, ist es uns gelungen, also praktisch alle wichtigen Beschlüsse des Sicherheitsrates mit zu unterziehen, uns nicht auf unsere neutrale Rolle auszureden.

Peter Jankowitsch

Aber das war wichtig, und wir haben natürlich dann an vielen Aktionen im Sicherheitsrat teilgenommen, zum Teil auch in der Frage der Anti-Apartheid-Politik, aber auch in anderen Fragen, mit denen der Sicherheitsrat befasst war. Natürlich haben viele Großmächte verhindert, dass andere Dinge nicht in den Sicherheitsrat kommen. Zum Beispiel die Vietnamkrise war nie im Sicherheitsrat und solche Sachen. Aber der Sicherheitsrat hatte natürlich trotzdem viele andere wichtige und andere Aufgaben.

Maria Wirth

Wenn man die 1970er-Jahre Österreich und die UNO betrachtet, fällt natürlich auf, dass Kurt Waldheim…

Peter Jankowitsch

Waldheim war Generalsekretär.

Maria Wirth

Genau. Wie war denn das Verhältnis von Waldheim zu Kreisky?

Peter Jankowitsch

Also, absolut unterwürfig. Er war für ihn, der Kreisky, immer noch der große Chef. Und er hat versucht, Kreisky zu helfen, soweit er konnte, als Generalsekretär. Und also er war gegenüber dem Kreisky wirklich sehr, sehr, sehr, ich muss sagen, fast untertänig.

Maria Wirth

Hat Waldheim irgendwelche Spuren hinterlassen in der Geschichte der UNO als Generalsekretär?

Peter Jankowitsch

Also ich würde sagen, aus meiner Sicht, er war ein schlechter Generalsekretär, und er hat vor allen Dingen die vielen Befugnisse, die die Charta dem Generalsekretär gibt, nicht wirklich genützt. Und er hat sich immer wieder auf Beschlüsse der Generalversammlung und des Sicherheitsrats verloren und war sehr, sehr zögerlich, selber Beschlüsse zu fassen. Ich kann da ein Beispiel zitieren: Die Vereinten Nationen stellen ja sehr viele Friedenstruppen, und der Generalsekretär kann den Chef der Friedenstruppen bestellen.

Peter Jankowitsch

Und ich war damals im Sicherheitsrat, und da wollte der Waldheim unbedingt, dass der Sicherheitsrat den Chef einer neuen UNO-Truppe bestellt und wollte den Beschluss nicht selber finden, obwohl er hätte den Sicherheitsrat nicht gebraucht. Er hätte sagen können, laut Charta der Vereinten Nationen kann ich bestimmen, wer wird der Chef dieser Truppe. Die brauchen nicht dauernd die Beschlüsse anderer…. Das heißt, der war, wie gesagt, als Generalsekretär eher schwach.

Maria Wirth

Haben Sie irgendeine Aktion in Erinnerung, wo Kreisky versucht hat, ihn zu etwas zu motivieren, ihn zu etwas zu bewegen? Sie haben vorhin gesagt, er hat auf Kreisky gehört, hat ihn in gewisser Weise immer noch so ein bisschen als Chef….

Peter Jankowitsch

Ich glaube, der Kreisky kam gar nicht auf diese Idee, er hat Waldheim gar nicht so viel Einfluss zu…, versucht, ihn für solche Sachen zu gewinnen. Also da hat er sich weniger des Waldheim bedient.

Maria Wirth

Im Vergleich zu späteren Zeiten: Haben die Vereinten Nationen damals eine größere Rolle in der österreichischen Außenpolitik gespielt?

Peter Jankowitsch

Eine viel größere Rolle. Also damals war einer der wichtigsten Posten, war Vertreter bei den Vereinten Nationen. Das, was heute die Europäische Union ist, waren damals die Vereinten Nationen. Man hat damals sehr viel, sehr viel politisches Gewicht in die Vereinten Nationen verlagert, und die Vereinten Nationen waren für uns sehr wichtig.

Maria Wirth

Womit hängt es zusammen? Hängt es damit zusammen, dass Kreisky den Vereinten Nationen ein größeres Gewicht gibt oder dass die Vereinten Nationen in den[19]70er Jahren auch noch ein wichtigerer Player waren?

Peter Jankowitsch

Die Vereinten Nationen waren damals viel wichtiger, wurden damals noch viel ernster genommen wie heute. Und das war einer der Gründe, warum wir damals sehr großen Wert gelegt haben auf Beziehungen zu den Vereinten Nationen und die Vereinten Nationen in Wien anzusiedeln, weil, wie gesagt, dieses machtpolitische Zentrum war damals wesentlich in New York – von Brüssel war damals noch keine Rede.

Peter Jankowitsch

Man sieht da zum Beispiel auch an den Memoiren der Akteure, einer unserer Generalsekretäre, der[Gerald] Hinteregger war das, glaube ich, hat Memoiren geschrieben, da ist von der Europäischen Union überhaupt keine Rede. Er spricht sehr viel von der UNO, aber die EU war damals kein Begriff. Das hat sich spät dann verlagert in Richtung Europäische Union.

Maria Wirth

Vielleicht noch einmal, also dass wir das vertiefen. Europapolitik, europäische Integration spielt eine geringe Rolle, sagen Sie, in den[19]70er Jahren.

Peter Jankowitsch

Nein, nicht – für Kreisky war die europäische Integration immer sehr wichtig. Und er war ja damals einer der Gründer der EFTA. Die Idee war ja, dass auch Länder wie Österreich an der Integration teilnehmen können, aber damals noch nicht im Rahmen der Sechsergruppe, sondern man hat einen eigenen integrationspolitischen Spielraum geschaffen. Und deshalb war es ihm sehr wichtig, mit Ländern wie damals Großbritannien, Schweden, Portugal und so weiter eine eigene Organisation zu schaffen und dort auch eine gewisse Rolle zu spielen in der europäischen Integrationspolitik.

Peter Jankowitsch

Also, das war für ihn sehr wichtig. Und er hat natürlich auch auf Beziehungen zur heutigen EU Wert gelegt, nicht, zwischen EFTA und… Und er hat dann auch als Bundeskanzler, dann im Jahr 1972, eine wichtige Vereinbarung zwischen der EU und der EFTA... Und damit wollte Kreisky sozusagen auch in der europäischen Integrationspolitik eine Rolle spielen.

Maria Wirth

Man hört oft, dass es für die ÖVP ein stärkeres Anliegen war. Es gibt ja auch diesen Alleingang in der Ära[Josef] Klaus, also was so Assoziierungsabkommen betrifft. Und nachdem die Ära Kreisky dann zu Ende ist, findet dann ja auch ein Schwenk in der Außenpolitik statt, wo man sagt, man wendet sich jetzt wieder mehr Europa, den Nachbarländern zu, man verlässt die große weite Welt. Wenn Sie so was hören: Wie bewerten Sie das? Stimmt das ein Stück weit?

Peter Jankowitsch

Ja, das ist stark übertrieben, nicht? Die Wahrheit ist nicht, dass Kreisky, wie gesagt, auch in der Europapolitik eine Rolle spielen wollte, und dass er natürlich erkannt hat für die Bedeutung eines Landes spielt nicht nur seine Beziehung zu seinen Nachbarn eine Rolle, sondern weltweit, nicht?

Peter Jankowitsch

Und da war natürlich die UNO der entsprechende… und in der Europapolitik hat er sich eben eigene Instrumente geschaffen mit der EFTA, um in dieser Integrationspolitik aktiv bleiben zu können. Und daher kann man nicht sagen, dass er sozusagen die Europapolitik vernachlässigt hat, ganz im Gegenteil. Er hat sie sehr, sehr ernst genommen und war auch, wie gesagt, sehr interessiert an der Stärkung der EFTA gegenüber der EU, hatte damit eine europäische Rolle gespielt.

Maria Wirth

Und wie hat er die Neutralität Österreichs bewertet in Hinblick auf die europäische Integration? Die Gründung und Teilnahme der EFTA ist vor dem Hintergrund der Neutralität zu sehen.

Peter Jankowitsch

Eigentlich nicht. Die Gründung der EFTA war der Versuch, sozusagen gegenüber der EU eine Position in Europa zu haben. Die Neutralität hat in der EFTA eigentlich gar keine Rolle gespielt.

Maria Wirth

Gab es im Bereich der Europapolitik wichtige Player in Österreich, im österreichischen Diskurs, wichtige Ansprechpartner für Kreisky?

Peter Jankowitsch

Er hat natürlich mit den Sozialpartnern zusammengearbeitet, sehr eng. Die Sozialpartner waren natürlich sehr interessiert an Beziehungen zu Europa, aber er hatte eigentlich keinen wirklichen… kein vis-à-vis auf der anderen Seite der Politik. Er war, wie gesagt, sehr, sehr an Europa interessiert, und das war für ihn sozusagen einer der Gründe, warum er die EFTA gegründet hat.

Maria Wirth

Hat es bestimmte Foren gegeben, die er in dem Zusammenhang besucht hat?

Peter Jankowitsch

Ja, könnt ich mich jetzt nicht erinnern,… Alpbach natürlich war immer, er war sehr oft in Alpbach, das war für ihn sicher ein Forum, wo man diese Beziehungen pflegen konnte, auch europaweit.

Peter Jankowitsch

Und er war natürlich auch in diesen ganzen Jahren ein wichtiger Gestalter der Ost-West-Politik. Er hat versucht, Beziehungen zu den Staaten, die damals unter sowjetischer Herrschaft waren, wieder aufleben zu lassen, eben zum Beispiel durch das österreichisch-französische Zentrum. Und er war immer jemand, der versucht hat, diese Ost-West-Konflikte zu mildern und hier eine vermittelnde Rolle zu nehmen.

Peter Jankowitsch

Er war ja auch in der OECD-Politik… hat er dann eine Rolle gespielt. Also, er war auch jemand, der sich sehr stark beschäftigt hat mit Ost-West-Politik, auch zusammen mit seinem Freund Willy Brandt. Also, da waren schon gemeinsame Ansätze vorhanden für einen sinnvollen Dialog zwischen Ost und West… Abrüstung und so weiter.

Maria Wirth

Gibt es konkrete Ergebnisse, also, wo diese Beziehungen Brandt, Kreisky eben zu Folgen geführt haben?

Peter Jankowitsch

Das kann man schwer sagen. Aber ganz allgemein war das wichtig, dass diese Zusammenarbeit zwischen Kreisky und Brandt hier gut funktioniert hat, auch zum Teil mit einem dritten Teilnehmer, mit Olof Palme. Das war so ein Dreiergestirn, die versucht haben, auch in der Weltpolitik ihre Rolle zu spielen, nämlich als vermittelnde Kräfte, die versuchen, das Aufeinanderprallen von Ost und West zu verhindern. Also, das war schon eine direkte Folge der Zusammenarbeit mit Willy Brandt, aber auch Olof Palme.

Maria Wirth

Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang das Verhältnis zur DDR? Weil[19]72 kommt es zu diesem Vertrag zwischen BRD und DDR und danach wird Friedrich Bauer als erster österreichischer Botschafter nach Ost-Berlin geschickt, und[Erich] Honecker ist dann auch paar Jahre später zu Gast in Wien. Können Sie dazu vielleicht was sagen?

Peter Jankowitsch

Da hab ich keine besondere Erinnerung, jedenfalls… die DDR war für ihn eine Tatsache, die man anerkennen musste, eine Frage, die die Deutschen untereinander regeln mussten, und da hat er keinen besonderen Ehrgeiz gehabt, eine Rolle zu spielen gegenüber der DDR.

Maria Wirth

Wenn man die Nachbarschaftspolitik betrachtet, gibt es Staaten, die für ihn besonders wichtig waren?

Peter Jankowitsch

Ja, schon unsere, vor allen Dingen die Staaten, mit denen wir von der Monarchie her noch sehr eng waren. Polen, Ungarn, zum Teil Jugoslawien, Jugoslawien und so weiter.

Maria Wirth

Tschechoslowakei?

Peter Jankowitsch

Also die Tschechoslowakei, wobei die Tschechen natürlich sehr, sehr, sehr, unter sehr starkem sowjetischem Einfluss damals alle Annäherungsversuche aus dem Westen abgelehnt haben, während man mit den Ungarn und den Polen konnte man schon ganz gute Beziehungen eröffnen, eben über dieses österreichisch- und deutsche Zentrum und andere Foren.

Maria Wirth

Ja, vielleicht, weil wir über Kreisky immer wieder mal gesprochen haben, dass wir das jetzt noch geblockt angehen: Wann haben Sie denn den Kreisky kennengelernt?

Peter Jankowitsch

Den Kreisky hab ich schon kennengelernt, noch bei den sozialistischen Studenten. Da war er, kann ich mich erinnern. Irgendeinen Vortrag hat er gehalten. Da kam so ein sehr eleganter Mann aus der Präsidentschaftskanzlei und hat da über die Außenpolitik gesprochen und so weiter. Und ich habe dann über den VSStÖ die ersten Beziehungen zu ihm gehabt und so.

Peter Jankowitsch

Und natürlich dann auch, wie ich dann im Außenamt selber war, hat sich das natürlich noch sehr intensiviert, wobei Kreisky da immer sehr korrekt war. Und für ihn war die Tatsache, dass man Parteimitglied war, noch kein Grund, ihn zu unterstützen. Er hat immer gesagt „Erwerben Sie sich Meriten“, wenn ich gesagt habe „Ich möchte ins Ausland“. Also: „Erwerben Sie sich Meriten.“ Man muss sich das verdienen, sozusagen. Es genügt kein Parteibruch, und das hat er immer wieder auch gezeigt.

Peter Jankowitsch

Ich verdanke es ja eigentlich ihm überhaupt, dass ich ins Ausland gekommen bin, weil er hat, um den CV-Einfluss zurückzu, hat er eine Aufnahmeprüfung erfunden, das sogenannte 'examen préalable'. Und wenn ich das nicht bestanden hätte, wäre ich nie ins Ausland gekommen.

Maria Wirth

Das heißt, da sind wir jetzt bei der Diplomatischen Akademie.

Peter Jankowitsch

Das war noch vor der Diplomatischen Akademie. Ja.

Maria Wirth

Also das ist, bevor die Diplomatische Akademie von ihm wiederbegründet wird.

Peter Jankowitsch

Die hat er wiederbegründet. Ja. Aber er wollte eben, wie gesagt, wenn man ins Ausland hineinwollte, musste man diese Prüfung bestehen. Die ÖVP wollte mich verhindern, weil ich war vorher Vorsitzender des VSStÖ war und natürlich aus diesen Gründen dem CV nicht sehr, sehr angenehm.

Peter Jankowitsch

Und Kreisky hat aber dann aufgrund der Tatsache, dass ich das 'examen' bestanden habe, darauf bestanden, dass ich aufgenommen werde ins Ausland. Das hat mich ein oder zwei Monate gekostet, aber das war einer der Gründe, warum ich überhaupt hineingekommen bin. Aber wie gesagt, er hat auf die Parteimitgliedschaft im Ausland keinen großen Wert gelegt, und das hat sich auch damals bewährt. Ich war zum Teil bei ihm schon, habe für ihn gearbeitet, als er noch Staatssekretär war, und er wurde ja dann Außenminister. Und da haben alle geglaubt, jetzt kommt der Jankowitsch ins Kabinett vom Kreisky. Da war ich eine Zeit lang nichts und dann hat er mir sagen lassen, durch irgendeinen Gewährsmann, er schätzt mich sehr hoch, aber er ist nicht wie der[Leopold] Figl, der jeden Tag besoffen ist und eigene Leute um sich herum braucht. Also ich sollte verstehen, dass er mich…, ich war damals in der Völkerrechtsabteilung, lässt und dass ich nicht ins Kabinett komm.

Peter Jankowitsch

War mir auch recht. Ich war damals in einem internationalen Kurs im Ausland und bin also irgendwann in mein Büro zurückgekommen, ist ein anderer dort gesessen und gesagt: „Was ist los?“ „Ja, du bist ins Kabinett gekommen“. Er hat dann doch niemanden gefunden schließlich, der so unparteiisch war. Aber er war in der Beziehung sehr, sehr streng und sehr korrekt. Man musste sich, wie gesagt, alles selber verdienen und konnte nicht irgendwie auf seine Parteimitgliedschaft schließen.

Maria Wirth

Weil wir gerade schon über den diplomatischen Dienst gesprochen haben und wir hier noch einen Fragenblock zum Thema Formen der Diplomatie, die informelle Diplomatie, haben: Wir haben schon gesprochen darüber, dass Kreisky seine Außenpolitik am liebsten selbst gemacht hat, auch als Bundeskanzler. Welche Rolle hat er denn dem diplomatischen Dienst eingeräumt?

Peter Jankowitsch

Nein, er hat die Diplomaten geschätzt und so weiter. Aber wie gesagt, er hat sich sehr auch auf andere Informationsquellen verlassen und nicht nur dem, was aus dem Außenamt gekommen ist.

Maria Wirth

Wer waren denn wichtige Quellen für ihn?

Peter Jankowitsch

Es waren... Von Zeit zu Zeit kamen so mysteriöse Besucher ins Außenamt, die haben ihn informiert, also mir sind die Namen jetzt nicht mehr… er hat wirklich… er hat sich sehr gestützt auf nicht formelle Kontakte, sein Weltbild zu formen.

Maria Wirth

Haben Journalisten, Kulturschaffende…?

Peter Jankowitsch

Ja, waren Journalisten auch und so weiter.

Maria Wirth

Gibt es spezielle Orte, wo er diese Leute getroffen hat?

Peter Jankowitsch

Nein, die sind zu ihm gekommen ins Außenamt.

Maria Wirth

Hat die Armbrustergasse in der Gestaltung von Außenpolitik auch eine wichtige Rolle gespielt?

Peter Jankowitsch

Der[Hannes] Androsch nicht –

Maria Wirth

Nein, die Armbrustergasse…

Peter Jankowitsch

Ah, die Armbrustergasse. Nein, so als geselliger Ort natürlich hat sie eine gewisse Rolle gespielt, das war schon.

Maria Wirth

Weil wir gerade schon gesprochen haben: Kreisky hat doch Leute getroffen, die informell waren. In welchen Bereichen glauben Sie denn, hat diese Art von informellen Kontakten, von informeller Diplomatie eine große Rolle gespielt?

Peter Jankowitsch

Also, die hat eine große Rolle gespielt in seiner Beurteilung verschiedener Situationen, ne. Er hat sich da von verschiedenen Seiten informieren lassen, hat natürlich auch Berichte bekommen aus dem Außenministerium, aber für ihn war auch sehr wichtig, dass von außen her noch Kontakte gekommen sind, und er war nicht abhängig von den Berichten des Außenamts, sei es des österreichischen, sei es von anderen. Aber das war für ihn eine wichtige Informationsquelle.

Maria Wirth

Ich wäre jetzt soweit mit meinem Fragenkatalog durch. Haben wir etwas vergessen anzusprechen, das Ihnen wichtig ist?

Peter Jankowitsch

Ich glaube nicht, wir haben schon ziemlich alles…

Maria Wirth

Vielen Dank, wir haben ganz viele tolle Dinge heute von Ihnen erfahren.


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