Interview mit (Ali) Alfred Kohlbacher am 17.11.2025 – 1. Termin


Dieses Transkript wurde leicht geglättet. Füllwörter („äh“, „ähm“) und irrelevante Wortwiederholungen wurden entfernt. Inhalt, Wortwahl und Aussageabsicht bleiben unverändert.

Höre auch Teil 2.


Esther Anatone

Gut, ja, wir freuen uns sehr, dass du dich bereit erklärt hast, mit uns zu dem Projekt das Gespräch zu führen zu Kreiskys Außenpolitik und informelle Diplomatie. Du warst lange Zeit Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt und gleichzeitig mit vielen außenpolitischen Themen, Regionen, internationaler Entwicklungszusammenarbeit, Solidarität beschäftigt.

Esther Anatone

Deswegen würden wir eben heute gerne sprechen über einerseits deine Biografie und das Interesse für die Außenpolitik, unterschiedliche regionale Schwerpunkte Lateinamerika, Westsahara, dann auch eben Kreisky, deine Beziehung zu ihm, Gestaltung seiner Außenpolitik und mit dem letzten Punkt konkreter auf die informelle Diplomatie eingehen.

Ali Kohlbacher

Ja.

Esther Anatone

Zu Beginn, vielleicht ganz kurz, kannst du deine Biografie skizzieren für uns.

Ali Kohlbacher

Okay, ich bin am 11.6. [19]35 geboren. Es war eine ganz schwierige Geburt, eine Zangengeburt, die meine Mutter fast zu Tode gebracht hätte. Und ich hab ein Jahr lang keine Mutter gehabt, weil sie im Krankenhaus war.

Ali Kohlbacher

Ich war bei ihrer Schwester in Gmunden. Wie bin ich, in welcher Situation bin ich geboren? Meine Eltern wurden [19]34 arbeitslos. Austrofaschismus, weg mit dem militanten Sozialisten, arbeitslos.

Ali Kohlbacher

Die Mutter und Vater haben sich entschlossen, ein Projekt anzugehen, mitzumachen, und zwar eine Arbeitslosensiedlung zu bauen, ganz am Rande von Salzburg. Ich bin ein Salzburger, ganz nahe den Salzachauen, ein völlig unfruchtbarer Boden und der Bauer hat es also zu praktisch Nullkosten hergegeben, weil nicht einmal ein Auwald dort gewachsen ist und von dem haben sie sich halt dann auf diesem Grund die Häuser gebaut, kleine Häuschen ebenerdig und ein Satteldach drauf.

Ali Kohlbacher

Und da bin ich dann als Säugling dort eingezogen. Gelebt haben wir von den Hendeln, von den Hasen, die wir im Stall gehabt haben, später dann einmal probiert, dass wir Enten auch gezüchtet haben, weil vor dem Häusl vor dieser Siedlung ein kleiner Kanal war und da gab's Wasser.

Ali Kohlbacher

Für mich als Kind [war das] dann schon natürlich ein Paradies, mit der Hand fischen und so weiter, also wunderbar. Und so haben wir halt bis zum achtunddreißiger Jahr [gelebt]. Ich bin dann aus Gmunden zurück gekommen, nach einem Jahr bei der Schwester meiner Mutter und, wie man so sagt, ein süßer Fratz.

Ali Kohlbacher

Und ja, diese Zeit geht vorbei. Die Nazis kommen. Meine Eltern waren wirklich grundsatztreue Sozialisten, der Vater auch marxistisch gebildet, die Mutter gefühlsmäßig. Sie kam aus einer großen Eisenbahnerfamilie, aber das war halt die Selbstverständlichkeit. Als Arbeiter ist man Sozialist.

Ali Kohlbacher

Entschuldigt, wenn ich eine rauche. Ich rauch' nimmer mehr viel. Früher habe ich so meine 2 Packerln braucht, Bundeskanzleramt, 2 Packerln.

Esther Anatone

Aber das heißt,…

Ali Kohlbacher

Aber wir können schon weiter reden. Ja, dann kommen die Nazi und damit auch komm' ich in das Alter der Volksschule. Volksschule war weit entfernt, wie halt durch die Randlage der Siedlung war alles weit entfernt. Die Stadt war weit entfernt, der Bahnhof war weit entfernt, etc.

Ali Kohlbacher

In der Nähe des Bahnhofs war dann die Schule. Ich werde dort aufgenommen von einem fanatischen Nazi-Lehrer und bin natürlich gleich das schwarze Schaf. Ich war dürftig gekleidet.

Ali Kohlbacher

Mutter hat mir halt Stutzen gestrickt und Westen gestrickt und so weiter, was ihr halt die Zeit gegeben hat, weil sie zuerst in einer Schuhfabrik arbeiten musste, wo Militärschuhe erzeugt wurden. Später dann in einer Rüstungsfabrik und der Vater ist gleich eingerückt und ich war der schlechtest gekleidete Schüler.

Ali Kohlbacher

Bin mit den Schuhen, solange es die Temperaturen erlaubt haben, in der Hand zur Schule gegangen. Das war ein weiter Weg, über das Salzach drüber und so weiter. Dort habe ich sie angezogen. Und wann die Schule aus war, hab ich sie ausgezogen und bin wieder heim gegangen.

Ali Kohlbacher

Das war sozusagen meine Kindheit und das Schlimmste war, dass ich nicht aufsteigen durfte in die Hauptschule, sondern nur in die Hilfsschule. So ein Gesindel darf nix werden. Dann kam die Erlösung [19]45, amerikanische Truppen [befreiten Salzburg].

Ali Kohlbacher

Zuerst war noch die Bombardierung und was weiß ich in Salzburg und ein paar 1000 Tote, da sind wir halt eingesetzt worden. Ich bin ja frühzeitig zur HJ gekommen, da war ich noch keine 10 Jahre und wir hatten Stollendienst in den Bergen, die Salzburger Berg, Mönchsberg, Kapuzinerberg und so weiter sind die Stollen, die Luft[schutz]stollen gebaut worden.

Ali Kohlbacher

Und wenn der Angriff,… also im Stollen, hat man den Dienst. Auf der einen Seite eine Flasche mit Wasser und auf der anderen Seite einen Sanitätskoffer, weil die Leute,… die Stollen waren noch nicht belüftet, kein künstliches Ding. Dann ist das Licht dauernd ausgegangen und die Bomben gefallen sind.

Ali Kohlbacher

Also, es war eine wahnsinnige Situation. Tausende haben damals geschrien, Kinder in der Finsternis. Der Angriff ist vorbei, dann hat es geheißen: 'So, Krampen und Schaufel um jetzt die Toten aus den Trümmern zu holen.' Da habe ich ein unvergessliches Bild in mir, ein Paar ausgegraben, gelb wie Zitronen.

Ali Kohlbacher

Denen hat es irgendwas da drinnen, wahrscheinlich die Galle zerrissen und schlagartig ist das noch mit dem letzten Blutdruck in den Körper gegangen, unvergesslich. Bald sind dann die Amerikaner gekommen.

Ali Kohlbacher

Na, das war natürlich eine Sache für mich. Neugierig war ich sowieso. Uns gegenüber vor dem Haus war dieser Bach, von dem ich schon geredet hab, wo wir die Enten gehalten haben. Und dann war ein großes Feld. Und dort ist die Regenbogen-Division, die amerikanische Regenbogendivision, eine Division von Sträflingen – die [Sträflinge] waren auch bei den Amerikanern sozusagen, das Kanonenfutter in der 1. Reihe und so weiter. Aber die waren sehr nett zu uns, weil wir am Befreiungstag die rote Fahne rausgehängt haben, die die Mutter versteckt hat.

Ali Kohlbacher

Und damit haben sie mich gleich [als Küchenboy] genommen und so hab ich diese ganze Siedlung versorgt, weil ich habe in der Küche gearbeitet. Das ist immer ein guter Platz. Ja, Abfälle, Abfälle und so weiter.

Ali Kohlbacher

Und [wenn es] Hendl gehabt haben, haben sie die Haxen, die Köpfe weg [geworfen] und nur das echte Fleisch [wurde gegessen]. Und mit dem bin ich mit dem Wagerl durch die Siedlung [gefahren] und die Leute haben das mit Freuden genommen.

Ali Kohlbacher

Na gut, dann ist die Hauptschulzeit. Ich konnte [statt in die Hilfsschule nach 1945] in die Hauptschule gehen. Das haben die Genossen geregelt. Und bin in der Hauptschule ein Vorzugsschüler geworden. Alles hat mich interessiert. Ich hab viel gelesen. Ich war ein Lesender immer und der Striezi halt mit einem Wort.

Ali Kohlbacher

Und als Striezi hat man natürlich sehr viele Informationen, die die anderen Leute nicht haben und so weiter. Jedenfalls hab ich die Hauptschule mit Vorzug beendet.

Ali Kohlbacher

Und dann war die Frage, was tun? Die Amerikaner werden bald abziehen. Was mach ich? Habe mich noch gemeldet, als Civil Servant zu einer [US-]Nachrichtenabteilung. Das war gut für mein Englisch und das war eine harte Schule. Die verschiedenen amerikanischen Dialekte, der Südstaatler spricht anders als der Nordstaatler und so weiter.

Ali Kohlbacher

Aber das war ein Training für mich und so hab ich das [Englische sehr gut gelernt und wurde besser bezahlt], sodass ich schon ansparen konnte für ein Studium an der Bundesgewerbeschule in Salzburg. 5 Jahre, hab immer gearbeitet, alles Mögliche gemacht, die Masten, die Elektromasten gestrichen, die Freileitungsmasten, die Gittermasten über das Tennengebirge drüber.

Ali Kohlbacher

Das hat keiner sich getraut, weil man musste ja unter Spannung die Masten streichen und hinauf zerren, des ganze Material. Ich hab zwar eine Beiwagenmaschinen gehabt, aber es gibt halt Gebiete im Tennengebirge da kannst nicht einmal mit der Maschine fahren, musst alles schleppen.

Ali Kohlbacher

Aber ich hab gut verdient, sehr gut verdient, so dass ich am Ende dann noch da Absolvierung mit Vorzug der Bundesgewerbeschule in Salzburg nach Wien gehen konnte. Ich hab einen [Heim-]Platz gekriegt, in Wien in einem sozialistischen Studentenheim in der Säulengasse im neunten Bezirk.

Ali Kohlbacher

Dir wird das was sagen, weil wir viel Besuch natürlich gehabt haben. Und so hab ich im Studentenverband schon eine Funktion übernommen. Ich hab schon die ganzen Plakate entworfen vom VSStÖ, starke Plakate, die manchmal nicht angenommen wurden, weil sie zu stark waren, weil damals haben sie schon angefangen, es ein bisschen zu gespeanzelt mit den Amerikaner und so weiter und Kapitalismus, das ist der Aufbau, also…

Ali Kohlbacher

Die Bildungsorganisation [der SPÖ] war damals schon eine, sagen wir mal so, eine gespaltene. Die alten Marxisten und die anderen, die halt schon gespeanzelt haben mit dem amerikanischen Wunder, Konsumwunder, etc.

Ali Kohlbacher

Jedenfalls, das Architekturstudium, habe ich auch brillant abgeschlossen. Ich hab auch immer arbeiten müssen. Also, ich war ein begehrter Zeichner und hab für viele einfach die Zeichnungen gemacht, die sie dann vorgelegt haben zur Benotung und sehr froh waren, dass sie immer gute Noten gehabt aber so ist es halt.

Esther Anatone

Also bereits früh sozialistisch auch aktiv und durchgehend?

Ali Kohlbacher

Ja, ja, natürlich.

Esther Anatone

Wann sind dann außenpolitische Themen für dich interessant geworden oder eben Entwicklungen im Ausland?

Ali Kohlbacher

Also, die Welt war für mich immer eine Welt, die mir zugänglich sein musste. Ich war schon in verschiedenen Organisationen, die sich mit Afrika beschäftigt haben, mit Lateinamerika beschäftigt haben und so weiter.

Ali Kohlbacher

Und da fängt schon die Geschichte mit Kuba an. In einem amerikanischen Magazin „Life“ hat es geheißen, ist ein Bericht über die Landung von Fidel Castro und Che Guevara in Kuba.

Ali Kohlbacher

Sie ziehen sich zurück nach den Kämpfen mit den Truppen von dem Diktator und kämpfen in den Bergen und gewinnen dort die Leute für ihre Ideen. Und von dort entwickelt sich die große kubanische Revolution immer weiter ins Land hinein mit einem unwahrscheinlichen Zulauf von den Menschen und die, die es mit der Diktatur hatten, die sind einfach in die USA abgereist und so weiter.

Ali Kohlbacher

Geld haben sie genug gehabt und für mich waren also Fidel und Che natürlich Leitfiguren. Und so beginnt dann mein Interesse mit anderen Genossen, Genossinnen zusammen [für die kubanische Revolution und den kubanischen Sozialismus]. Da waren zum Beispiel der Günter Nenning, die [Barbara] Coudenhove-Kalergi.

Esther Anatone

Genau die österreichisch-kubanische Gesellschaft…

Ali Kohlbacher

Der [Albrecht] Konecny und so weiter – gründen wir die Österreichisch-Kubanische Gesellschaft und sind praktisch jedes Jahr – haben wir eine Delegation gehabt zum Nationalfeiertag, also zum Befreiungstag, aber auch in die Arbeitsbrigaden.

Ali Kohlbacher

Ich war einige Male in Kuba bei den Arbeitsbrigaden, Obsternte, alles Mögliche, das ist gut für die Moral, die Arbeit und man hat das Gefühl, man leistet einen Beitrag zum Aufbau des Sozialismus.

Esther Anatone

Also auch konkret vor Ort, ja?

Ali Kohlbacher

Konkret vor Ort um die Menschen einfach kennenzulernen und auch lieben zu lernen, ne, das gehört auch dazu.

Esther Anatone

Was waren dann deine Ziele und Anliegen, wenn du sagst, einen Beitrag zum Aufbau des Sozialismus beizutragen, was war das Ziel?

Ali Kohlbacher

Als Linker in der Partei hat man natürlich ein besonderes Interesse, dass wir wachsen, nicht nur in Österreich, sondern weltweit, dass der Sozialismus immer mehr Unterstützung findet bei den Menschen. Besonders in den Entwicklungsländern, die ja ausgebeutet werden durch die Kolonialsysteme, Briten, Franzosen, Italiener etc., und dass sie selbstständig werden, ihre Freiheit kriegen und nach sozialistischen Prinzipien einfach ihr Leben aufbauen, ihr Land aufbauen und das war es.

Ali Kohlbacher

Und so hat sich das erweitert. Es ist dann später dazu gekommen, die Westsahara, schwieriges Terrain, kann ich nur sagen.

Esther Anatone

Wenn wir noch bei Kuba bleiben, welche Bedeutung hatte denn Kuba in den [19]70er und [19]80er Jahren für diese Solidaritäts- und sozialistischen Bewegungen in Österreich?

Ali Kohlbacher

Also, es war so, dass damals der VSStÖ, dessen Mitglied ich auch war, natürlich großes Interesse hatte und nach links ging, ein Stück nach links. Nicht weit genug und besonders der Kreisky hat sich interessiert.

Ali Kohlbacher

Ich habe ein besonderes Verhältnis gehabt zu ihm. Ich hatte schon meine Familie, 2 Kinder, er war schon Bundeskanzler, hat draußen in der Armbrustergasse gewohnt. Das Haus hat gar nicht hingehört, aber er hat's benützen dürfen. Und im Sommer waren wir immer eingeladen, die Familie [und die Kinder] im Garten zu spielen und haben immer Jausen gekriegt und so weiter.

Ali Kohlbacher

Also, ich hab sehr früh eigentlich ein sehr väterliches Verhältnis zum Bruno gehabt. [Sein Sohn] Peter war ein guter Freund von mir. Er ist leider dann auch verunglückt. War eine große Katastrophe. Ja, ich hatte also einen Familienanschluss, sagen wir mal so, und das hatte sich auch politisch ausgewirkt, dass der Herr Kreisky, also ich hab damals schon fertig das Studium gehabt, um ein bisserl schneller zu werden.

Ali Kohlbacher

Und eines Tages heißt es – und habe im Österreichischen Institut für Raumplanung gearbeitet Städtebau, Stadtentwicklung, all diese Dinge – und da sagte eines Tages der Kreisky, da war er noch Vorsitzender in Niederösterreich.

Ali Kohlbacher

Da war er noch nicht Bundeskanzler in Niederösterreich, sagt er, wir besuchen jetzt die Genossen in Hessen, die haben einen Hessenplan entwickelt und den schauen wir uns an.

Ali Kohlbacher

Kommst du mit? Er [Kreisky] hat dann geschaut, dass ich mitkommen kann und dieser Hessenplan hat ihn begeistert. Er war multidimensional, also vom Verkehr über alles bis zur Gesundheit, Krankenanstalten, Schulen, alle diese Dinge und mit dem Hessenplan hat die SPD Hessen, ihre Wahlkämpfe immer positiv geschlagen, bis auch dann irgendwo auch in Deutschland die Wende kam.

Ali Kohlbacher

Und mit dem Bus kommen wir dann zurück und beim Aussteigen sagt er: 'Kannst du dir vorstellen, dass du so einen Plan für Niederösterreich machst? Weil da war er noch niederösterreichischer Vorsitzender.' Sag ich: 'Ja, natürlich.' und hab einen Niederösterreich-Plan gemacht.

Ali Kohlbacher

Kannst du ihn holen? Und ich hab dann gekündigt im Österreichischen Institut für Raumplanung, weil das erforderte meine ganze Kapazität. Ich musste in alle Bezirke, zu allen Parteiorganisationen natürlich dafür werben.

Ali Kohlbacher

[Mein Credo:] Das liegt jetzt an euch. Nur wir können uns selber befreien von der schwarzen Brut in Niederösterreich und hab diesen Niederösterreich-Plan gemacht. In der Zwischenzeit, bis er fertig war, von vielen Darstellungen, Tabellen, etc., etc., also ein wirklich, wird der Kreisky Bundeskanzler und der Hansl Czettel, sein Nachfolger, der dann den weiterführt und so weiter.

Ali Kohlbacher

Meine Aufgabe war, nachdem der Plan fertig war, es war ja Heidenarbeit, Tag und Nacht haben wir gearbeitet. Dann mussten alle Funktionäre, alle Organisationen der Partei Niederösterreich eingeschult werden auf diesen Niederösterreich-Plan. Was ist zu tun? Was? Und das war natürlich zum Teil revolutionär für Sie.

Ali Kohlbacher

Na, so was haben Sie nie gemacht, außer Biertrinken im Wirtshaus. Ja, so war das Parteileben früher, ja. Sektionen gab es natürlich, aber sie haben immer geendet, irgendwo bei einem Seidl Bier, manchmal mehr.

Ali Kohlbacher

Und so wird dann vom Hansl Czettel dieser Plan umgesetzt. Und ich hatte die Koordination der Umsetzung, die Einschulung. Das war in Baden. Xxxx Wochen hab ich immer wieder einen neuen Trupp gehabt aus dem Bezirk, aus dem Bezirk von Funktionären, Lokalfunktionären, Landesfunktionären, sie einzuschwören auf die Notwendigkeiten und auf die Aktivitäten des Niederösterreich-Plans.

Ali Kohlbacher

Das ist ein Riesenerfolg geworden. Das erste Mal [wurde] die absolute Mehrheit im schwarzen Land der ÖVP gebrochen und die SPÖ ist in die Regierung gekommen.

Esther Anatone

Na, Sie haben wirklich intensive Beziehungen mit Kreisky gehabt, haben Sie gemeint? Also, einerseits war natürlich ein wichtiger Punkt die Raumplanung. In welchen Bereichen hast du sonst mit ihm zusammengearbeitet? War das auch viel außenpolitische Fragen?

Ali Kohlbacher

Also, wir haben uns immer ausgetauscht. Wie ich Abteilungsleiter war im Bundeskanzleramt, war das einfach, weil es hat fast jeden Tag eine Sitzung gegeben, wo ich beigezogen wurde und wo wir einfach politisch diskutieren konnten.

Ali Kohlbacher

Ich habe natürlich als damals schon als Weltreisender – wo ich überall rumgekommen bin, ich glaube, es gibt maximal 10 Länder, in denen ich nicht war, aber immer einfachst, immer Expeditionscharakter, immer den Kontakt zu den Armen, zu denen, die nicht partizipieren konnten. Und das hat ihm immens gefallen.

Ali Kohlbacher

Und das hat halt dann schon dazu geführt, dass man zu einzelnen Regionen besondere Beziehungen aufgenommen [hat]. Also, die erste Reise in den Orient, es war ein Auftrag von Kreisky, ganz informell nach Algerien. Nein, Tunesien, weil damals gab es eine sozialistische, tunesische Regierung als Nachfolge für die Franzosen. Einen Ring zu schließen, rund um das Mittelmeer, einen Eisenbahnring zu schließen. Tolle Idee.

Ali Kohlbacher

Na, ich war begeistert, auch davon. Ich war immer ein Eisenbahnfan, kein Autofan und das hat mir natürlich sehr gefallen. Und während ich die ersten Kontakte in Tunesien diesbezüglich pflegte, Vorträge halte, stirbt der Präsident.

Ali Kohlbacher

Damit war das Projekt gestorben. Kreisky war sehr traurig, weil das wäre eine Verbindung gewesen, Europa mit dem ganzen Nordteil von Afrika [zu verbinden]. Das hätte Folgen gehabt.

Ali Kohlbacher

Na ja, gut. Sind halt dann die anderen Länder gekommen, unter anderem dann die Sache mit…

Esther Anatone

Die Westsahara. Wenn wir in Afrika bleiben.

Ali Kohlbacher

Die Westsahara war natürlich ein besonders interessantes Projekt. Westsahara, bedrängt von Marokko. Marokko wird frei, sogenannt frei, bleibt aber irgendwo unter dem Einfluss der Franzosen. Es war halt ihr Kolonie und die haben imperialistische Gelüste.

Ali Kohlbacher

Sie wollen mehr Land und marschieren ein von Norden her in das Gebiet der Polisario, die sich dann als Befreiungsbewegung gegründet hat, waren furchtbare Kämpfe. Marokko hat dann diesen 3.000 Kilometer langen Wall gebaut, Sandstation für die Panzer, wieder Sandwall und so weiter und haben versucht, halt immer weiter ins Land der Saharauis einzudringen.

Ali Kohlbacher

Die waren aber ganz gut organisiert und so gab es Widerstand. Und diesen Widerstand haben wir unterstützt, vor allem materiell. Wir haben dann auch nicht nur Lebensmittel, Schulmaterial. Wir haben Häuser, Siedlungen gebaut, ganze Siedlungen, Fertighaussiedlungen, [Wasserquellen erschlossen und Schulen gebaut].

Ali Kohlbacher

Wir haben eine österreichische Firma gefunden, die das gemacht hat und diese Elemente einfach übers Wasser gebracht und dort aufgebaut. Am Anfang waren wir ein bisschen naiv, denn dieses Pressholz, die Span – weiß nicht, wie das heißt – war ein beliebtes Nahrungsmittel für die Ziegen.

Ali Kohlbacher

Wir haben also eine Schule fertig gebaut und sind wir zur nächsten und dann schauen wir mal, sind schon ganze Löcher. Weil die Ziegen in dem Wüstenklima, wo nix wächst, das natürlich ein Nahrungsmittel ist.

Esther Anatone

Du sagst jetzt immer 'wir' oder haben wir gemacht, haben wir gebaut. Wer ist denn das 'wir' außer dir?

Ali Kohlbacher

Insbesondere hat sich hier die Niederösterreichische Partei engagiert. Die haben dann auch diese Aktion getragen für die Kinder – „Ferien vom Krieg“.

Ali Kohlbacher

Wir haben ganze Schulklassen oder mehrere Klassen nach Niederösterreich gebracht. Da sind sie einmal untersucht worden, medizinisch betreut worden, dann aufgepappelt, aufgefüttert und viele Erlebnisse, ihr müsst euch denken. [Baden, Wandern in den Wäldern]

Ali Kohlbacher

Für diese Kinder war ein Bad, ein Freibad, etwas ganz Besonderes. Hinunterspringen vom Turm und was weiß ich, obwohl sie eh nicht schwimmen haben können, ist egal gewesen, aber die Freude war riesig. Und wir haben doch einige sehr schwere Fälle von Kinderkrankheiten, Lähmung und alles Mögliche helfen können und das haben wir jedes Jahr, haben wir das gemacht und das hat natürlich den Kreisky hoch interessiert.

Ali Kohlbacher

Kreisky war begeistert, muss man sagen, und das hat auch die Niederösterreichische Partei ein Stück weiter gebracht, populärer gemacht, sagen wir mal so. Das ist eine Partei, die hüpft und nicht nur Blabla. Und so war das halt.

Esther Anatone

Mit welchen Organisationen oder Netzwerken habt ihr noch Kontakt gehabt oder vor Ort?

Ali Kohlbacher

Ja wir! Ja, natürlich vor Ort. Also wir haben beigetragen zur Organisierung der Frauen als Frauenbewegung, sogar bewaffnete Frauenkompanien. Es war ja ständig die Gefahr, dass Marokko angreift und Materialbeschaffung war natürlich eine ganz wichtige Sache.

Ali Kohlbacher

Die Lehrerausbildung, schwierig, war eine reine Domäne der Männer, nicht der Frauen. Frauen zu ermuntern, eine Lehrerausbildung zu machen, ist nicht einfach in einem orientalischen Land mit dem Islam. Ja, wir haben natürlich dann auch uns bemüht, 2 islamische Ordensleute für uns zu interessieren.

Ali Kohlbacher

Die haben ein Haus gekriegt und aus Dankbarkeit haben sie uns religiös unterstützt, muss man auch sagen. Ich bin ja ungetauft und nie religiös gewesen, werd es auch nie sein, aber das hat uns geholfen.

Esther Anatone

Das heißt, religiöse Netzwerke haben auch eine wichtige Rolle gespielt.

Ali Kohlbacher

Haben eine gewisse Rolle gespielt, eine gewisse, natürlich ohne dem anderen. Zuerst kommt das Fressen, dann kommt die Moral – das ist ein ehernes Gesetz. Da kann Religion spielen, was will, wenn ich verhungere und stirb und nicht in den Himmel komme, weil ich nicht religiös bin. Das ist dann uninteressant.

Ali Kohlbacher

Also dort, wo es ging, hab ich als Nicht-Religiöser immer versucht, mit gewissen Priestern. Auch bei uns zusammenzuarbeiten. Es gibt die Befreiungstheologie, die besonders eine Rolle dann gespielt hat in Lateinamerika, große Rolle! Da hatte ich keine Scheu, weil die Wahrheit lag bei mir. Ja, aber das Bewusstsein musst du haben. dass du nur so an Menschen herankommst.

Esther Anatone

Es ist trotzdem ein wichtiger Akteur.

Ali Kohlbacher

Als Akteur ja, und ich hab großartige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehabt. Ja, so ging es dann weiter, aber Schwerpunkt war natürlich Kuba. Da waren wir auch nicht gschamig und es gab unter den Kommunisten Leute, die bereit waren mit uns zusammenzuarbeiten.

Ali Kohlbacher

Also keine Ängste, mit denen haben wir zusammengearbeitet, haben gemeinsame Demonstrationen gemacht und haben für Kuba eigentlich ungeheuer viel erreicht, am Aufbau des Landes.

Ali Kohlbacher

Wir haben selber also Arbeitsbrigaden gehabt. Wir sind gefahren – scheiß Arbeit – nach der Ernte. Egal welche Bäume es waren, ob es normale Obstbäume waren oder Zitronen oder Orangen, die zu schneiden.

Ali Kohlbacher

Aber da waren immer noch verfaulte Dinge drinnen [auf und in den Bäumen], daher Nester von Ameisen. Und die sind natürlich herabgerisselt auf uns, es war keine leichte Arbeit, aber am Abend ist gesungen worden und getanzt worden und am nächsten Tag ging es weiter.

Esther Anatone

Das heißt, es ist wirklich sehr direkte Arbeit vor Ort, auch schwere Arbeit.

Ali Kohlbacher

Du kannst nur wirklich authentisch werden, nicht durchs Reden, sondern durchs Tun.

Esther Anatone

Aber wie hat dann vor…

Ali Kohlbacher

Das ist meine marxistische Erziehung durchs [Lernen, durchs] Tun, durchs Beispiel geben und das war überall mein Geheimrezept, kann man sagen. Und ich hab dafür auch immer Leute gefunden, die bereit waren, so zu arbeiten.

Esther Anatone

Wie war da dann die Unterstützung, quasi die offizielle Position Österreichs gegenüber Kuba?

Ali Kohlbacher

Na ja, sehr gemischt. Die Schwarzen waren natürlich dagegen, ist klar. Dabei hatte Kuba ja einen Erzbischof und was weiß ich. Die Revolution hat diese Leute in Ruhe lassen. Es gab auch die Arbeiterpriester. Viele Arbeiterpriester, vor allem Spanier, sind, weil es das gab, ein kommunistisches Land, duldet Arbeiterpriester, duldet den Bischof und so weiter. Das war große Anziehungskraft für diese Arbeiterpriester.

Ali Kohlbacher

Mich hat so etwas nicht gestört. Wir waren erfüllt von der Mission, wir werden siegen.

Ali Kohlbacher

Dieser Optimismus, jetzt zur Gegenwart, der fehlt mir. Der fehlt mir in der Partei, der hört irgendwo, irgendwann am Ende der SJ-Zeit auf, weil die Verlockungen des Kapitalismus fangen halt an beim Beruf, bei der Bezahlung etc., bei der Karriere, aber ich geb's nicht auf.

Esther Anatone

Wenn man jetzt die [19]70er/[19]80er Jahre oder auch mit aktuellem Bezug oder eben vielleicht in der Vergangenheit bleibend beim Kreisky, wie würdest du sein außenpolitisches Denken und seinen Stil beschreiben?

Ali Kohlbacher

Er war ein Antiimperialist. Er hat die marxistische Schule gehabt, er war ein Antiimperialist und hat natürlich solche Sachen, Kuba, ein Volk befreit sich unter dem unter der Fahne des Sozialismus – sowas gehört unterstützt. Und wann immer ein Besuch war, es war immer ein kubanischer Botschafter da.

Ali Kohlbacher

Es gab viele Gelegenheiten, wo der Botschafter beim Kreisky einen Termin gehabt hat, der sich das erzählen hat lassen, auch über uns erzählen hat lassen vom Botschafter, ne? Und wir waren ja wirklich, wir waren nicht schlecht, wir haben für viele Kubaner ein Beispiel abgegeben mit unserem Eifer, mit unserem Arbeitseinsatz. Ja, Kreisky war sehr begeistert.

Esther Anatone

Gab es da mehr Gemeinsamkeiten zwischen dir und Kreisky oder vielleicht auch unterschiedliche Meinungen, wo?

Ali Kohlbacher

Er hat mir nie dreingeredet. Was Kuba betrifft, nie hineingeredet: „Das ist deine Arbeit, die schätze ich.“

Esther Anatone

Das ist fast besonders zu hören, weil wir…

Ali Kohlbacher

Es gab so viele Gegenstimmen in der Partei, was tun wir für die Scheißkommunisten? Ja, Kreisky nicht, das ist eine Befreiungsbewegung aus tiefer langjähriger Zeit des Kolonialismus, aus der spanischen Ausbeutung und dieses Land befreit sich davon und arbeitet für sich, für ihr Volk. Das ist doch etwas, entweder sind wir Humanisten oder Arschlöcher.


Esther Anatone

Ja, vielleicht in diesem Zusammenhang mit Unterstützung würde ich gern zum Themenbereich Chile auch noch kommen, wo du ja auch nach dem Putsch [Augusto] Pinochets 1973 Flüchtlinge unterstützt hast und ganz viel beigetragen hast. Kannst du darüber mehr erzählen auch?

Ali Kohlbacher

Also, das erste war, Menschen aufzunehmen in Österreich, die das Land verlassen müssen. Wenn sie nicht flüchten in die Botschaft, dann ist ihnen der sichere Tod oder die Verbannung in die Atacama-Wüste, wo sie krepieren und Durst und etc., gewiss.

Ali Kohlbacher

Und das war ein ganzes Volk. Die Konterrevolution waren im Grunde genommen nur die Offiziere. Pinochet, ein Lakai der Kupferindustrie, das hat Kreisky hoch geschätzt und wir haben einmal die Menschen aufgenommen.

Esther Anatone

Da war ja auch, also wir haben gehört, der österreichische Botschafter Adolf Heinrich Hobel hat ja die österreichische Botschaft nicht für Verfolgte des Militärregimes geöffnet und denen Asyl gegeben. Wie hast du das in Erinnerung? Der ist ja dann abgesetzt worden.

Ali Kohlbacher

Der ist abgesetzt worden, beinhart. Der wollte niemanden in die Botschaft hineinlassen, ne? Schon wieder ein Konflikt mit dem Außenministerium, das nie eine wirklich humanistische Rolle gespielt hat, immer egoistisch im Sinne der österreichischen Wirtschaft, immer im Sinne des Kapitalismus.

Esther Anatone

Na, Österreich hat ja dann doch auch Flüchtlinge aufgenommen und der Kreisky hat sich da ja auch für Visa, für Härtefälle eingesetzt. Wie würdest du die Rolle beschreiben, die Österreich eben bei der Unterstützung der Flüchtlinge gespielt hat?

Ali Kohlbacher

Auf den verschiedensten Ebenen. Hier in Hietzing haben wir zum Beispiel für die chilenischen Kinder, die aus ihrem Alltag gerissen wurden, in eine völlig fremde Umgebung kamen, haben wir einen Kindergarten gemacht.

Ali Kohlbacher

Chilenischen Kindergarten immer mehr mit österreichischen Kindern dazu wegen der Sprache. Sie müssen lernen, sich nicht fremd zu fühlen und die Österreicher dürfen sich nicht fühlen, verfremdet zu werden, sondern Völkerfreundschaft, Völkerfreundschaft, das war immer eines unserer großen…

Ali Kohlbacher

Dann war es ganz wichtig, für Männer und Frauen, Arbeitsplätze zu kriegen, Wohnungen zu kriegen. Wir haben ein eigenes Wohnbauprogramm gehabt für die Flüchtlinge. Das wurde hoch natürlich begrüßt.

Ali Kohlbacher

Viele sind zurückgegangen, nachdem Pinochet weg war, aber es sind viele auch geblieben. Ich habe noch immer meine chilenischen Freunde, die zwar alle jünger sind als ich, aber wir sind aus dieser Zeit noch immer gute Freunde und die haben auch wieder Kinder gehabt.

Ali Kohlbacher

Also wenn wir im Donaupark, die Gedenkkundgebung feiern für [Salvador] Allende, haben wir auch eine Büste dort. Wir haben auch eine Büste von Che Guevara.

Ali Kohlbacher

Es ist halt sehr schwierig, eine gewisse Grenze vom Begeisterten zu überschreiten, zu Indifferenten, zu Wurschtigkeitsbrüdern. Was geht mich Chile an? Was geht mich Nicaragua an? Was geht mich des an?

Esther Anatone

Aber in diesem Zusammenhang war deine Tätigkeit vor allem in Österreich, oder warst du auch vor Ort?

Ali Kohlbacher

Na, ich war x-mal in Chile. Man muss ja sehen, was ist notwendig, was ist sinnvoll.

Esther Anatone

Und wie funktioniert die Vernetzung dann vor Ort oder mit Personen vor Ort, dann wieder zurück zu Österreich, wer ist da involviert?

Ali Kohlbacher

Also zur Pinochet-Zeit war ja die Partei verboten. Das ist alles geheim gewesen. Immer aufpassen, [die chilenische] Polizei stellt dir nach und so weiter. Und schau immer, dass du in Familien unterkommst als normaler Reisender. Musst dir halt was überlegen. Und das war immer erfolgreich, ich bin nie verhaftet worden, bin immer durchgeschlüpft.

Esther Anatone

Aber wie funktioniert dann die Kommunikation, wenn man das quasi so geheim…

Ali Kohlbacher

Das machen dann die Chilenen weiter. Natürlich habe ich Versammlungen gemacht, irgendwo. Irgendwo in der Atacama, sind sie gekommen mit den Autos und haben zugehört, zugehört und dann wieder alles verschwunden. Wer kontrolliert die Atacama? Da kann es noch so viel Polizei geben.

Ali Kohlbacher

Also, im Untergrund arbeiten ist eine besonders schöne Sache, aber auch nicht ganz ungefährlich. Aber ich habe immer Glück gehabt.

Esther Anatone

Gibt es vielleicht konkrete Beispiele von irgendwelchen besonderen spannenden Situationen?

Ali Kohlbacher

Na ja, Santiago de Chile. Wie wir den Pinochet wegkriegen wollten, da war ich ein paar Mal dabei. Am Hauptplatz vor der Kathedrale versammelten wir uns. Die Transparente sind eingerollt, sind versteckt unter der Jacke und so weiter. Und zu einem bestimmten Punkt treten wir auf, entrollen des mit den Parolen und 5 Minuten später musst du verschwunden sein.

Ali Kohlbacher

Ja, dann ist die Polizei da, die Carabinieri und die sind nicht zimperlich. Also, solche Sachen haben wir natürlich gemacht. Wir hätten schon einen Schutz gehabt durch die Botschaft, durch die österreichische Botschaft. Aber es war nie notwendig, man lernt ja gut dazu.

Esther Anatone

Also das ist wirklich dann konkret, welche Formen der Unterstützung standen denn im Vordergrund, weil du auch gesagt hast, man muss quasi…

Ali Kohlbacher

Der Hauptkern war hier in Österreich, wie ich schon geschildert habe, ja, dass sie Arbeit kriegen, die Kinder eingeschult werden, dass es Kindergartenplätze gibt, etc., etc., dass die Frauen Arbeit kriegen, etc. Und das andere ist in Chile, das ist illegal alles.

Esther Anatone

Und eben in Österreich, wahrscheinlich auch, weil du gesagt hast, man muss die Bevölkerung für das auch sensibilisieren oder sicherlich Publikationen oder Veranstaltungen?

Ali Kohlbacher

Ja, wir haben ja viel, viel publiziert. Wir haben ja auch, sagen wir gerade, wenn wir Cuba Sí hernehmen, wir haben die eigene Zeitung, ist „Cuba Sí“. Kennst du das? Ja, bis heute und ist wieder im Aufschwung. Wir haben wieder mehr Abonnenten, also die Sache Internationalismus ist nicht ganz tot, so hoffe ich.

Ali Kohlbacher

Ich hab zur Zeit eine Ausstellung in der Volkshochschule Hietzing, eine Kuba-Ausstellung mit meinen Zeichnungen. Ein bisschen was ist ja da drinnen im Kalender. Da ist zum Beispiel das Bild, aber es ist natürlich viel mehr und ich bin heute ein Reisender mit Zeichenblock in der ganzen Welt.

Ali Kohlbacher

Ich hab Mappen voll [mit Zeichnungen aus] Nepal, wo ich auch eine Rolle gespielt hab bei einem österreichischen Projekt im Kaisergarten. Bei der Renovierung des Kaisergartens, der ist einfach verfallen und überwachsen gewesen. Die Gebäude verfallen etc., [es] war ein großes österreichisches [Renovierungsprojekt].

Ali Kohlbacher

Wir haben 2 große Projekte gehabt in Nepal. Das eine war das Museum ein riesiger Königspalast, der natürlich baulich saniert werden musste durch Erdbeben. Weil in den [19]30er Jahren war ein entsetzliches Erdbeben in Nepal, wahnsinnig viele Kulturschätze, Tempel etc. zugrunde gegangen, [wir haben] zum Teil geholfen beim Wiederaufbau.

Ali Kohlbacher

Zum Teil, und das war eigentlich das viel Wichtigere, zu schauen, eine Nachnutzung zu finden für einen Königspalast, der von Nutzen ist für das Land. Was ist naheliegend? Ein Museum zu machen über die Kunstschätze, die alle geraubt worden sind. Und durch Zufall an den Grenzen abgefangen.

Ali Kohlbacher

Also, das war eine Ausstellung über die höchstqualifizierten Kunstwerke Nepals, die durch Glück und Geschick der Grenzpolizei abgefangen werden konnten. Und so präsentiert werden konnten, das sind die Kulturschätze des Landes und das sozusagen zu einer Aufgabe zu machen. Schaut euch das an, lernt davon.

Ali Kohlbacher

Wir haben sogar den Handwerker wieder gelernt, wie man Ziegeln schlägt mit den Ornamenten, Schnitzen gelernt für die ganzen Figuren. Also, es war ein komplexes Werk, und ich hatte also den Endbericht zu erstellen. Tja, so ein Packerl gewesen.

Ali Kohlbacher

Nicaragua haben wir schon geredet, oder?

Esther Anatone

Nein.

Ali Kohlbacher

Naja ich könnt ja… Mein lieber Freund und Schulkollege, Studienkollege [Götz] Hagmüller, sagt er dir was? Der Name Hagmüller, der ist überhaupt nach Nepal gegangen. Zuerst mit einem deutschen Professor die Trinkwasserversorgung und die Kanalisation in Schwung zu bringen, einfach weil entsetzliche hygienische Bedingungen herrschten.

Ali Kohlbacher

Er ist dann eingestiegen in dieses Projekt und hat es dann weitergeführt und hat mich eingeladen, für dieses Museumsprojekt einfach Arbeit zu machen. War für die Familie oft nicht einfach, für die Kinder nicht, für meine, wenn ich ein paar Monate weg bin.

Ali Kohlbacher

Für die Partei auch nicht. Aus den Augen, aus dem Sinn. Aber dann habe ich es ihnen auch schon wieder gegeben. Aber es ist wahnsinnig schwierig, sage ich dir, Menschen zu interessieren für die Entwicklungshilfe, für die Arbeit in der Welt [und für die Welt].

Esther Anatone

Wie würdest du dann sagen, dass der Einfluss von den Solidaritätsentwicklungsorganisationen auf eben die österreichische Außenpolitik war?

Ali Kohlbacher

So wie es war, für eine Minderheit ist es jetzt nach wie vor für eine extreme Minderheit. Wer interessiert sich heute noch für Afrika? Wer interessiert sich heute? Wer? Wer? Wo gibt's was egoistisch bis dort hinaus? Kapitalismus, das ist unser Ding, nicht Sozialismus. [Das ist der Trend der Zeit!]


close zoom image loading image
X
<
>