Fundstück des Monats November

Ehrenbürgerurkunde der Gemeinde Zwentendorf


























Ehrenbürgerurkunde der Gemeinde Zwentendorf an der Donau für Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten Dr. Bruno Kreisky für seine Verdienste um die Wiedererrichtung einer Industrie in der Gemeinde vom 23.April 1961 ©Remigio Gazzari

Bruno Kreisky war dem Land Niederösterreich seit seiner Jugend eng verbunden. Bereits 1930 war er zum Vorsitzenden einer niederösterreichischen Regionalorganisation (Purkersdorf, Klosterneuburg und Tulln) der Sozialistischen Arbeiterjugend gewählt worden. Nach seiner Rückkehr aus dem schwedischen Exil wurde er 1956 wurde er als Nachfolger Oskar Helmers für Niederösterreich nominiert und im Wahlkreis St. Pölten zum Abgeordneten gewählt. 1966 wurde Kreisky Parteiobmann der SPÖ Niederösterreich In seiner Amtszeit wurde die „Erste Niederösterreichische Raumordnungskonferenz“ in Krems durchgeführt.

Der Bau eines Kernkraftwerkes in Zwentendorf an der Donau wurde im Jahr 1969 von der damaligen ÖVP-Alleinregierung Klaus II beschlossen. 1972 – Bruno Kreisky regierte zu diesem Zeitpunkt mit absoluter Mehrheit – begannen die Bauarbeiten. Ab 1975 etablierte sich in Österreich eine breite Anti-Atomkraft-Bewegung. Ende 1977 positionierte sich auch die ÖVP, die die Nutzung der Kernenergie grundsätzlich befürwortete, gegen das Kraftwerk Zwentendorf. In dieser Situation entschied der SPÖ-Parteivorstand, dass diese Frage einer Volksabstimmung unterzogen werden sollte, was Atomkraftgegner schon länger gefordert hatten. Im Wahlkampf vor der Abstimmung sprachen sich die SPÖ und die Sozialpartner für die Inbetriebnahme aus, während Anti-Atomkraft-Gruppen und zahlreiche Prominente – darunter auch viele SPÖ-Sympathisanten – gegen die Inbetriebnahme waren und vor den Risiken der Atomkraft warnten. Die Abstimmung fand am 5. November 1978 statt und ging mit einem knappen "Nein" (50,5% der Stimmen) gegen Zwentendorf aus. Im Dezember 1978 wurde im Nationalrat das Atomsperrgesetz beschlossen. Trotz der Zwentendorf-Niederlage blieb Kreiskys Popularität ungebrochen: Bei den Nationalratswahlen 1979 erreichte die SPÖ 51,03% der Stimmen, das beste Ergebnis in der Parteigeschichte.

Die gezeigte Ehrenbürgerurkunde stammt aus dem Jahr 1961 (Signatur U117)

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