Interview mit Otto SAURER

am 13. Februar 2014 in Bozen mit Sabine Schweitzer. Transkription Peter Wackerlig

Schweitzer

Ja, gern, sehr gern.

Saurer

Ich bin im Jahre 1966 Präsident der Hochschülerschaft worden, da über diese Periode. Auch einige Sorgen, weil die Entwicklung innerhalb der Hochschülerschaft, alles was die damaligen Akteure dann nachher gemacht haben, das auch interessant wär ein bissel genauer zu untersuchen. Also ich bin nach Innsbruck gegangen um den Wallnöfer, Landeshauptmann, der übrigens ein gebürtiger Schludernser war, und den Leiter der Meraner Hochschulwochen, den Professor Eugen Thurnher, eine Ehrung zu überreichen. Und das hab ich gemacht mit dem Kulturreferenten der Hochschülerschaft damals, mit dem Hartmann Hinterhuber, der dann Vorstand der psychiatrischen Klinik an der Universität Innsbruck geworden ist und mit dem mich eigentlich sehr viel dann in der Durchführung der Psychiatriereform verbunden hat. Und beide, obwohl der Wallnöfer sicher kein Sozialist war, aber beide, und der Thurnher auch, nit, beide haben den Abgang Kreiskys damals als Außenminister bedauert. Es ist damals die monocolore Regierung Klaus gebildet worden und ja, und sie haben den Eindruck gehabt, dass er in der Zeit, Beginn Regierung Klaus, bis er dann Vorsitzender der Sozialistischen Partei worden ist, ich glaube 1967 worden, in der Zeit hat dieses Treffen stattgefunden, und die haben das bedauert, weil er immerhin, sein Einsatz für Südtirol war ja ausnehmend und großartig. Das hat nur er machen können auf Grund seiner internationalen Verbindungen. Und ja, er hat die Südtirolfrage vor die UNO gebracht, hat auch einen Draht zu den Südtirolaktivisten gehabt, und hat mit dem, mit seinem Außenministerkollegen Saragat eine Lösung ausgearbeitet, gute internationale Verankerung, aber inhaltlich hat die SVP, die Gremien der SVP, gemeint, dass es nicht genug ist und dass man weiterverhandeln soll. Und das hat mit dem Kreisky ein großes Zerwürfnis mit sich gebracht. Und erst kurze Zeit vor dem Tode Kreiskys, anlässlich eines Kuraufenthaltes in Meran, haben sich die beiden scheint's versöhnt. Ich bin nicht dabei gewesen, deswegen kann ich nur vom Hörensagen. Dann das zweite, das auch interessant ist. Ich war nach meiner Zeit der Hochschülerschaft und hernach zwei Jahre beim Hugo Gamper als Konzipient. Und hernach bin ich in das Kulturassessorat gekommen, vor allem deshalb, weil ich die Studientitelverhandlungen mitgemacht hab als Präsident der Hochschülerschaft und die jemand gesucht haben. Und, wobei zwischen mir und Zelger ein Abgrund war, was die Ansichten anbelangt. Aber trotzdem, menschlich war er eigentlich zugänglich und, aber es ist eine andere Welt, er ist auch in einer anderen Welt aufgewachsen, muss auch gerecht sein, und wir haben ja wenig politische Erfahrung, wir haben aber Gott sei Dank neu beginnen können, weil die Studentenbewegungen, -bewegung, doch etwas Neues gebracht hat. Und die, in Rom hab ich damals ein Treffen, nicht gehabt, sondern einem Treffen beigewohnt, einer Unterhaltung zwischen dem Senator Brugger und dem Landeshauptmannstellvertreter Benedikter, und weil ich ja eben dort als Berater für die Durchführungsbestimmungen, das waren die ersten Durchführungsbestimmungen nach Verabschiedung des Verfassungsgesetzes, und die haben müssen am 20. Jänner 1972 verabschiedet werden, weil das ist Teil des Paketes gewesen. Und ich war dort unten, und wir haben halt da miteinander gearbeitet, und der Senator Brugger war auch unten. Auf dem Abend haben sich irgendwo hingesetzt, obwohl der Benedikter für größere Unterhaltungen nicht sehr viel übrig gehabt hat, aber trotzdem, und dann sind sie auf die Rolle Kreiskys zu reden gekommen. Und die waren sich nicht einig, welche Rolle der Kreisky bei den Attentaten gespielt hat.

Schweitzer

Ah darum ist es gegangen, aha.

Saurer

Ja, deswegen erzähl ich es Ihnen. Und also, ich weiß nicht mehr wer was vertreten hat, auf jeden Fall war eine Stimme die, dass gesagt wird, der liebe Kreisky hat den, ja, den Aktivisten des BAS, also dem Befreiungsausschuss für Südtirol oder Südtirols, eigentlich grünes Licht gegeben. Aber mit der Auflage keine Menschen, dass kein Menschenleben zu Schaden kommt. Während, mir kommt vor, das hat der Brugger vertreten, aber ich bin nicht sicher. Und der Benedikter hat das verneint. Er hat zwar Verbindung gehabt, aber das kann er sich nicht vorstellen. Aber das glaub ich, ich weiß nicht wie weit Sie diese Geschichte kennen, aber das wird auch überall so gebracht.

Schweitzer

Und das ist genau immer dieser Zwiespalt. Hat er jetzt, hat er denen einen Auftrag gegeben.

Saurer

Also da waren die beiden nicht einig, die immerhin, der Benedikter ist mit dem Kreisky in New York gewesen, der Brugger ist ja eigentlich, der, ja, politisch, ja, sehr stark Engagierte und vielleicht in der Parteipolitik derjenige, der das gute und das schlechte Wetter gemacht hat. Während der Magnago eher zurückgezogen war und alles überdacht hat, und, und natürlich schon der Verantwortliche für das Ganze war, er hat auch im Großen und Ganzen recht gut entschieden, nicht aus der Hüfte heraus, sondern es ist alles, was er gemacht hat, durchdacht gewesen. Wobei ich sagen muss, das hat auch einen bestimmten Grund, dass ich damals, weil das Ganze recht unübersichtlich, eine Reihung von Bestimmungen war und nicht, nicht für einen Juristen ein durchdachter Corpus, nicht, das war, und zweitens, das Vertrauen in die italienische Politik, das ist damals, und ich war ein guter Freund vom Hans Dietl und auch der Hugo Gamper, bei dem ich damals war, da haben wir lang diskutiert, auch der Senator ???Sand??? damals, die sind alles eigentlich, ja, Gegner des Pakets gewesen. Wobei ich glaub, dass der Magnago, jetzt rückblickend gesehen, der Magnago recht gehabt hat, net. Aber man kann mit jemanden, der da 25 Jahr ist und da nicht durchblickt, mehr verlangen. Es haben dann ganz andere Kalibern dann gesehen, dass es doch vernünftig war, das zu machen. Und wahrscheinlich, der liebe, die liebe Regierung in Rom hat sich auch befleißigt, hier dann weiter zu machen. Der Einsatz vom Benedikter, der war ja großartig, weil was er noch weitergebracht hat im Interpretationswege, das war schon auch. Und nicht umsonst hat es zwanzig Jahre gebraucht bis zur Streitbeilegung. Also ich war damals Präsident der Hochschülerschaft. Die Jahre ab 1966 waren besondere Jahre. Eine neue Generation, die mit Kriegen nichts mehr zu tun gehabt hat, ist auf den Plan getreten. Die Frankfurter Schule hat ja viele begeistert, es ist ja eine Art Befreiungstheorie. Wenn man jetzt sieht, der brasilianische Bischof und der brasilianische Boff, die haben auch eine, aus ihrer Warte, eine Befreiungstheorie gebracht, aber das war eine gesellschaftliche Befreiungstheorie. Beginnend mit einer Neuausrichtung von Lebensentwürfen und von Erziehung und so weiter. Also das hat natürlich die Studentengeneration sehr stark geprägt. Wir haben interessanter Weise dann nach der Reformierung, darüber komm ich auch noch zu reden, der Meraner Hochschulwochen, die haben wir dann zu Bozener, na, zu Südtiroler Hochschulwochen in Bozen gemacht. Haben wir, ist uns gelungen den Horkheimer herzukriegen.

Schweitzer

Wirklich? [Saurer: Ja.] Wow.

Saurer

Ja, weil wir angeboten haben, da hat irgend ein Sprössling einer Batzen Familie, hat ein Kleinflugzeug gehabt, und, und, dann haben wir angeboten, dass wir ihn abholen im Tessin, er war im Tessin, und dass wir ihn herbringen. Das hat er dann gesagt, er hat dann gesagt, dafür bedankt er sich, aber er kommt mit seiner Nichte mit dem Zug. Aber das Angebot, dass wir ihn holen, das scheint's hat ihn beeindruckt, ja. Und das war eben 1970 ist er gekommen. Und sonst natürlich ist der Marcuse ja der Theoretiker der Studentenrevolution der 68er gewesen. Aber wie gesagt, ich sag es nur, weil wir den Horkheimer hergebracht haben, und ich nach wie vor stolz ...

Schweitzer

Zu recht. [Lachen]

Saurer

Und wir unten im Laurin heraußen gesessen sind, der Mumelter Gerhard, ich weiß nicht ob Sie ihn kennen, der Hans Egger und ich, also wir haben diese Südtiroler Hochschulwochen dann, ich war Präsident, initiiert und auch zum Leidwesen vor allem der Dolomiten, es hat Demonstrationen gegen die Dolomiten gegeben, der Langer hat die angeführt. Also es war eine interessante Zeit. [Schweitzer: Das glaub ich, ja.] Und der Muff von tausend Jahren, das kennen Sie auch, aber ich sag es deshalb, weil ich dann Ehrensenator der Universität Innsbruck geworden bin vor, ja, vier, fünf Jahren, und diese Robe getragen hab, und der Töchterle hat die Laudatio gehalten, weil ich Gesetze eingebracht hab, die die Finanzierung, was immer von früher abgelehnt worden ist, weil wir schon keine Kompetenzen gehabt haben, aber jedenfalls diese Norm ist durchgegangen in Rom, und wir doch sehr stark, sei es was Forschung und Lehrtätigkeit jetzt da Innsbruck finanzieren können. Und da hat er, er war Rektor, hat die Laudatio gehalten, und da hat er, und dann hat er gesagt, ja er hat eben gesagt, dass wir gerade gegen diese Talare polemisiert haben, und, und, aber jetzt darfst Du, musst Du [Lachen] jetzt hab ich den Talar da an. Aber es ist, natürlich sind sehr viele Jahre ins Land gegangen. Und diese Bewertung hat, oder diese Bewegung auch, die Südtiroler Hochschülerschaft, hat Auswirkungen auf die Südtirol-, wie überhaupt auf die Politik in allen europäischen Ländern. Und vor allem, ich glaub der Wandel war fundamental, die Jugend ist sehr stark politisiert worden, Studenten, Intellektuelle, Künstler. Bei uns vor allem Stuffer, Siegfried Stuffer, Alexander Langer, Viktor ???, und eine Brandrede vom Norbert C. Kaser, der ja damals in der Cusanus-Akademie in Brixen, also er hat da richtig mitgemacht, nicht. Und auch die Welt der Künstler, wobei das Kulturleben damals recht konservativ war und recht wenig gewesen ist. Die Hochschülerschaft war die, die ein bissel ein Leben jetzt ... Das ist ganz eine andere Zeit gewesen.

Schweitzer

Das wollte ich jetzt gerade sagen, wahrscheinlich war es ja genau die Südtiroler Hochschülerschaft, die eben da was initiiert hat. Wie war das genau, also einfach, dass ich ein Gefühl dafür krieg, wie hätten Sie jetzt gesagt, war die Situation da, und was war das Neue, was Sie durch die SH Südtirol, in Südtirol reinbringen haben können?

Saurer

Ja, was wir hereingebracht haben, und das glaub ich kann man im Zusammenhang mit der Reform der Meraner Hochschulwochen irgendwo explizieren. Die Meraner Hochschulwochen waren eigentlich eine recht konservative Veranstaltung. Es ist sogar der Schuschnigg einmal gekommen, es ist ja allerdings der Kreisky auch da gewesen bei den Meraner Hochschulwochen.

Schweitzer

Ja, das hat mir der Hans Benedikter gesagt, ja genau.

Saurer

Ja. Den Kreisky hab ich nicht miterlebt, aber den Schuschnigg hab ich miterlebt. Ja, und wie er damals hat dieses Regime auch Lager gehabt, und wie er da diese Lager verteidigt hat, das hat mich schon sehr beeindruckt. Also es ist, es ist eine große Öffnung gefordert worden, und teilweise haben wir auch das durchgesetzt. Wir haben eine Auseinandersetzung zum Beispiel gehabt wo wir irgend einen protestantischen Theologen her kriegen haben wollen, beziehungsweise eine liberale Bildungspolitikerin, bin nicht sicher ob es die Hamm-Brücher war, ob die schon, aber mir kommt vor im Hinterkopf, jedenfalls ist es eine liberale Politikerin gewesen, die haben wir auch gekriegt. Das ist natürlich nicht genehmigt worden. Und deshalb ist die, hat sich die Südtiroler Hochschülerschaft unter meiner Präsidentschaft dort zurückgezogen. Aber die Auseinandersetzungen mit dem Kulturinstitut waren da, und wir haben dann mit dem Kulturinstitut, SH, Kulturinstitut, das Forum für Bildung und Wissenschaft ins Leben gerufen und mit dem Ziel diese, ja, diese Tradition der Meraner Hochschulwochen auf eine andere Weise neu aufleben zu lassen und zwar in Bozen da. Und von Seiten des Kulturinstituts war Egger und von Seiten der Hochschülerschaft Mumelter Gerhard, und ich war schon, ich hab in meinem letzten Jahr der Präsidentschaft, schon promoviert. Und bin dann auserkoren worden, weil ich immer das Ganze mitverfolgt hab noch, als Präsident dieses Forums für Bildung und Wissenschaft. Und dort haben wir vor allem, das Thema war Kommunikation und Wissenschaft, net. Und da war vor allem der Nenning, ja, an den kann ich mich erinnern, dann natürlich der Horkheimer, dann vor allem auch tschechische Dissidenten, die sind teilweise, ich weiß nicht, ich glaub der Pelikan ist da gekommen, Pelikan hat einer geheißen. Ja und die sind in Kleinfilmen, sind die sehr bewandert, haben auch einiges vorgeführt. Und natürlich die Gespräche nach der Invasion haben da stattgefunden. Man sieht es hat sich dann, haben wir Quodlibet von Handke, das hätte das Kulturinstitut nie aufgeführt, net, und das war schon. Und dann hat die Dolomiten immer, ja sehr kritisch, aber nicht kritisch in dem Sinn, dass sie Argumente gebracht haben, sondern die waren nicht einverstanden, dass das Kulturinstitut mit der Hochschülerschaft die Sachen macht. Und dann im nächsten Jahr haben wir mit dem Institut für Wirtschaft in Innsbruck und mit dem Erziehungswissenschaftlichen Institut eine große Tagung gemacht über das ganze Bildungswesen, Bildungsplanung. In Sicht, wir hätten vorgehabt Anlass zu geben zu einem Bildungsplan. Aber Plan ist ja was kommunistisches gewesen damals in Südtirol, und das ist dann so gekommen, auch die Thesen, die dort vertreten worden sind, hat das Kulturinstitut und die offizielle Kulturpolitik nicht überzeugt und ist das, aus dem Forum das Kulturinstitut dann 1971 ausgeschieden. Das Forum hat weiter gemacht, SH ist geblieben als Mitglied, es ist ja ein Verein gewesen. Es ist noch eine Zeit lang weiter gegangen, und man hat sich mit Raumordnung befasst und mit anderen Fragen. Und dann ist es ausgelaufen, weil, weil langsam die politische Orientierung, ja, differenziert worden ist, und jeder halt so, man ist am Beginn des Berufes gewesen, eher berufliche Sorgen. Und der, wie hat er geheißen, Rampold, der war Chefredakteur.

Schweitzer

Damals auch schon, okay.

Saurer

Ja, oder irgendein, nein nicht einmal vielleicht schon, aber jedenfalls war er eine Persönlichkeit bei den Dolomiten. Der hat dann einen Artikel geschrieben, "Die Helden sind müde geworden". [Lacht.]

Schweitzer

Mir schwant Böses.

Saurer

Ja, ja. Aber man sieht, dass, auf der einen Seite muss man sagen, dass die Studentenbewegung Südtirol, wie im übrigen auch Österreich, gestreift hat im Vergleich zu den Vorkommnissen in Deutschland und in Frankreich. Also es ist nicht so, dass da Revolution, aber, dass ein großer Druck war, und unsere Studenten haben ja in allen möglichen Studienorten studiert, und da sind ja, sind ja die Hochschulgruppen gewesen. Da sind alle möglichen Initiativen dann gestartet worden. Also es war schon ein Aufbruch, also das muss man auf jeden Fall sagen. Dann haben wir auch im nächsten Jahr, ja, das heißt jetzt muss ich ein bissel zurück gehen, wir haben, die Hochschülerschaft hat immer Studientagung gehabt. Und da hat, ich glaub 1964, der Egmont Jenny einmal ein großes Referat gehalten über seine politische Gesinnung. Aber das nur nebenbei. Wir haben dann diese Studientagung in Dietenheim veranstaltet. Und bei dieser Studientagung haben wir uns vor allem auch mit der Universitätsfrage beschäftigt. Das heißt, es ist damals diese Frage schon diskutiert worden.

Schweitzer

Damals war Innsbruck noch nicht die Landesuniversität, oder?

Saurer

Ja aber, ich weiß, der Hinterhuber war Kulturreferent, seine These war, einen Ableger der Universität Innsbruck in Bozen zu machen. Wobei da viele, ob man eine zweisprachige Universität, die Italiener haben auch ihre Vorstellungen gehabt. Aber ich weiß, aber das war er. Net, sind andere gewesen, die da mitdiskutiert haben, die für eine zweisprachige Universität waren. Freiburg ist gebracht worden, Löwen ist gebracht worden, net. Und ja. Also die Studientagungen waren bildungspolitisch und auch kulturpolitisch wichtige Tagungen damals. Und 1967, die Dietenheimer haben wir uns ausgeladen, weil das ganze doch eher ein bissel nach Revolution gerochen hat. Und dann bin ich, ich war 1966 Präsident, nachdem der Zanon Heinz, 1965 war der Durnwalder, und da [Schweitzer: Also er war kurz davor?] Ja, ja ,da hat es noch recht tirolerisch ausgeschaut. Ministerialrat Rieger, die Stadelmayer und so weiter. 1966 ist dann Stuffer, es ist auch schon der Langer auf die Bühne getreten vor allem. Und das ist ja auch interessant zu bemerken, dass nicht nur vom Norden diese Studentenbewegung, sondern auch von Florenz, der???Pierer???. Und das ist eine eher katholisch ausgerichtete Geschichte gewesen. Der Pierer??? ist, das sind Linkskatholiken gewesen. Und der Langer war ja Präsident, der war da halt Chef der Marianischen Kongregation bei den Franziskanern. Und hat immer gedrängt, wir waren einmal, der Zanon Heinz, ein guter Kollege von mir, beim Bischof. Der Langer hat dann auf jeden Fall wollen eine katholische Hochschülerschaft gründen. [Schweitzer: Wirklich?] Ja, weil das Katholische, weil ich komm noch auf den Gargitter zu reden, das Katholische doch offener war geistig als das, was kulturpolitisch, ahhh, da über die Bühne gegangen ist, net. Also.

Schweitzer

Na das müssen Sie mir jetzt, also, für mich ist da ein Widerspruch.

Saurer

Ja, es ist ja das Konzil gewesen, net. Und zumindest auf italienischer Seite. Und es sind viele Studenten gewesen, die in Florenz, in Rom und so weiter studiert haben, und die haben dann 1966, ich weiß der Bonell, der dann Zivilrechtsprofessor geworden ist, auch da in Ding, und der Stuffer, [Husten] ich weiß nicht wer sonst noch war, die haben den lieben Zanon Heinz, der ja dann Präsident des Landesgerichtes worden ist, war drei Monate Präsident der Hochschülerschaft, und die haben eben in Minderheit über die Ausrichtung, weil die Meinung vieler Studenten war, es ist nicht Aufgabe der Hochschülerschaft am weltanschaulichen Gesichts Europas herum zu retouchieren. [Schweitzer: Aha. Lachen] [Husten] Und das ist dann doch sehr angeregt diskutiert worden, weil ein Teil hat die Meinung vertreten, die Hochschülerschaft ist die gewerkschaftliche Vertretung der Hochschülerschaft, also mit dem, und andere haben gesagt, die Hochschülerschaft, vor allem in Südtirol, die muss auch kulturpolitisch und so weiter in Erscheinung treten. Also, ja. 1967 sind wir dann nach Burgeis gegangen, in die Fürstenburg, und dort haben wir den Claus Gatterer eingeladen. Und der hat aus seiner Distanz in Wien uns natürlich den Spiegel vorgehalten. Und auch Ratschläge gegeben, wir waren sehr kritisch, kann ich mich erinnern. Es hat dort auch ein, das hat geheißen Südtirol im Wandel, interessant war, dass auch der Öllinger da war, damals Landwirtschaftsminister, der dann auf Grund seiner Nazivergangenheit hat gehen müssen, aber er war ...

Schweitzer

Eine interessante Mischung.

Saurer

Ja, ja, aber er war Sozialdemokrat, er ist ja aus, man hat gesagt ja, wir haben einen aus der Ecke eingeladen, haben wir uns natürlich, also das war bei uns auch, dass er da diese Vergangenheit, das haben wir nicht gewusst. Ja, und Gatterer hat ja auch Verbindungen mit wichtigen Exponenten der österreichischen Sozialdemokratie gehabt, vor allem mit dem Gratz, der war damals Klubobmann in diesen Jahren glaub ich war er, ja. [Kurze Pause]. Übers Forum für Bildung und Wissenschaft hab ich geredet, Horkheimer auch. Sagen muss man, dass diejenigen, Stuffer, Langer, äh, diese jungen alle, und auch, ja, Mumelter, auch ich, dass wir autonom geblieben sind. Wir haben, der Stuffer hat sich einmal dem Jenny angeschlossen, ist aber dort weggegangen, weil er gesagt hat, der ist viel zu autoritär, net. Aber sonst war das ein Suchen, net. Die, wobei dann die Entscheidungen relativ differenziert waren, net, von den Arbeitnehmern in der Volkspartei bis die neue Linke, die teilweise von der Lotta Continua gekommen ist, net, wie der Langer und auch andere, die halt da die neue Linke. Aber die haben, Stuffer und Langer zusammen, die Zeitschrift "Die Brücke" herausgebracht. Aber sonst sind diese Kolleginnen und Kollegen, haben sich nicht, weder auf italienischer Seite, Parteien angeschlossen. Erst später, ja da sind Mitte der Siebzigerjahre und noch später, sind neue Gruppierungen gebildet worden und man hat sich neuen Gruppierungen angeschlossen. Aber Mitte der Sechzigerjahre hat sich von Südtiroler Seite das parteipolitische Spektrum schon erweitert. Und da komm ich auf den Jenny, er hat dann die Soziale Fortschrittspartei gegründet am 18. 4. 1966, und früher schon den sozialdemokratischen Arbeitskreis, oder sozial-fortschrittlichen Arbeitskreis, in der Volkspartei. Und, das könnte ich Ihnen dann sagen, wie der genau geheißen hat.

Schweitzer

Ja das kann ich auch nachschauen. Aber das, das war mir nicht bewusst, dass es das vorher schon gegeben hat.

Saurer

Ja, ja, und aus diesem Nukleus ist dann die Soziale Fortschrittspartei hervorgegangen. Er ist dann, es hat schon Jahre, hat das Ganze geschwelt, das heißt der liebe Kreisky, ich weiß nicht, hat er eine Berufung verspürt, aber jedenfalls hat er einen Charakter gehabt, der wahrscheinlich, ah, schwierig war. Also sicher nicht teamfähig. [Schweitzer: Ja, ja, ja.] Sicher nicht teamfähig, das kann man auch hernach dann schauen, wie das gegangen ist, net und. Aber es hat Konflikte gegeben. Der Magnago hat dann erklärt, und so ein bissel bin ich dann schon ja in diesen Kreis hinein gekommen, dass er sich an die Spielregeln der Demokratie nicht gehalten hat und dass er im Widerspruch gehandelt hat, Parteistatute, er hat natürlich. Er war ein, er hat gemeint, eine Partei, da kann er jetzt tun und lassen was er will. Und Magnago hat damals den Eindruck gehabt, dass er hat wollen ausgeschlossen werden [???]. Der Friedl Volgger hat ihn immer verteidigt, der, net. Aber er hat auch gesagt, dass er ... Ja vielleicht noch vom Magnago, was er ins Feld geführt hat, er hat gesagt, es kann doch nicht sein, dass die SPÖ auf Grund ideologischer ja Ausrichtung, jetzt vor dem Abschluss der Verhandlungen, jetzt sehr stark eine Spaltung unterstützt. Das kann es ja nicht sein. Und die Begründung, der Friedl Volgger hat, der ihn einige Male in Schutz genommen hat, hat festgestellt, dass der liebe Jenny zwar immer sozialdemokratische Grundprinzipien vertreten hat, aber nie detaillierte Vorschläge gebracht hat, wo, in welcher Problematik. Und das, das kommt noch einmal, wieso, was andere dann sehr stark nachgeholt haben. Und auch der Dietl hat damals die Meinung vertreten, dass sich er nicht derart provokatorisch benimmt, dass die Parteileitung handeln muss, und er hat allerdings gesagt, der Magnago hat sehr gezögert. [Schweitzer: Wirklich?] Ja. Das hat der Dietl, und mit dem Dietl bin ich auch sehr befreundet gewesen, net. Und das wird schon stimmen.

Schweitzer

Ja, na das ist zu vermuten, weil ...

Saurer

Damals, weil, 1966. Weil er ist ja wie die Paketgeschichte so gelaufen ist und so weiter, hat er die, den Parlaments-, den Parlamentsklub verlassen und hat dann, ist eigene Wege gegangen. Ja. Kreisky hat erklärt, volles Verständnis für den Standpunkt, dass in dieser, in der damaligen kritischen Situation, das Lager Süd-, der Südtiroler, sollte nicht gespalten werden, weil Italien das nützen könnte. Also er war gegen die Spaltung, net. Und allerdings hat die SPÖ dann gefordert, sie würde die Einheit der SVP schützen, als Gegenleistung müsste die SVP tolerieren, dass sich die Sozialisten in ihrem, in dem Rahmen der Volkspartei organisieren können. Weil es hat, Richtungen sind zwar zugelassen gewesen, aber keine Organisationen haben sie bilden können. Und er hat zwar einen Arbeitskreis gebildet, aber er hätt natürlich finanzielle Unterstützung haben wollen. Und das prioritäre politische Ziel war, waren die Verhandlungen, Überleben, Weiterentwicklung der deutschen, ladinischen Volksgruppe, Autonomie vor allem, wenn auch andere mit der Selbstbestimmung irgendwo, äh, ja, geliebäugelt haben. Und das Pariser Abkommen sollte halt auch dem Geiste nach umgesetzt werden. Über die Rolle Kreiskys hab ich gesagt und das Verhandlungsergebnis Saragat auch. Allerdings der Kreisky hat das so interpretiert, dass die Volkspartei aus ideologischen Gründen das Verhandlungsergebnis abgelehnt hat. Weil zwar Sozialdemokraten, Kreisky und der Saragat, das verhandelt haben und abschließen haben wollen, und in der Volkspartei Geister waren, die, einfach nicht haben wollen, dass Sozialdemokraten das machen. Und dazu ist auch gekommen, dass der Bischof Gargitter in einem Hirtenbrief, die christliche Religion mit dem Sozialismus für unvereinbar erklärt hat, im Jahre 1965. Eigentlich wieder, er war, er war im Konzil eigentlich bei den Fortschrittlichen. [Schweitzer: Schon?] Ja, der Gargitter, ja. Im Gegensatz zum Gasser beim Ersten Vatikanum, der war derjenige der ein Pfeiler der Diskutanten, die für die Unfehlbarkeit des Papstes geworben haben, wobei die ungarischen Bischöfe alle dagegen waren, net, und auch die englischen. Aber jedenfalls er, er hat, ich kann mich erinnern an den Hirtenbrief, und das hat er so erklärt. Und die Verhandlungen sind dann mit der monocoloren Regierung Strauss [Richtig vermutlich: Klaus. P.W.], Toncic-Sorinj und dann Waldheim mit dem Christdemokraten Aldo Moro weitergeführt worden. Also Bozen, das hat der Jenny immer vertreten, Bozen, Rom und, und Klaus, also diese Zeit bis 1970, die haben sich da zusammen getan, und das Resultat war ein christdemokratisches Resultat. Und das hat der Kreisky der SVP nie entschieden.[Folgende Passage ist nicht zur Veröffentlichung freigegeben] Aber dann wie die Südtiroler Volkspartei es so mit ihm getrieben hat, hat, glaub ich jedenfalls, den Jenny nichts mehr gehalten. Weil er einfach eine Partei gegründet hat, und das mit einer bestimmten Mission vorangetrieben hat. Er hat ja auf Grund seines Aufenthaltes in Wien, wo er eine klinische Ausbildung, ich glaub vier, fünf Jahre dort war, auch Kontakte mit der Sozialdemokratie gehabt. Und im August 1964 hat ja auch in, in Kärnten war der Kreisky in Urlaub, dort hat er den Kreisky kennen gelernt. Er war von Kreisky natürlich sehr beeindruckt, und das werden mehr gewesen sein, nicht nur er. Und das hat seine politische Tätigkeit auch geprägt. Weil ich glaub, er hat sich irgendwo als der Südtiroler Kreisky gefühlt, der den Südtirolern neue Lebensformen und so weiter, Es ist ja immerhin auch die Zeit gewesen der Abtreibungsdiskussion dann, wenn auch ein bissel später, in den Siebziger Jahren. Dann die Scheidung, und ja, und dann auch andere Dinge, also das hat er schon mit vertreten, wobei die Südtiroler Volkspartei da sicher auf kirchlichen Positionen geblieben ist, net. Also ich möcht nicht, nicht sagen, dass er das nicht ehrlich gemeint hat, also das möcht ich nicht behaupten, dass er aber den Anlass, weil gegen Kreisky und gegen die SPÖ hätt er sicher, weil er hat ja die Unterstützung gebraucht, und hat sie auch finanzieller Art stark gekriegt, die finanzielle Unterstützung.

Schweitzer

Ja das ist eine interessante Überlegung.

Saurer

Kreisky hat auch beim Magnago durchgesetzt, im Jahr 1964 hat er ja noch auf der SVP-Liste, er hat zwar den Arbeitskreis gehabt, aber auf der SVP-Liste kandidiert.

Schweitzer

Und so weit ich weiß, wer hat mir das erzählt, ich glaub der Hans Benedikter, dass der Magnago das eigentlich nicht wirklich wollte, dass der Jenny ....

Saurer

Ja, das hab ich schon gesagt. Der Magnago wollte nicht, der Dietl hat gesagt, da muss man etwas tun, und der Magnago hat gezögert. Also dem Magnago kann man das nicht, da ist eher der Brugger, und der Brugger aus, aus verschmähter Liebe, weil mit dem Brugger hat der Jenny ja gut zusammen gearbeitet. Aber dann war er glaube ich Fraktionschef in der Region, wie die Region noch stark war, da hat der Landtag ja nicht allzu viel zu sagen gehabt, net. Da hat er halt auch schauen müssen der Brugger wahrscheinlich, dass er seinen Laden zusammen haltet, und er hat halt getan was er wahrscheinlich gewollt hat. Und er, ich sag, seine Überzeugung muss man ihm lassen, nur etwas politisch muss schon auch, wenn du politisch etwas weiter bringen willst, musst natürlich schon auch aufpassen in welchen, unter welchen Umständen du etwas machst. Weil es war ja alles ausgerichtet, und über Jahre noch ausgerichtet, oder beeinflusst, von dem ethnischen Kitt, also sehr stark. Und da kann man in einer konservativen Region, weil er hat dann Wahlkampfmethoden Wienerische, net, er hat nicht nach Nordtirol geschaut. Er hat da Wienerische Weise ???, hab ich das ja selber gesehen, wie er da aufgetreten ist, also interessant, also ich sag ja nichts. Nur in einer so konservativen Region, weil das hat die SPÖ wahrscheinlich auch nicht in Nordtirol gemacht, so wie er es da versucht hat. [Schweitzer: Wahrscheinlich nicht.] Aber ich kann es ja nicht sagen. Soweit ich die SPÖler in Nordtirol kenn, das waren alles relativ biedere Genossen.

Schweitzer

Muss man wahrscheinlich in der Umgebung auch sein, um überhaupt ... Aber, ich meine, auch die ersten Wahlen, wo die SFP angetreten ist, da haben sie ja noch einen relativen Erfolg gehabt, und beim zweiten Mal sind sie ja dann nachher deutlich zurückgegangen ...

Saurer

Na, das stimmt nicht. Der Jenny ist gewählt worden und wie er ausgeschlossen worden ist, hat man ihm das Mandat, hat die Volkspartei. Und das ist noch einmal Jenny. 1968, damals ist ja alle vier Jahre gewählt worden. [Husten] Ja da hat er, hat er unbedingt, ja, sich stellen wollen, ist aber dann nicht durchgekommen, 1968. Auch bei den Parlamentswahlen nicht, die sind glaub ich auch 1968 gewesen, ist er auch nicht durchgekommen. Wobei Kreisky 1968 in Solbad Hall, oder in Innsbruck, er war in Innsbruck draußen, gesagt hat, er hat dann Strategie geändert, dass die SPÖ die SFP als Bruderpartei beachtet und betrachtet. Und das muss man auch sagen, der liebe Jenny war sehr insistent. Überall wo er nicht eingeladen worden ist und wo er nicht dabei war, das ist alles undemokratisch gewesen nach seiner Meinung. Wobei das man sagen muss, was seine politische Legitimation anbelangt, ist schon seine ganze Entwicklung sehr zu hinterfragen. Weil 1968 ist er nicht durchgekommen, und wobei die SPÖ hinter ihm gestanden ist mit allem drum und dran. Dann 1973 ist er dann gewählt worden mit einem Restmandat, 1978 hat er dann versucht irgend etwas, jedenfalls ist er auch nicht gewählt worden. Und 1983 mit dem, haben sie sich dann geeinigt, können wir auch noch darüber reden, mit dem, mit dem SPS, mit der SPS, und dort sind sie beide baden gegangen. Wobei ich sag, er hat natürlich das immer den Arbeitnehmern in die Schuhe geschoben, die haben ihm das Ganze vermasselt, und der Magnago, der die Arbeitnehmer so als, ja, Handlanger eingesetzt hat und das hat er immer vertreten, und das hat ihm das ganze Konzept durcheinander gebracht. Aber er war auch nie bereit, wir haben mit dem Frey einmal geredet mit ihm, er war nie bereit auf die anderen zuzugehen.

Schweitzer

Ich wollt gerade fragen, hat irgendwer jetzt von der Arbeitnehmerseite, Kontakte, Zusammenarbeit gegeben?

Saurer

Na, es war schon zu spät, würde ich sagen, weil er, ja, fort gefahren ist und ... Aber zumindest, er hat sich geweigert mit der SPS zusammen zu arbeiten, und die jungen Leute sind ihm ja davon gegangen. Er hat ja diese Spaltergruppe um ???Leimstetter??? Gerhard, die jungen haben ja aufbegehrt. Und die anderen, der Florineth und da Tobeiner, die sind abgesprungen, sind zum Dietl gegangen, weil er den, einen Italiener, einen Trentiner, wie hat der geheißen, einen Trentiner Politiker für das Parlament unterstützt hat, und einmal mit den Republikanern angetreten ist. Und da hat er riskiert, dass ihn die Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten ausseschmeißen, net. Also das, und da hatte er jedenfalls keine glückliche Hand, er war kein, ich mein der Kreisky war ein erleuchteter Parteiführer, aber er war, er war, sein Charakter hat das nicht zugelassen, net. Wenn er vielleicht die Gnade??? gehabt hätt ein bissel langsamer einzusteigen, natürlich diesen Arbeitskreis zu pflegen, einmal gewartet hätt, bis das Paket unter Dach und Fach ist, er hätte es ja auch machen können wie der Dietl, und wenn einmal der Dietl seine SPS gegründet hat, wobei, ich glaub der Gratz dann gesagt hat was die SPS anbelangt, ja, nachdem Sozialdemokratie modern ist, möchten jetzt alle Sozialdemokraten sein. Und auch der Gratz gesagt, die einzigen Sozialdemokraten, schon in der Zeit, wo die SPS Fuß gefasst hat, die hat ja einmal zwei Abgeordnete, Fuß gefasst hat, hat er gesagt, ja, also sie, die einzigen Sozialdemokraten, das ist der Jenny. Und die SPÖ hat lange Zeit, bis in die Achtzigerjahre hinein, alles durch die Brille von Jenny, die ganze Südtiroler Entwicklung, durch die Brille von Jenny und von der SPÖ, oder von der SFP. Das was die gemacht haben, und der Jenny der Verfolgte, und alles. Aber dass intern das nicht gestimmt hat, net, das ist nicht in der Weise, weil da sind ja Junge, die einmal, ich weiß nicht ob sie die Mehrheit gehabt haben, aber fast die Mehrheit gehabt, die einen eigenen, einen eigenen, eine eigene Versammlung einberufen haben, wo der Jenny gar nicht hingegangen ist. Und die sind dann alle zur SPS gegangen, net. Also der Leimstettner??? mit seiner Gruppe, der Tobeiner, der Florineth, aber die sind SFPler ??? gewesen. Wobei interessanter Weise, weil Sie den, den Benedikter Hans, er hat ja gute Verbindungen zur SPÖ gehabt, aber zur SFP ist er nicht gegangen.

Schweitzer

Das hat er mir eh auch erzählt, ja.

Saurer

Net, also da hat er, wobei er, der Hans Benedikter, wie der Dietl die SPS gegründet hat, vorher schon die Südtiroler Nachrichten herausgebracht hat. Und da war der Jenny einmal Chefredakteur oder Herausgeber, ich weiß es leider nicht mehr genau, und der Hans Benedikter war dort, ich tät fast sagen, die wichtigste Person, der wichtigste Redakteur. Auch der Sepp Maier, ich weiß nicht ob Sie den noch gekannt haben, der Landwirtschafts-Ding dann war. Im Bauernbund lang, die Bauernkrankenkassa ...

Schweitzer

Der war auch dann Landesrat, oder, der Sepp Maier?

Saurer

Ja der war zu Beginn Vizelandesrat und dann ist er Landesrat geworden und für Landwirtschaft zuständig.

Schweitzer

Ich hab ein ??? vor Augen.

Saurer

Ist der Bezirksobmann von Bozen Stadt und Land gewesen, er hat immer bei den Parteiwahlen mehr Stimmen gekriegt als der Magnago im Bezirk Bozen Stadt und Land. [Schweitzer: Die Bauern ...] [Lachen] Ja, also, die SPÖ hat dann gesagt, aber der liebe Kreisky hat sich dann immer noch eingemischt, und auf Druck vom Kreisky hat der Jenny, obwohl auch er mit Reststimmen gewählt worden ist und allein dort war im Landtag, Fraktionsstatus gekriegt. Seither hat auch ein Einziger im Südtiroler Landtag Fraktionsstatus. Aber das ist darauf zurück zuführen, dass die Volkspartei den Kreisky erhört hat und ja, ja. Die SPS und die Arbeitnehmer in Südtirol sind nie über lange Zeit nie als Partner von Seiten der SPÖ anerkannt worden. Also es ist diese SFP als Bruderpartei, das haben sie durchgehalten. Und, ja, der Dietl hat die SPS im Jahr 1972 gegründet. Zuerst hat er einmal für das Parlament kandidiert als unabhängiger, ist dann nicht gewählt worden, und dann hat er die SPS, oder hat er zuerst die SPS gegründet, das weiß ich nicht mehr genau. Jedenfalls 1972 hat er die SPS gegründet, und da sind einige, die Sympathien auch für’n Jenny, der Brenner-Knoll zum Beispiel kann ich mich erinnern bei Studientagungen, war ja ein Fan vom Jenny, aber der hat dann, ist dann bei Dietl, mit dem Dietl gegangen. Und wie gesagt, die jungen Putschisten mein ich hat er sie geheißen, oder Spalter, ja, ja, die sind auch zum Dietl gegangen. Der Dietl war ein erklärter Gegner des Pakets. Er war Herausgeber der Südtiroler Nachrichten, aber er hat zwar volkstumspolitisch einen härteren Kurs gefahren, hat aber eine größere kulturelle Öffnung gehabt. Also er war kulturpolitisch auch mit damals in der Diskussion, es ist irgendwo in den, ich glaub 1967, das Haus der Kultur eröffnet worden. Und wir haben, Stuffer, ???Quarder???, Langer, am Tag vorher eine, ja, Veranstaltung gemacht im Gemeindesaal über unsere Vorstellungen zur Kulturpolitik. Und der Dietl hat uns damals unterstützt, ja. Also er, ich bin nach wie vor überzeugt, er war sehr offen, sozial sehr offen, also da bin ich sicher, aber auch kulturell mit den Jungen, da hat er, er hat auch eine große Familie gehabt [Schweitzer: Ja eben.] [Lachen] Aber jedenfalls war er sehr offen. Und über den autoritären Führungsstil vom Jenny und über den Zickzackkurs hab ich schon geredet. Und er hat sich nie entschließen können der Jenny, obwohl die anderen es ganz gern gehabt hätten, mit der SPS zusammen zu arbeiten und ...

Schweitzer

Und glauben Sie, war das weil er, weil er dann nimmer an der Spitze der Partei gewesen wäre, weil dann hätte er ja müssen hinter den Dietl zurück treten?

Saurer

Ja aber hernach, im Jahr 1983, haben sie beschlossen, beide Parteien zusammen zu gehen, gemeinsam mit dem Jenny als Spitzenkandidaten. Und das Bündnis hat dann keinen Sitz erzielt, obwohl die SPS einmal zwei gehabt hat, auch wie der Jenny drinnen war. Das spricht für meine Begriffe schon auch Bände. Und da kann man nicht, sicher hat die SVP eine vorherrschende Stellung gehabt und sicher den lieben Jenny nicht als Partner behandelt, net, sondern die werden ihre Dinge schon auch ausgespielt haben. Ja. [Kurze Pause]. Wie dann, ah, das Paket verabschiedet war, haben sich sozial Engagierte, im ASGB, wobei Teile des ASGB auch beim Dietl waren, bei der SPS waren, nicht, der Erschbaumer kommt ja vom ASGB, und auf der anderen Seite war der Widmann, der Hans Widmann. Also zu Beginn der Siebzigerjahre haben sich die zusammen getan schon zu irgend einem Arbeitskreis und sind dann, ich weiß, ich bin dann ohne bei dem Kreis zu sein, aber immerhin in Übereinstimmung mit ihnen, 1984 zu den Gemeinderatswahlen angetreten da in Bozen. Aber da waren sie, waren die schon präsent, und die Leute sind kommen aus dem KVW, aus dem ASGB, die Lehrer, die ja auch ein, ein guter Teil der Arbeitnehmer waren, vielleicht sogar über Jahre Spitze der Arbeitnehmer waren, die haben sich zusammen. Und es waren, wie in meinem Fall, auch Vertreter der damaligen Studenten und, und einem Kreis von Leuten, die damals in der Hochschülerschaft waren, und dann irgendwo politisch heimatlos, und die gerne zu den Arbeitnehmern gegangen sind. Und das hat sich hingezogen die ganze Zeit, dass sie, dass sehr viele Personen gesagt haben, und das Statut der Arbeitnehmer heißt, also Arbeitnehmer, Unselbständige und die sich dazugehörig fühlen. Es sind auch Architekten dort gewesen, Freiberufler. Also es, ich war ja nicht bei der Gründung dann 1975 der Meinung, ich hätte eher gesagt "Soziale Bewegung", nicht Arbeitnehmer, weil das mit den Arbeitnehmern ist so eine Sache. Und das hat man dann bei der Unterberger auch gesehen, die ja Rechtsanwältin ist, die aber sicher persönlich auf sozialdemokratischen Positionen ist, die ganze Frauenpolitik. Und überhaupt, die ist sicher nicht auf christlichsozialen Positionen, die ist dort angesiedelt. Aber es ist dann gesagt worden, ja, das ist keine Arbeitnehmerin, net. Weil hätt man beim Kreisky wahrscheinlich auch sagen können. Also da ist man, hat man das Ganze zu kurz genommen. Aber es hat insofern eingeschlagen, weil man erstens einmal, ja, sagen wir, die SVP nicht verlassen hat und insofern nicht gegeneinander irgendwo zu kämpfen gehabt haben, sondern dass man gesehen hat, welches die Situation ist. Es sind natürlich noch die Durchführungsbestimmungen angestanden, net, das hat ja erst richtig begonnen mit den Durchführungsbestimmungen, und deshalb war halt die Meinung die, dass man parteipolitisch, ja, eher vorsichtig sein soll und versuchen sollte, intern die Dinge anzugehen, was der Jenny natürlich auch versucht hat, aber. Und dass man versucht, die Probleme, also keine Grabenkämpfe, sondern die Probleme. Industrieansiedlungen in der Peripherie, net. Wenn man sich an die Continental, wobei die Continental nicht der richtige Industriebetrieb war, aber immerhin haben viele, auch aus meiner Familie, haben viele müssen ins Ausland gehen, nach Baden Württemberg, in die Schweiz vor allem auch. Es sind vor allem die Mädel in die Schweiz, ein paar nach Baden Württemberg, weil einfach die Arbeitsplätze in den größeren urbanen Zentren und die Industrien dort von Italienern besetzt waren. Und die Zuwanderung ist ja nach dem, nach dem Zweiten Weltkrieg, unter der Demokratie, tapfer weiter gegangen. Sigmundskron lässt grüßen, net. Und die Wohnbaupolitik. Also das war schon ein ganz großes Problem. Und da kann man nicht sagen, die hat der Magnago gerufen. Also wenn, wenn da jemand wie ich das in der Familie erlebt hat, dann braucht niemand den Magnago rufen, nit. Da weißt du schon, was du politisch zu tun hast. Dann Bildungsnotstand durch den ganzen, die ganzen faschistischen Maßnahmen ist die Lehrerschaft ja dezimiert worden, es hat ja, die, ja schon in der Grundschule, Notlehrer gegeben, die ja nicht entsprechend ... Dann wie die Mittelschule 1963 gekommen ist, haben ein ganz kleiner Prozentsatz den richtigen Studientitel. Deswegen die Werkstudentenkurse, wo der Gratz als Unterrichtsminister stark eingestiegen ist, auch die Universität Innsbruck, die da durchgeführt worden sind, und dann hat es die andere Initiative gegeben Padua-Innsbruck, also dort war ich auch einmal sehr stark engagiert in dieser Geschichte, Konsortium zur Heranbildung von Mittelschullehrern, weil ich ja ins Kulturassessorat damals gerufen worden bin, und Studientitel und diese Lehrergeschichten, dann die Lehrbefähigungsprüfungen, wo man Professoren aus dem ganzen deutschen Sprachraum gebraucht haben, um die her zu kriegen. Also in Zusammenarbeit mit den Vertretern der, dieser Supplenten und auch derjenigen, die, weil die Lehrbefähigungsprüfungen sind auch nicht gemacht worden, in Zusammenarbeit. Also da hat es schon einen Schulterschluss zwischen Arbeitnehmern und diesen Kreisen gegeben. Und da hat der Folgger recht, also nur zu behaupten, ich bin Sozialdemokrat, und nicht ein Team zusammen zu kriegen, das vor allem das, diese konkreten Dinge angeht, ist halt zu wenig. Und dann der ganze ??? an Sozialwohnungen und Genossenschaften, und da hat sich die Franzelin wirklich umgetan und alles unternommen. Dann wenn man bedenkt 1972 ist das Wohnbauinstitut ans Land übergegangen, 90 Prozent waren dort von Italienern besetzt, nit. Dann die ganze Grunddiskussion, es ist ja reformiert worden die Grund-, die Bauzuweisung, und jeder hat müssen die Hälfte dem sozialen Wohnbau abtreten, die Hälfte dem freien Wohnbau. Früher haben die, also vorher haben die Bauern recht freigiebig die Gründe zur Verfügung gestellt. Wie sie aber müssen haben die Hälfte abzutreten, abtreten, haben sie blockiert. Und deswegen, das war das Hauptargument der PDU mit dem Lunger und Co. Meraner auch, da hat es schon auch größere Auseinandersetzungen gegeben. Ich weiß, ich war dann, bin dann an einem Wettbewerb als Vizedirektor, dann als Direktor des Wohnbauinstituts gemacht, und das waren schwierige Zeiten, wie wir draußen Gründe besetzt haben, damit wir soziale Wohnungen bauen. Und das hat uns irgendwo zusammen geschmiedet, weil ich hab wieder die Franzelin, den Achmüller hab ich insofern gekannt, aber der ist wesentlich jünger, weil er im Vincentinum war, aber auch andere, die sind, da sind Leute aus der öffentlichen Verwaltung, vor allem Staatsverwaltung, zu uns gezogen. Dann Lehrer, dann Leute, die große Wohnbauprobleme gehabt haben. Dann das Grundein..., die Sicherung des Existenzminimums. Es ist auch die Sanitätsreform gekommen. Und was war, also wir haben als Arbeitnehmer nicht unterschieden, bist du Sozialdemokrat oder christlichsozial. Der Denicoló, wie das schon weiter fortgeschritten war, da haben wir uns einmal getroffen mit einer Gruppe von Sozialdemokraten, deutschen Sozialdemokraten, in Meran. Und er hat als erster geredet, da hat er ihnen einmal gesagt, dass er ein Christlichsozialer ist. Da werden die sich gedacht haben, ja was kommen denn die da her. Aber es hat, ich mein, zwischen uns haben wir uns die Fragen nicht so sehr gestellt zu Beginn, sondern es ist darum gegangen, die, die verschiedenen Probleme anzugehen, und zu schauen, innerhalb der Partei, weil die Partei war ja alles andere als sozial aufgeschlossen, nit, das muss man auch sagen. Und da muss ich halt sagen war der Magnago schon ein Ansprechpartner, nit. Er hat schon versucht zu vermitteln. Aber zu meinen, dass so eine Parteistrategie war, also das, das stimmt absolut nicht. Dass der Magnago vermittelt hat, also das stimmt schon, wobei der Magnago auch dem Benedikter von seiner Urbanistik die Stange gehalten hat. Also er war auch für die Umsiedlungen mit der Continental, wo sie jetzt noch auf ???, alle, alle fluchen, net. Also es war nicht leicht für ihn, net. Aber trotzdem hat er gesehen. Ich hab dann im Jahre 1978 diesen Brief der 83er unterschrieben. Den hat der Pallaver von der Hochschülerschaft vorbereitet, und die Quintessenz war, wir wehren uns dagegen, dass alle kritischen Geister als Kommunisten abgestempelt werden. Und die junge Generation, wo nachher der Benedikter ein Hauptführer war, die haben nichts anderes zu tun gewusst, als der Hochschülerschaft auf den Deckel zu geben. Das ist das Feindbild der Jungen Generation geworden, in der Volkspartei. Und die jüngere Generation ist teilweise wesentlich rechter angesiedelt gewesen als die Gesamtpartei oder selber, net. Das ist glaub ich, ich mein, der Pahl ist Sekretär, der Peterlini war rechts außen, und ist auf einmal über verschiedene, über die neue Mitte, jetzt mit dem PD, und wir haben ja als Arbeitnehmer eingebracht einen Gesetzesentwurf für, in der Region, weil die Region die soziale Vorsorge hat, Familiengeldzulagen, Pflegeversicherung, Mindestsicherung, die überhaupt nichts ist, für meine Begriffe, keine subjektiven Rechte gibt, obwohl das. Wir haben den Pflegebeitrag schon in den Neunzigerjahren eingeführt, und jetzt sagen sie ja auch nichts Anderes. Sie haben lei das Geld und drum praktisch auch wenig Geld dazu getan, der Theiner und Co. Und reden von Pflegesicherung, es ist ein Pflegebeitrag wie in Österreich, aber nicht eine Pflegeversicherung, nit. Wenn die kein Geld mehr haben nachher streichen sie das. Aber wenn ich eine Versicherung abschließ, die wo ich die Dinge absetzen kann steuerlich, nachher hab ich da ein subjektives Recht. Das nur nebenbei.

Schweitzer

Aber weil Sie gerade gesagt haben, der Magnago war jemand, der vermittelt hat ? [Saurer: Ja] zwischen der Partei und dem Arbeitnehmerflügel. Was hat es da für Geschichten gegeben, oder wer war da besonders dagegen, oder können Sie sich da an was Bestimmtes erinnern, wie die Reaktionen waren jetzt, was weiß ich von Seiten von Bauernvertretern oder von eher bürgerliche Christlichsoziale? Können Sie sich da an was erinnern?

Saurer

Ja also Gegner hat es da vor allem die neue Mitte, Brugger war ein erklärter Gegner der Arbeitnehmer, auch Peterlini damals, wobei heute vielleicht denkt er auch anders, Pahl, dann der Zingerle, die ganze rechte Reichshälfte. Also nicht so sehr die Bauern, wir haben mit einzelnen Bauernbürgermeistern ein gutes Verhältnis gehabt. Also die politisch auch nicht so, auch der Kien, Bezirksobmann von Meran, der hat eigentlich das eingesehen. Und aber der Bürgermeister von Lana, der Norbert Schnitzer, das war einer der Hauptgegner, und dann Bezirksobmann von Meran, net.

Schweitzer

Und haben die auch versucht, dass es die Organisation innerhalb der SVP nicht geben darf?

Saurer

Ja, ja, die haben halt alles und jedes getan. Die Finanzen, wir haben, wir haben müssen, wir haben müssen dann selbst zusätzlich, weil das jetzt wiederkommt, die Altmandatare, wir sollten zahlen, weil die Partei Schulden hat. Aber wir haben als Arbeitnehmervertreter immer ein 50 Prozent, von dem was wir der Partei geben haben, zusätzlich für die Arbeitnehmer abgetreten, und das ist ziemlich ein Geld gewesen. Aber grad die Finanzkommission, ich mein, sie haben ja Geld gehabt früher, vor allem wie dann die Parteienfinanzierung gekommen ist. Aber da hat es immer Schwierigkeiten gegeben. Dann auch diese Strategie, Peterlini hat damals den Erschbaumer abgeworben von der SPS, er war der Chef der SPS, ist dann abgeworben worden. Er ist zwar bei den Wahlen dann nicht durchgekommen, aber sie haben alles versucht. Dann hat es im KVW jetzt noch Leute gegeben, weil wir ja jetzt wesentlich stärker als vom Beginn hin zur Sozialdemokratie entwickelt haben, wo der Hans-Jochen Vogel uns geholfen hat. vor allem der Peter Jankowitsch. Da haben wir ein paar Mal recht dringliche Telefongespräche gehabt, weil wie dann der Jenny 1983 parteipolitisch verschwunden ist, mit dem Jankowitsch haben wir schon früher geredet, wir waren auch beim Kreisky. Und das ist glaub ich 1981/82 gewesen, waren wir beim Bundeskanzler, dann hat er uns zum Sinowatz geschickt. Es hat dann auch Unterstützung gegeben von der Seite. Wir haben ein gutes Verhältnis mit den deutschen Sozialdemokraten, sei es in Berlin der Steinmeier, mit dem, wenn er da ist, sind wir immer mit ihm unterwegs. Also ich hab bei den letzten Landtagswahlen die bayerischen Sozialdemokraten sehr stark unterstützt, net. Also jetzt kann man wirklich von der linken Reichshälfte irgendwo reden, wenngleich natürlich zum Beispiel die Franzelin, der Denicoló hier auf der anderen Seite sind, aber das hat, wie ich schon zu Beginn gesagt hab, in der konkreten Zusammenarbeit, es ist manchmal, wir haben gesagt, es wäre vernünftiger, wenn der eine da hingeht, der andere dort hingeht, also wenn wir wieder alle gemeinsam auftauchen, und der eine sagt, er ist ein Christlichsozialer, na ... Nachher haben sie einmal einen Termin ausgemacht, ich meine in Bonn noch, mit dem Hans-Jochen Vogel und, und nachher die anderen haben gesagt, ja zur Süssmuth sollen wir auch gehen. Und wir sind auf dem Klo gewesen, und ich sag zum Fransnelli, na jetzt bringen wir wieder Kraut und Rüben durcheinander, und wer kommt vom Klo ausse, der Hans-Jochen Vogel. Na hat er gesagt, na, na, zur Süssmuth gehts lei. [Lachen] Na ich sag, letzthin der Ding ist mit der Ebert-Stiftung sind wir auch gut, was ist die Stiftung der Österreicher, ist die Renner-Stiftung. [Schweitzer: Das Renner-Institut.] Das Renner-Institut. Ja da sind wir in dauerndem Kontakt. Der Häupl war das vorletzte Mal da bei der Landestagung, der Ude war vor zwei Jahren da bei der Landestagung. Also jetzt ist doch so, dass die Kirche nichts mehr sagt, dass, dass ... Das einzige, wie ich aus der Politik gegangen bin, ist eine Abschlussveranstaltung der Lehrer gewesen, da ist der Durnwalder auch gekommen. Der Durnwalder war vor mir Präsident der Hochschülerschaft, und damals hat er für mich, weil ich in Padua war, er hat mich ja auch nicht gekannt, für mich Propaganda gemacht. Weil der Heinz Zanon auch ein Paduaner war. Und na, hat er gesagt: "Wenn ich damals gewisst hätt, dass Du ein Sozialist bist, na, nachher wär das anders verlaufen halt." Die Frage ist nur, was heißt damals. Wir sind Studenten gewesen, aufgeschlossen, haben an die Bewegung geglaubt, das als für sinnvoll angeschaut. Wir haben nicht gesagt, jetzt sind wir da, jetzt sind wir dort, net. Das war zumindest meine Realität. Aber das haben sie mir in der Partei nie vergessen und vor allem wie ich den Brief der 68er, 78er unterschrieben hab, hat mich der Magnago nicht mehr angeschaut. [Schweitzer: Oho.] Ja, und nachher haben halt die Kollegen vermittelt, und ich bin dann doch aufgestellt worden und, und dann in die Regierung gekommen, und er hat mir das Du angeboten, net, und es war alles wieder eingerenkt, aber halt ja.

Schweitzer

Darf ich noch einmal da ganz kurz nachhaken? Wie war denn das, weil Sie ja vorher auch gesagt haben, mit der SH hat es die Konflikte gegeben mit der Dolomiten, oder Demonstrationen gegen die Dolomiten? Wie war denn das dann damals mit der Dolomiten, die war ja sicher auch gegen die Arbeitnehmerfraktion?

Saurer

Demonstrationen hat es von Seiten der Studenten gegeben. Da ist es so gewesen, dass zu Beginn, zumindest was meinen ???Vorstand ausschaut???, Dolomiten uns sehr unterstützt hat, weil da wahrscheinlich Leute wie der jetzige Kononikus Messner, der war im KVW, und die Kirche hat dort einen bestimmten Einfluss. Die waren eher dafür, dass wir uns getrauen, net. Also das, ich weiß nicht wer ihm, dem Gargitter, die Geschichte mit den Sozialdemokraten eingeflüstert hat, jedenfalls hat er es geschrieben. Aber sonst hat man bei einigen jungen Klerikern und auch beim Dr. Messner, der war Assistent vom KVW, der Stricker war Arbeiterpriester damals, der jetzt. Also da ist schon eine Gruppe gewesen. Und der Gargitter hat selber dann, 1968, gegen die, in einer Tagung der Arbeitnehmer, gegen die Dolomiten polemisiert, die werden ihm schon etwas angetan haben, net. Also der hat wahrscheinlich irgendwo ein bissel eine Kehrtwendung gemacht, aber jedenfalls Dolomiten, der Ebner, seit ich weiß, hat es alleweil eine Diskussion über eine zweite Tageszeitung gegeben, aber allen. Die ja nie gemacht hat und immer gesagt worden, machts eine zweite. Lei, dann in den Achtzigerjahren sind ja in Deutschland und Österreich alle Regional-, oder sehr viele Regionalblätter eingegangen, das ja nit, deswegen ist es ein Wunder, dass die Tageszeitung noch aufrecht ist, aber halt sich auch schwer tut. Na, also da hat die Dolomiten schon, man muss sich das lei durchlesen die Berichterstattung, gegen die ganze Veranstaltung geschossen. Wir haben zu Beginn interessanter Weise ein Blatt mit dem Ebner Toni ausgemacht, und der Langer war Redakteur, Hauptredakteur.

Schweitzer

[Lachen] Eine wunderbare Kombination.

Saurer

Ja, ja. Aber das ist dann eingestellt worden, das Kulturinstitut war total gegen, weil Studentenbewegung. Ich mein das ist dann, hat breitere Kreise gezogen, die, jetzt unabhängig von Jenny, von Ding, sondern, ich mein, es sind sehr viele zurück gekommen aus den Universitätsstädten, es ist eine junge, intellektuelle Schicht gemacht worden, entstanden, nit. Und die haben sich dann nicht die Dinge auftischen lassen, net. Aber Anlass war, waren diese Dinge, net. Und vor allem, sie sind, deswegen hat der Messner recht, der alte war ja wesentlich, glaub ich, schlimmer, als die christlichen Brüder, wie der Messner, also.

Schweitzer

[Lachen] Schöne Bezeichnung. [Lachen]

Saurer

Und da hat sich herausgebildet, natürlich wir haben dann einen Medienverein später, ich glaub zur Rettung, es ist die ff, und die ist einmal in Schwierigkeiten gekommen, nachher haben wir einmal einen Medienverein ge-, um moralische Unterstützung, und auch finanziell hat man ein bissel geworben, dass eine Unterstützung, aber ist dann, finanziell ist nicht viel gemacht worden, aber zumindest nach Außen moralisch hat man das gemacht. Also das ist etwas gewesen, diese Auseinandersetzung mit den Dolomiten und dann, mit dem Kulturinstitut hat man sich dann ein bissel geeinigt, aber dann ist wieder. Und dann mit Zelger, Kofler, aber da ist die Lehrerschaft dann schon zum größeren Teil, dann Zieglauer, der Andergassen, ich weiß nicht ob Sie den kennen, der hat die Diss gemacht über das Kindergartenwesen und ??? ist schon abgeschrieben gewesen. [Schweitzer: Ohoho.] Also es war halt, ich bin dann auch nach drei Jahren vom Zelger weg, da hast nicht eine richtige Basis gefunden, und hab dann den Wettbewerb fürs Wohnbauinstitut gemacht und bin dann über diese Schiene eigentlich, weil die Wohnbauprobleme enorm waren, und die Franzelin und auch der Achmüller sich da sehr eingesetzt haben, auch der Ferrari Karl ist Präsident des Wohnbauinstituts gewesen, über die Schiene bin ich eigentlich zu den Arbeitnehmern gekommen. Ich hätt sonst nicht gewusst, wohin ich eigentlich geh, gehen soll. Also das ist gewachsen. Und ich weiß damals hat, ist auch wieder so ein Artikel erschienen, ich weiß nicht wer, irgendein Referent wird halt etwas gesagt haben, was denen nicht ganz in den Kram gepasst hat, und dann hat der Langer mit einer ganz großen Gruppe einen Protestmarsch hinaus in die Museumsstraße organisiert. [Schweitzer: Aha.] [Lachen] Ja, und dann ist die Polizei, ich bin drinnen gesessen, ich bin nicht mitgegangen, und bin drin gesessen, und kommt die Polizei. Ja ich, "Sie sind da der Chef, Sie haben jetzt da nach dem Rechten zu sehen", net. Na hab ich gesagt: "Ich glaub es ist Demonstrationsfreiheit." "Ja das ist nicht angemeldet. Ja Studenten haben ???alleweil Schwierigkeiten???". Es ist dann nichts entstanden, weil die schon kapiert haben, net, und dann auch die Vorstellung mit dem Handke, quodlibet, passiert ja nichts, net, passiert ja nichts. Ist sogar der Walter Amon runter gegangen auf die Bühne, und der Walter Amon ist eigentlich ein typischer Liberaler gewesen, sicher kein Konservativer oder Reaktionärer.

Schweitzer

Ein Bozener Bürgertum, oder?

Saurer

Ja, ja, ja, ja, ja. Und ja, eben, die eher unzugänglichen sind die gewesen, die aus den Dörfern gekommen sind, auch promoviert haben, und noch in dieser dörflichen Tradition weiter, und dann in die Gremien hinein gekommen sind. Also ich glaub, dass die, nit die leichten Gesprächspartner waren. Und ja, aber es ist eine, das muss man im Fluss sehen [Schweitzer: Ja natürlich, klar,] und die Studentenbewegung hat auch viel bewirkt, aber nicht nur, es ist eine neue Generation gekommen, net. Die hat die ganzen Erfahrungen des Krieges und des ersten Aufbaus und so weiter, obwohl die Zeiten auch sehr schwierig waren. Die Sechzigerjahre sind sehr, also man hat von daheim aus überhaupt nichts gehabt, also das waren bis Mitte der Siebzigerjahre und die Fünfzigerjahre waren sehr schwierige Zeiten, net. Eben auch die ganze Abwanderung, vor allem aus den oberen Vinschgau in die Schweiz und deshalb, weil sie gesagt haben, ja, was ist denn passiert im oberen Vinschgau, weil da doch viele bei den Aktivisten waren. Ich weiß nicht, welchen Ausdruck Sie wählen, ich hab mir jetzt einmal ...

Schweitzer

Ja ich weiß nie, welchen ich verwenden soll, weil es ist schwierig.

Saurer

Ja, ja, jedenfalls Aktivisten ist glaub ich positiver als Terroristen [Schweitzer: Ja auf jeden Fall.] und, und Ding. Also ich glaub schon, dass der Boden vorbereitet war, irgend etwas auf die Beine zu bringen. Und ich mein, auch die Einstellung des Kreisky ist ja nicht so gewesen, dass er mit denen nicht reden hat wollen, sondern er hat das ins, die Geschichten in seine Politik eingebaut. Und das ist ein Stein gewesen, wenn sie alle so. Es hat schon zu Beginn nach den ersten Attentaten hat, ist die Verhandlungsbereitschaft eher zurück gegangen der Italiener. Die haben ja wollen das Kriegsrecht da aus. Und der Scelba, Innenminister, ist ja dabei gewesen auf den Brenner zu fahren, und ist dann beim Gargitter eingekehrt in Brixen. Der Michaeler war sein persönlicher, ist nachher Generalvikar worden, das war mein Präfekt im Vorbereitungskurs im Vincentinum, und er hat gesagt, dass, halt der Gargitter war ein Choleriker mit allem drum und dran. Der hat den Scelba so zusammen gestellt, der ist nachher ausse und nach Rom zurück gefahren, der ist nicht auf den Brenner mehr rüber gefahren. Da sollen die Wände gezittert haben, weil sie schon die Attentäter, die so genannten, schon, [stockend] ja, ja im Kerker misshandelt worden sind. [Schweitzer: Die Folterungen.] Und die Folterungen und alles. Und das hat er natürlich aufgegriffen der Gargitter. Und also da hat es schon, das hat schon auch, hat schon auch positive Ding. Vielleicht ein bissel negativ zu Buche geschlagen, wo dann deutsche Rechte das, ja, und da auch der Kultur-, Kulturwerk Südtirol ist schon auch ein bissel rechtslastig gewesen. Wobei sie sehr viel auch gemacht haben, net. Sicher die, Österreich hat wesentlich mehr gemacht, hat aber nicht geredet oder reden können, und die stille Hilfe hat auch mehr gemacht, net. Aber das Kulturwerk ist schon ein bissel sagen wir da in dem Fahrwasser gewesen. Also, ich glaub zum Abschluss. Also wir haben ein ausgedehntes Programm durchgezogen. Leider mit dem Ausscheiden der Gründergeneration ist das Ganze ein bissel, ja, ein bissel weniger, [kurze Pause] ja, einflussreich gestaltet worden. Auch das Ganze hat sich ein bissel auseinander gelebt, obwohl sieben Abgeordnete waren, bis 2003 waren sieben Abgeordnete Arbeitnehmer. [Schweitzer: Das ist wirklich viel.] Ja 2008 sind nur mehr drei geblieben, wobei einer Obmann geworden ist der Partei. [Schweitzer: Stimmt einer war ...] Und das ist, also wenn du in einer Partei keine Basis hast, nachher mach ich nicht Obmann. Also das glaube ich hat sich da von einer Gruppe, wo der Zeller war und mehr aus der ??? Vinschgau da überzeugen lassen, nach dem Pichler Rolle, nit, das zu machen, und das war für die Arbeitnehmer zumindest sicher nicht positiv. Und ja, jetzt sind wieder vier, jetzt wird man in der Legislatur schauen, aber, ja. Es war halt die Zeit, wirken musst du in der Zeit, wo man wirken kann, net. Jetzt wär auf der anderen Seite wieder eine Situation, wo es doch sozialpolitisch großen Einsatz braucht, aber mit Hirn. Weil es wird schon sehr viel, grad was bestimmte Unternehmen früher nicht machen haben könnt, wird jetzt mit dem Hinweis, wir sind in der Krise, werden Errungenschaften in Frage gestellt, die, die. Und insofern, ich glaube, müsste man wieder eine Gruppe finden, die die nötige Überzeugung hat, die einen Schulterschluss zusammenbringt, und ja. Wir, also zum Abschluss noch, 2002 ist ja die Ausstellung hier gemacht worden von Wien aus "Bruno Kreisky. Seine Zeit und mehr". Und da war eine Delegation auch da, unter der Führung des Nationalratspräsidenten Fischer, und auch damals hat nicht das Kulturinstitut die Delegation der Sozialdemokraten eingeladen, auch nicht die Partei, sondern die Arbeitnehmer haben eingeladen. Und wir haben uns, sind zum Marklhof gegangen, Abendessen, haben uns gut unterhalten. Und das hat dann schon bewiesen, dass da ein Qualitätssprung gemacht worden ist, sonst passiert so etwas nicht. Net, die kommen und entweder sie gehen allein irgendwo hin, oder sie werden offiziell eingeladen, aber der Fischer hat gesagt, nein, die Arbeitnehmer haben eingeladen, und er geht dort hin. Wobei die anderen, also wir sind eine Zeit lang auch per Du gewesen, weil grad die Zwanzig Jahre Paket, hat mich der Jankowitsch und der Fischer angerufen, es muss ein Südtiroler auch dabei sein bei den Sozialdemokraten. Weil der Fischer war Nationalratspräsident damals, und sie möchten halt jemand haben. Ich war damals Landeshauptmannstellvertreter. Und dann bin ich hinaus gefahren, die Partei war nicht so hoch erfreut, net, aber, aber ich glaub das Feeling jedenfalls ist sicher da, net. Das ist zum Schluss noch, möchte ich das gesagt haben.

Schweitzer

Ja vielen herzlichen Dank. Jetzt sitzen wir schon sehr lang. Ich hätt zwar wollen nachfragen, ich hätt schon noch, aber ich weiß nicht, ob Sie noch kurz Zeit hätten, dass ich Sie noch was fragen kann? [Saurer: Ja.] Sie haben ja gesagt irgendwie, dass da die, sagen wir zweite Hälfte Sechzigerjahre, so ein Aufbruch unter den Studierenden, unter den Studenten in Österreich, äh, in Südtirol. Das sind ja Studenten, die sind ja von überall gekommen, haben in Österreich studiert, haben in Italien studiert.

Saurer

Deutschland. [Schweitzer: Deutschland.] Frasinelli hat in Göttingern studiert, Chemiker, und hat den Brandt miterlebt und die Euphorie, Demokratie wagen, net, und so. Also es sind da schon ...

Schweitzer

Ich stell mir das ja so spannend vor, weil da kommen Studierende aus unterschiedlichen Ländern zurück, mit unterschiedlichen, oder auch unterschiedlichen Städten, mit unterschiedlichen Erfahrungen. [Räuspern] Entschuldigung. Und mir scheint, es ist viel diskutiert worden über die unterschiedlichen Erfahrungen. Was sich dann wieder auseinander entwickelt hat, aber, ah, das muss wirklich eine spannende Zeit gewesen sein, also grad auch diese, also grad in Deutschland ist ja viel passiert und in Italien mit Lotta Continua zum Beispiel. Wie ist das, also wie hat man da zusammen gefunden? Also wenn ich jetzt daran denk, an diese unterschiedlichen Charaktere, wie Sie, wie einen Mumelter, einen Alexander Langer, das sind unterschiedliche Persönlichkeiten, was aus meiner Geschichte mit Südtirol gar nicht mehr zusammen geht. [Saurer: Mhm, mhm.] Können Sie mir das genauer erzählen, wie das da in die Sechzigerjahren, auch die ganzen Diskussionen in der SH dann, wie sich die SH als so was Offenes entwickelt hat? Das tät mich schon sehr interessieren.

Saurer

Ja man muss das Ganze ein bissel differenziert sehen, und zwar insofern, es hat auch konservativere Kreise in der SH gegeben, es hat aufgeschlossene Kreise gegeben, es hat sehr prononciert linke Kreise gegeben. Also Diskussion, die, die Diskussion ist nicht eindimensional verlaufen, sondern es ist, es ist schon recht kontrovers diskutiert worden. Vor allem zu Beginn, net.

Schweitzer

Aber es war ja, wenn ich das richtig sehe, eine Zeit, wo eigentlich das gesellschaftliche Klima, nicht nur in Südtirol, sondern auch in Österreich und in Deutschland, noch nicht so weit war, dass Diskussion was Positives war. Das heißt, irgendwer hat das ja auch in Südtirol auch erst angefangen, und diese Bereitschaft hat dann angefangen, miteinander zu reden, miteinander zu diskutieren und das auszutragen, oder?

Saurer

Ja, also man war nicht gerne gesehen, und die Veranstaltungen der SH, die früher ins, ins Ganze gepasst haben, das wird halt gemacht, und sehr stark von den Dolomiten und von den Institutionen und auch von der Volkspartei angegriffen worden, net, also es war nicht so, dass das eine gemahte Wiesen war, ???. Wobei auch bei den Studenten, das hab ich auch gesagt, es war nicht so, dass da eine Revolution war in Südtirol, auch bei den Studenten nicht. Also bestimmte, ah, ja, Vorkommnisse, zum Beispiel in Paris damals, so wo der liebe De Gaulle hat müssen zurücktreten und auch mit Dutschke, wo der ja den großen Auftritt nicht 1968 sondern 1967 schon gehabt hat. Ja, da ist schon etwas los, und ein Ratzinger, der dann gerne nach Regensburg gegangen ist, weil er in Tübingen sich unwohl gefühlt hat, weil er gemeint hat, das führt ja alles ins, ins [Schweitzer: Verderben]. Ja, ja, ja. Also, aber was allgemein gesagt worden ist, ein bissel der Ruf nach Pluralismus, also das war schon da, und das war generell da. Die Grazer waren wesentlich fortschrittlicher als die Innsbrucker, die Florentiner wesentlich fortschrittlicher also die Paduaner. Also es hat schon auch der Genius loci, wo die einzelnen waren, hat, hat, war ausschlaggebend. Aber die Tatsache, dass man, zumindest die damals richtig Aktiven, irgendwo in der Politik wieder gefunden hat, beweist, dass, und mit Programmen, die nicht Altes kopiert haben, sondern einfach gesellschaftspolitisch Zeitgemäßes aufgegriffen haben, net, also das beweist, dass es dieses Aufbruch gegeben hat, dass es gebraucht hat, net, wenn auch ... Also wie wir da die Veranstaltungen im Gemeindehaus gemacht haben, 1967, Eröffnung des Kulturhauses. Dann bin ich hingekommen, ich bin auch eingeladen gewesen, und bin hingegangen, dann ist man fast behandelt worden wie einer, der nicht da her gehört. Der Professor Eichbichler, Philosophieprofessor, ist auf mich zugekommen, ja was wir uns erlaubt haben gestern, das ist ja impertinent, ich kann mich an den Ausdruck noch genau erinnern, impertinent. [Lachen] Also, aber es hat dann die Experimentierbühne gegeben, die Kabarett gemacht haben, wo auch sagen wir die etwas aufgeschlossenere Bürgerschaft da hingegangen ist. Also es hat halt, ja, die Zeit hat es schon gebraucht, net. Also von heute auf morgen ist das als, es war, es hat auch niemand irgend etwas aufoktroyiert, sondern das war eine Bewegung, die, die einfach sich breit gemacht hat. Ich mein das hat der Kreisky auch einmal gesagt, net, also dass man die Gesellschaft mit Demokratie durchdringen muss, oder so ähnlich, net. Also vor allem Demokratie, Partizipation, Mitbestimmung, auch die ganze Mitbestimmungsproblematik ist vor allem auch auf den Universitäten, net, die Reform. Der Fischer hat ja damals in Wien auch diese, dieses Reformgesetz glaub ich, aber zu Beginn der Siebzigerjahren und nicht in den Sechzigern noch, die der damalige [Schweitzer: Die Firnberg.] die Firnberg, die hat ja der Kreisky geholt, net, und jetzt braucht es das Wissenschaftsministerium nimmer, net. Also.

Schweitzer

Es ist traurig, ja.

Saurer

Also das der Wirtschaft zuzuschlagen, nit, also ich glaub Wissenschaft, Kultur und alles was damit zusammenhängt, das ist schon mehr als Wirtschaft, net.

Schweitzer

Also das find ich jetzt persönlich ist wirklich das größte Armutszeugnis von der Regierung in Österreich momentan, also nicht nur das Wissenschaftsministerium aufzulösen, sondern das dann ausgerechnet der Wirtschaft zuzuordnen, also, gut, aber.

Saurer

Ja bei uns da hat jetzt die Universität, gut da hat der Landeshauptmann den ganzen Wirtschaftsbereich, aber er hat die Unis und den ganzen Wissenschaftsbereich sich selbst als Wirtschaftschef zugeordnet. Die ganze Studienförderung, die ganze Universität und die Innovation, unter dem Titel Innovation hat er das alles mitgenommen. Ja, es wird schon natürlich auch eine Logik haben, aber ich denk halt, ???? weil das Ganze geht ja sowieso, wird alles ökonomisiert. Und der Humanismus, alles Humanitäre wird, verschwindet sehr oft. Und gerade dieses neoliberale System hat ja wesentlich dazu beigetragen, dass das alles in die Richtung geht. Haben Sie noch etwas?

Schweitzer

Ich wollt eigentlich auf die, es ist jetzt zwar noch nicht angesprochen worden, aber, auf die Sitzung der SVP 1969 in Meran eingehen. Können Sie sich an das erinnern, wie Sie sich daran erinnern, wie Ihre Eindrücke dazu waren? Weil da hat es halt echt, würde mal sagen, zumindest eine Fraktionierung der Südtiroler Volkspartei gegeben, wo man auch nicht gewusst hat, gibt es eine Spaltung oder wie wird das ausgehen. Und es ist schon eine Entscheidung für Südtirol getroffen worden, die ja dann auch dazu geführt hat, dass Sie dann diese Durchführungsbestimmungen mit ausgearbeitet haben. Was haben Sie, wie ist das bei Ihnen in Erinnerung diese ganze Geschichte? Also diese ganze Abstimmung, auch die Differenzen zwischen Brugger und Magnago und so?

Saurer

Ich glaub dass es effektiv zwei Gruppierungen gegeben hat, die sich auch persönlich bekriegt haben. Also das war schon ein Wunder, dass keine, mit Ausnahme der Geschichte mit Dietl, vielleicht vorher Jenny, aber dass es zu keiner Abspaltung gekommen ist. Also, wobei den beiden Akteuren, vor allem dem Brugger auch, unter dem Gesichtspunkt, weil der Jenny hat ja immer vertreten, der Brugger hat nur gespielt, net. Er, er war nicht der Anti-Paketler wie zum Beispiel ein Dietl, wie ein Benedikter, wie ein Dalsass, Dalsass weiß ich nicht, aber ist halt auch ein Anti-Paketler. Aber es war, es hat zwei Fraktionen gegeben, die miteinander nicht mehr können haben, und deswegen war es auch [Husten] höchste Zeit, dass der Abschluss gekommen ist, glaub ich. Und man hat, ich war schon oben auf der Landesversammlung, weil der Hugo Gamper damals, ja, recht, ah, ich möcht sagen, zurückgehend in die Geschichte, in den Ersten Weltkrieg, und was da alles ist, dann die Faschistenzeit, und das ist ja alles hervorgeholt worden. Der Magnago, der gesagt hat, ja, wer ist zu einem Aufmarsch da der Alpini gegangen, und herausgeschaut hat das und das und das dafür, net. Also es ist teilweise auch mit harten Bandagen gearbeitet worden. Also man hat nicht den Eindruck gehabt, dass das eine Partei ist. Und dann ist etwas dazu gekommen, der Aufbau, das ist wieder eine [Schweitzer: Ja, genau, diese, gell], das ist wieder eine andere Geschichte. Also das ist die Fortsetzung gewesen der Gangart, die nach dem Krieg gegangen worden ist. Weil ich glaub da hat der Magnago sogar einmal gesagt 1954 oder wann, der Gamper hat vom Todesmarsch der Südtiroler geredet, während der Magnago hat gesagt, wir sind als Minderheit gut geschützt oder so ähnlich. Wobei er dann gegen Ebner und gegen das Bozener Bürgertum gewählt worden ist, 1957 glaub ich, oder, na vorher, oder zu Beginn und nachher ist die Geschichte draußen in Sigmundskron gewesen. Also das, und dann hat der Ritz und der Ebner und überhaupt Wirtschaftskreise haben halt gemeint da Aufstand zu proben. Und dann haben sich die Magnago-Gruppe, hat sich dann mit der anderen Gruppe wieder, und dann sind die zwei nicht mehr aufgestellt worden bei den Wahlen zum Parlament. Dann ist der Vaja gekommen, dann ist der Dietl gekommen und der Mitterdorfer, aber auch der Mitterdorfer ist mehr Magnagoseite und kirchliche Seite gewesen, während die anderen haben dem Gargitter, der ja walscher Seppel geheißen hat, es allen nachgetragen, dass er nicht so aufgetreten ist, wie der Erzbischof in, in Zypern. Wobei das schon eine andere Situation ist, net. Der hat seine, seine Gläubigen auch vertreten gegenüber den Moslems oder den Türken. Während der liebe Gargitter hat auch, hat auch andere Schäflein gehabt, nicht. Aber das, das hat zu großen Spannungen, die teilweise, teilweise zu Feindschaften geführt haben. Und ja, und wobei der Oppositionsführer Brugger, ja, Politiker genug war, um das Ganze nicht in einer Sackgasse enden zu lassen, net, und deshalb, deshalb bereit war, und insoferne, Magnago war auch heilfroh, dass erstens das Ganze durchgegangen ist und zweitens, dass es so knapp war, weil das ist eine Trumpfkarte. Der Magnago war ein Stratege, net. Weil wenn das zu 90 Prozent durchgegangen wäre, das hätten die Italiener weniger ernst genommen, als die 52 Prozent. Und das glaub ich, insofern hat man sich wieder zusammengespielt, und Benedikter hat mitgemacht im Bereich der Durchführungsbestimmungen und hat gekämpft. Und der Magnago hat vor allem viel vermitteln müssen zwischen Rom und Bozen, und der Benedikter, weil der hat alle Faschisten geheißen, net. Einmal bei einer Sitzung mir scheints des Militärs, haben sie halt auch das Militär hat eigene Vorstellungen gehabt, und nachher ist er halt aufgestanden und ist gegangen und hat gesagt, ihr seids ja alles Faschisten. [Lachen] Aber gekämpft hat er schon. Und was er getan hat, sich kundig gemacht, er hat alleweil Berater mitgenommen und man hat sich müssen mit, er hat da zwei, drei Rechtsanwälte gehabt, und ???, man hat sich als Berater, weil er hat ja nicht, der Ritz ist gekommen, Freunde wie weit seids ihr. [Lachen] [Schweitzer: Schön.] Ja aber das muss man sehen, dass aber ein Strang war, Bürger, Wirtschaft, die eigentlich dann nimmer Partner waren, net. Weil die entscheidenden Verhandlungen sind dann los gegangen, und dann sind Leute vom Magnago und Leute vom Brugger, also Paktetler, Antipaketler, gewesen. Wobei dann wieder die, der Jenny hat ja, weil die Sozialisten ja dagegen gestimmt haben im Parlament, hat der Jenny aus, ich tät sagen, nicht nur weil er überzeugt war, sondern auch aus Gründen der, Fraktionsgründen da, es ist eine Fraktion gewesen, das haben sie auch gesagt. Und der Dietl ist dann, hat ernst gemacht und hat gesagt, da kann ich nimmer.

Schweitzer

Sie haben gesagt Sie waren Berater für diese Durchführungsbestimmungen. [Saurer: Ja.] Das würde mich interessieren, wie hat das konkret ausgeschaut, was haben Sie da gemacht und wie schwierig war das auch solche, diese Durchführungsbestimmungen zu verhandeln, auszuarbeiten, dann auch umzusetzen, oder eben bis 31. Jänner 1972, dass sie dann erlassen sind?

Saurer

20., ja.

Schweitzer

20., aha, nachher hab ich das falsche Datum aufgeschrieben.

Saurer

Ja also ich bin beim Zelger, der hat so eine Landesschulkommission eingerichtet, also nicht Landesschulrat, wie er jetzt ist, der ja in der Verfassung festgeschrieben ist, und Studientitelverhandlungen und dann auch verschiedene Gesetze und vor allem, das Wesentliche waren die Durchführungsbestimmungen. Und da hat man schauen müssen, was sind unsere Kompetenzen, und dann einen weitreichenden Vorschlag machen. Weil, und das ist dann, und das ist durchwegs so gehandhabt worden, dass hier in Bozen die Ideen ausgearbeitet worden sind, net, und mit dem Benedikter besprochen worden sind, weil der hat ja auch nicht die ganze Palette können, net. Und das war ein Prozess. Ich weiß, damals, ich bin noch in Brixen gewesen, weil damals meine Freundin in Brixen war, da hat er am Sonntag angerufen, und ich bin zwei Monate mit ihm unten gewesen, bin da hingeschickt worden, dort hingeschickt worden. Zu Mittag hat er gesagt, wir können nicht Mittagessen gehen, weil das können wir am Nachmittag nicht abarbeiten, aufd Nacht hat er gesagt, ja wir können nicht Abendessen gehen, weil sonst derschlafen wir es nimmer. Also er war schon, er hat schon gefordert, net. Und ich weiß damals hab ich mich mit Büchern eingedeckt, und wie wir fertig gemacht haben die letzten Sachen, haben wir die Möglichkeit gehabt mit dem Taxi von den Trentinern auf den Bahnhof zu fahren, net. Und ich hab müssen meine Bücher zusammen packen, einen großen Koffer, und der Benedikter hat gesagt, ja lassen Sie das da, das wird schon jemand hinunter bringen. Wer das dann hinunter gebracht hat, fluchend, auf den Bozenzer Bahnhof, ist der damalige Abgeordnete Mitterdorfer gewesen. Ja, was ich ihm alles zumut. Dann hab ich ihm halt erklärt, wie das ... Also man hat, es war so, dass Gegenentwürfe gekommen sind von der, von der Bürokratie und nicht von der Politik. Wir haben das große Glück gehabt, der Präsident der Sechser- und Zwölferkommission war der Berloffa, und der war sehr aufgeschlossen. Ich weiß, ich bin mit ihm ein-, zweimal von Rom nach Bozen rüber gefahren, und er hat sich interessiert, hat gefragt wer das ist. Grad die Matura, haben wir gesagt, bei der Matura wollen wir Zuständigkeiten. Und dann ist, ja, wir können Durchführungsnormen erlassen zur Matura, ist dann letztendlich rausgekommen, weil die Staatsprüfungen Sache des Staates geblieben sind. Und die Lehrer sind auch beim Staat geblieben, sind erst die Lehrer, hernach ist die Verwaltung der Lehrer delegiert worden in den Neunzigerjahren. Net, die sind beim Staat geblieben, und, ja, und dann hat es zum Beispiel ein ??? gegeben in Rom, alle Zeugnisse haben unten gedruckt werden müssen. Nachher ist die ganze Diskussion über die enti inutili losgegangen, net. Und da sind auch Besitzstände dahinter gewesen, net. Also die, und das wird überall so gewesen sein, die eingesessene Bürokratie ist sehr, ahm, sehr zurückhaltend gewesen, hat zentralistisch, das war eine zentralistische, die hat wenig loslassen wollen. Und wir haben halt versucht, möglichst, möglichst viel da hinein zu packen. Wir haben dann das Glück gehabt, dass sie unten einen jungen Juristen angestellt haben, der dann glaub ich sogar, ja, Generaldirektor worden ist in späteren Jahren, und mit dem hat man reden gekonnt. Das war ein Sizilianer, mit dem hat man eben reden gekonnt. Also wenn man denkt, wie viele sind denn da Artikel gewesen?

Schweitzer

Ich vergiss das jedes Mal.

Saurer

Ja, gesetzt der Fall es sind dreißig Artikel gewesen. Und wenn man da zwei Monate Arbeit gehabt hat, aber nur Gott sei Dank ist der Termin gewesen, den man einhalten hat müssen, net. Wobei zum Beispiel bei den Ladinern ist ja von uns, vielleicht ist die Regelung, die jetzt gekommen ist, wird schon in Ordnung gehen, aber es ist gesagt worden, die Ladiner können auch entscheiden, ob sie eine ladinische Schule, eine italienische Schule, eine deutsche Schule haben wollen. Und da hat man sich dann geeinigt in der Regierung, dass man da vor den Verfassungsgerichtshof geht, weil da hat man sich nicht geeinigt. Da hat man müssen zum Verfassungs... und der hat dann festgestellt, Schutz der Volksgruppe, es gibt nur eine Schule, Ladinisch als Sprache, als Muttersprache soll mitgehen und sonst Hälfte Deutsch und Hälfte Italienisch. Wobei Deutsch nur Leute, Ladiner, die, ???, eine bestimmte Oberschule gemacht haben, bin ich nicht ganz sicher. Aber jedenfalls hat man da sehr Ding. Dann auch bei der Matura, und die ist wieder gekommen bei der Berufsmatura, wo ich dann mit dem Zeller zu streiten gekommen bin. Weil da hat die Moratti ein Gesetz gemacht, dass Kurse, die gemacht werden, und bei uns sind es vor allem auch die Lehrlingskurse, dass mit Zusatzlehrveranstaltungen, die zur Matura antreten können. Und dann hat sie ein Gesetz gemacht, dann ein, ein weiteres Durchführungsgesetz, und dann hab ich gesagt, wir haben in unserer Durchführungsbestimmung die Norm, dass weitere Durchführungsbestimmungen das Land erlassen kann. Und das hat der Verfassungsgerichtshof, dann ist der Berlusconi damals zum Verfassungsgerichtshof gegangen, und das hat er gespritzt, er hat gesagt, diese Norm ist nur für die Ladiner. Und da hat der Zeller mitgespielt, und ich bin fuchsteufelswild geworden, net. Die haben gesagt, wir haben das gestritten, ich, dem Ding, dem Berlusconi. Weil das ist auch ein, nicht nur Frage der Sprache, sondern auch Frage des Systems. Die anderen haben ja das Lehrlingswesen nicht. Und ich glaub die Berufsmatura, in der Schweiz kann man das im Anschluss an, an die Lehrlingsausbildung machen. Und während der Lehrlingsausbildung kann man auch schon Fächer vorsehen, wenn jemand Interesse hat und so weiter. Jetzt hat die liebe Madame ???Caslatta???, das einzige was sie getan hat, weil da werden sie schon in der Partei sich miteinand, die Lehranstalten von dem System staatlicher Art in die Berufsbildung getan. Aber die Matura muss eine der Maturen sein, die der Staat vorsieht. Und nichts anderes ist gemacht worden. Da sieht man, das hätt der Benedikter, das hätt er nie konzediert. Und das ist, weil sie sich mit der Materie nie beschäftigen, net. Net, da haben gekämpft da, ich weiß nicht wie, net.

Schweitzer

Zwanzig Jahr.

Saurer

Ja. Wobei in der Verfassung steht, dass die Staatsprüfungen staatliche Materien sind. Aber er hat doch versucht da etwas heraus zu holen, dass man, wenn ein Gesetz gemacht wird, dass man noch dieses Gesetz, wir da, auch was die Staatsprüfungen anbelangt, anpassen können an unsere Realitäten, die ja natürlich nicht nur sprachlich ist, sondern auch systemisch ist, net. Ich sag nur, das ist ein typisches Beispiel, wo man dann teilweise auch über den Buchstaben hinausgegangen ist.

Schweitzer

Und wo man jetzt einfach sieht, es ist jetzt wieder eine andere Generation, die in diesem ganzen Kampf um das Paket nicht mehr aufgewachsen ist und nicht mehr drinnen ist. [Saurer: Ja, ja, ja.] Weil Sie vorher den Berloffa angesprochen haben, das wäre meine letzte Frage, dann lass ich Sie in Ruh. Also Sie gesagt, es war eine quasi Hilfe mit Berloffa einen, ja Unterstützer auf der Seite zu haben. War das damals ein Thema und wenn ja wie, dass mit man mit, ah, mit den italienischsprachigen Südtirolern zusammen arbeitet, auch zu schauen für die was zu machen, oder dass die zumindest diesem Paket so zustimmen können, oder ist es immer nur darum gegangen, "nur" unter Anführungszeichen, die Regierung in Rom dazu zu bringen, dass es für die deutsche und ladinische Bevölkerung, das, diese, diese Schutzregelungen gibt? Also hat es da was gegeben, einen Versuch mit, die italienische Bevölkerung einzubringen, oder jetzt überspitzt formuliert, war Berloffa wichtig, weil er gute Kontakte nach Rom gehabt hat?

Saurer

Ja der Berloffa ist ja vom Staat ernannt worden, und auch als, war Staatsvertreter. Und er hat ja schauen müssen, dass auch, und die Staatsvertreter haben als Konsulenten Mitarbeiter im Ministerium gehabt. Also sie waren nicht so, dass da die Politiker gesagt haben, denen ist es nur um, ja, diese ???Raison, diese ist ein bissel anders, die Ladindergeschichte zum Beispiel. Da hat der Berloffa, da ist man nicht einig geworden, und die Regierung hat gesagt, lassen wir den Verfassungsgerichtshof entscheiden. Aber da war man einverstanden, dass der Verfassungsgerichtshof entscheidet. Es hat dann auch, also er hat geschaut, und er hat sich viel Mühe gegeben, dass man zusammen gekommen ist, na, also er. Aber sonst ist, waren das schon harte Diskussionen. Und die Italiener von da, das ist nicht so gewesen, dass sie auf unserer Seite waren.

Schweitzer

Eben, deswegen frag ich ja, ja. Der Berloffa hat's vor denen ja verteidigen müssen, und das ist nicht immer gut angekommen.

Saurer

Aber er ist halt insofern wichtig gewesen, dass seine Ziel war, dass ein Vernehmen da ist zwischen dem Staat und dem Land, was mit Ausnahme dieser ladinischen Schule gelungen ist, net. Und auch, ich mein, und, und die Entscheidenden waren vor allem die Berater, sei es des Ministeriums als auch von uns. Er hat aus jeder Abteilung halt der Benedikter seine Leut mitgenommen. Also Vorbereitung, dann unten Totaleinsatz, wie er halt ist. Ich weiß, wie wir nachher herauf gefahren sind, das einzige Mal was er gesagt hat, jetzt gehen wir in, da gibt es einen Wagen, wo halt ein Restaurant ist, ja jetzt wir er einmal ein Mittagessen spendieren. [Schweitzer: Super.] [Lachen] [Schweitzer: Da war er zufrieden.] Ja aber sonst auch, wie ich zu Beginn gesagt hab, wir haben, also bestimmte Dinge sind immer wieder diskutiert worden, wie die Rolle, weil der liebe Kreisky ist ja, hat einmal so, ist eingeladen worden, ich glaub im Jahr 1965 oder 1966 vom Jenny. Nachher ist der zur persona non grata erklärt worden.

Schweitzer

Wirklich? [Saurer: Ja, ja, aber von den Italienern.] Ah von den Italienern, ja. Ja gut, mit dem Gang vor die UNO, da waren sie nicht glücklich mit ihm.

Saurer

Ja, aber ich weiß, dass gerade von den, nicht grad Freunden der Volkspartei, gesagt worden ist, dass da die Volkspartei mit der Democrazia Christiana und der ÖVP, dass die zusammen gearbeitet haben, um das auf diese Weise zu verhindern, dass er herein kommt. Also es war doch alles noch hochpolitisch, net, also die Durchführungsbestimmungen haben auch Zwanzig Jahre gebraucht. [Schweitzer: Es hat ja gedauert bis dann ...] Und dann sind auch Dinge vorbereitet worden wie bei der Elektrizität, hat man vor allem vom Blankoscheck geredet. Und ich weiß nur bei de Elektrizität, dass das beredet worden ist, net. Und über die Delegierung der Lehrer, weil unsere Lehrer nicht gewollt haben. Es war nicht so, dass, dass da, die Mittelschullehrer haben wollen, das ist in der Neunzehnerkommission besprochen worden, die Volksschullehrer waren dagegen und selber als Gros, dass die Lehrer zum Land kommen.

Schweitzer

Weil das war ja wirklich spät, dass die Lehrer dann zum Land gekommen sind.

Saurer

Ja, ja, wobei die Gesetzgebung der Staat macht, das ist, das ist. Gut man kann was Kollektivvertrag, weil jetzt vieles nicht mit dem Gesetz gemacht wird, jetzt hat man ein bisserl Spielraum, weil im Kollektivvertrag, der wird da gemacht, und da hat man Spielraum. Aber die Gesetze praktisch sind für uns bindend, die unten gemacht werden.

Schweitzer

Ja, ja klar. So, ich, jetzt hab ich Sie wirklich schon sehr lang aufgehalten. Ich möcht mich noch einmal ganz, ganz herzlich bedanken, dass Sie trotz ihren Bedenken, dass Sie mir nichts sagen können, oder nicht viel, doch so lang für mich Zeit gehabt haben und mir interessante Sachen gesagt haben. Ich wollt jetzt ganz zum Schluss, weil wir eingangs darüber gesprochen haben, dass wir gerne diese Interviews transkribieren würden und auch den Benützern zur Verfügung stellen, wollt ich Sie noch einmal fragen, ob man aus Ihrer Sicht das dürfen, oder ob wir es eine Zeit lang noch sperren sollen, oder ob Sie zuerst das Transkript lesen wollen. Also wie gesagt, da sind wir offen.

Saurer

Na. Das Ganze ist ja nicht druckreif, wie ich es gesprochen hab.

Schweitzer

Na, es ist nicht druckreif, und das ist auch für alle klar ...

Saurer

Also ich tät eher sagen, dass Sie einmal versuchen ein Interview aufgrund der Informationen, die Sie gekriegt haben, etwas zusammen zu schreiben, und dass ich das lesen kann. [Schweitzer: Okay.] Also ich brauch nicht das lesen, was Sie da sich aufgeschrieben haben, ich möcht das lesen, was Sie dann effektiv ???

Schweitzer

Ja, genau. Dann werd ich Ihnen das auf jeden Fall zukommen lassen, aber auf jeden Fall noch einmal vielen herzlichen Dank. Ich hab es spannend gefunden, weil es für mich einfach auch eine Zeit betrifft, die ich, ja, also die letzten Jahre dann, wo ich ein bissel was mich dran erinnern kann, aber Sechziger-, Siebzigerjahre da war ich ein Kind. Also von dem her ist dann das auch ganz spannend.

Saurer

Leben Sie in Wien?

Schweitzer

Ich lebe in Wien, ja, aber ich bin aus Latsch, also ich bin Vinschgerin eigentlich, gebürtige. [Saurer: Ah, ja.] Ja, ja, und von dem her ist der ??? wieder ganz spannend irgendwie, das wieder, eben aus unterschiedlicher Perspektive auch mitzukriegen. Also deswegen noch mal vielen herzlichen Dank. So jetzt schalt ich das aus.

[Ende des Interviews]


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