Interview mit Gerd BACHER

am 14. August 2013 in Salzburg mit Sabine Schweitzer. Transkription Peter Wackerlig

Bacher

Sind Sie heute mit dem Wagen oder mit dem Zug gekommen?

Schweitzer

Na, ich bin mit dem Zug gekommen, das ist viel angenehmer. Es ist nicht so anstrengend, da kann man sich erholen im Zug, und von dem her ist mir das immer lieber als mit dem Auto. Ich hab eigentlich überlegt gehabt, ob ich vor zwei Wochen einmal vorbeikomm, weil da war ich auf dem Weg nach Südtirol mit dem Auto. Und hab mir dann gedacht, nein, das ist mir einfach zu anstrengend. Also bei sieben Stunden Autofahrt noch ein Interview dazwischen machen, das ist einfach zu viel.

Bacher

Ja, außerdem, das ist schon eine sehr befahrene Route. [Schweitzer: Ja, eben, genau.] Nämlich grad in den Monaten Juli, August, ist es ja furchtbar. Salzburg ist ja vollgestopft.

Schweitzer

Ja, ich hab es bemerkt, wir sind jetzt mit dem Taxi da hinten rauf über die Festungsstiege, das war …

Bacher

Ich ergreif normaler Weise die Flucht.

Schweitzer

Ich mein, von dem her war ich eh sehr überrascht, dass ich Sie telefonisch jetzt im August erreicht hab. [Eine dritte Person: unverständlich]. Danke schön. Aber Sie machen Ausflüge von da? Weil wie ich Sie das erste Mal erreicht hab, waren Sie irgendwo am See, oder?

Bacher

Ja. Na ja, es ist, es liegt freizeitstrategisch fantastisch. [Schweitzer: Ja das stimmt allerdings.] Man ist sofort in Deutschland und ist sofort in Italien, man ist gleich unten in Slowenien und in Istrien, und das ist. Und für kurze Ausflüge natürlich Salzkammergut und so. [Schweitzer: Salzkammergut ist ja wunderbar.] Ist natürlich die reine. Bei schönem Wetter Weltrekord-Gegend. [Schweitzer: Na, das stimmt auf jeden Fall.] Ich bin ja an sich geborener und hier aufgewachsener Salzburger. [Schweitzer: Sie sind gebürtiger Salzburger?] War dann vierzig Jahre in Wien, und ich war sehr gerne in Wien. Ich war sehr gern, und wenn ich nicht durch einen wahnsinnigen Zufall dieses Haus gekriegt hab, würden wir auch in Wien leben.

Schweitzer

Also das heißt, dieses Haus haben Sie erst gekauft nachdem Sie aus Wien weg sind.

Bacher

Ja, das hab ich 1974, wie ich das erste Mal gefeuert worden bin, und ich hab nie gedacht so etwas zu finden. Und dann auf einmal …

Schweitzer

Also ich denk, das war wahrscheinlich auch schwierig, weil da werden alles alteingesessene Familien gewohnt haben, oder?

Bacher

Ja, ja, verkauft wird da alle hundert Jahr was, weil wer nicht muss, geht da nicht mehr weg.

Schweitzer

Ja das versteh ich gut. Also wenn man so einen Blick hat …

Bacher

Sie können im Übrigen rauchen, wenn Sie wollen, mich stört - ich war so ein Raucher so ein furchtbarer, ich wär zu Grunde gegangen am Rauchen.

Schweitzer

Wirklich? [Bacher: Ja.] Nein, ich mein für mich wär es besser, wenn ich nicht so viel rauchen würde, drum versuch ich es eher bei einem Interview zu …

Bacher

Aber meinetwegen können Sie [Schweitzer: Danke.] Das ist Ihr Kaffee.

Schweitzer

Super, sehr schön.

Bacher

Danke Dir.

Schweitzer

Ja, darf ich gleich einsteigen [Bacher: Ja klar.] in das Interview. Herr Bacher, ich glaube es gibt sehr viele Themen, die ich mit Ihnen kurz besprechen möchte. Das eine wär so irgendwie, also Ihre Aktivitäten für den BAS, und das andere wär aber auch, weil Sie ja bei der ersten Verhandlung bei der UNO mit dabei waren. Ich würde aber eigentlich sehr, sehr gerne damit anfangen, Sie einfach zu fragen, wie Sie zu diesem Thema Südtirol gekommen sind, Sie persönlich, dass Sie sich dafür interessiert haben und engagiert haben.

Bacher

Persönlich bin ich durch den Fritz Molden und den Pfaundler dazu gekommen. Ich war Geschäftsführer der, beziehungsweise Chefredakteur der Moldenschen Medienbesitzungen, und wir waren sehr befreundet. Und der Pfaundler wieder war auch ein Moldenfreund, und die beiden waren ganz ursprünglich an dem Südtirolproblem interessiert und haben mich dann sehr schnell angesteckt. Einschlägig gelagert in Sachen Südtirol war ich schon immer durch meinen Vater, der im Ersten Weltkrieg an der Südtirolfront, Dolomitenfront [Schweitzer: Der war in den Dolomiten, a so.] ja, ja, gekämpft hat und mir auf meine Wünsche also alles erzählt hat, wie das damals war. Und Südtirol und die Dolomiten und ihre Probleme waren also eine Sache, die mich eigentlich schon beschäftigt hat, wie man als erwachsener Bub zum Denken anfängt. Und es geht mir auch heute so, wenn ich über den Brenner fahre krieg ich ein ganz eigentümliches Lebensgefühl. Und fühle mich da wahnsinnig solidarisch und halte es für eine unglaubliche Schweinerei, dass ein Land, das viel länger zu Österreich und viel früher zu Österreich gehörte als Salzburg oder Burgenland, oder ich weiß nicht wer noch aller, dass uns das einfach weggenommen wurde. Und mich hat man für Südtirol nicht begeistern und aufwecken müssen, ich war schon in Sachen Südtirol sehr, sehr wach. Und dann bin ich ja, wie gesagt, durch diese zwei Leute, Molden, Pfaundler, ganz besonders informiert worden über die Schwierigkeiten, die es da unten gibt. Und dass sich der Italienische Staat weder an das Gruber-Degasperi-Abkommen noch an die Klagen aus der Landespolitik und so weiter kümmert. Und, ja, dieses aktive Südtirolinteresse hat dann Mitte der Fünfzigerjahre und in den Sechzigerjahren zu einer recht aktiven Beschäftigung damit geführt. Pfaundler, Molden, meine Wenigkeit, wir haben im Nordtiroler BAS, äh, äh, mitgemacht. In erster Linie, vor allem Molden und ich, in erster Linie in publizistischer Hinsicht und in politischer. Gespräche mit den österreichischen Politikern, Gespräche mit deutschen Zeitungen und Schweizer Zeitungen, weil natürlich in erster Linie die deutschsprachigen Gebiete zu interessieren waren und auch am interessiertesten waren, was sich da in Südtirol abspielt. Und wir haben auch getrachtet finanziell zur Verfügung zu stehen und Leute, die über das notwendige Kleingeld verfügten, da dazu zu bringen, die Kasse für die heilige Sache aufzubringen. Das ist uns sehr gut gelungen. Moldens Auslandsbeziehungen waren ja ganz fantastisch. Dadurch dass er während des Krieges, er war ja zum Tod verurteilt und ein wirklich aktiver Widerstandskämpfer, und daher auch mit den italienischen und tirolerischen Verhältnissen schon in den letzten Kriegsjahren vertraut. Und außerdem, da er ja im Widerstand mit dem Allen Dulles, dem Chef des CIA, der sein Europahauptquartier in Bern hatte, zusammenarbeitete, haben wir seine internationalen Verbindungen, ich brauch Ihnen nicht sagen, wie gut der CIA international aufgestellt ist, weltweit auf Deutsch gesagt, und das haben wir natürlich ausgenutzt und mit mehr oder weniger Erfolg die amerikanischen Gesprächspartner, die deutschen und die Schweizer sowieso, zu informieren und uns als Sprachrohre der Südtiroler auszuweisen. Und gesprengt selbst haben wir nicht, ich wäre jederzeit dazu bereit gewesen, aber das wollten die Südtiroler allein besorgen. Und, aber nicht, dass ich jetzt mich da auf einmal abseilen möchte, wie gesagt, ich wäre jederzeit bereit gewesen da mitzutun. Und, aber das hat sich beschränkt auf in Tirol ideologische, politologische publizistische Aktivitäten. Wir haben die Leute natürlich durch wiederholte Besuche, die wir nach unten veranstalteten und auch durch solche, die die Südtiroler nach Innsbruck und nach Wien machten, engen Kontakt gehabt. Also der allerwichtigste Mann des BAS, ein wirklich im wahrsten Sinn des Wortes ein halber Heiliger, ein ganz gläubiger Katholik, ein sehr verantwortungsbewusster Mensch, war der Chef des BAS, der in erster Linie also in Südtirol ansässig war, aber, nämlich der BAS, aber auch in Nordtirol. Die Begegnungen mit dem Kerschbaumer, der ja bekanntlich im Kerker gestorben ist, die Begegnungen gehören zum Eindrucksvollsten und Berührendsten, was ich in meinem ganz schön fährnisreichen Leben absolviert habe. Das war eine ganz vorbildliche Figur. Es begann bei ihm immer damit, dass er nicht glauben konnte, dass ein so christliches Land wie Italien, mit den Südtirolern so unchristlich verfahren kann. Denn in Österreich hatte man ja keine Ahnung, wie die behandelt worden sind. Mussten italienische Namen annehmen, durften die deutsche Sprache vor den Behörden nicht gebrauchen, hatten größte Schwierigkeiten mit dem Unterhalten meistens illegaler deutschsprachiger Schulen. Also das war ja das, das war ja ärgster chauvinistischer Kolonialismus, den die Italiener in der faschistischen Zeit, aber leider auch nach dem Krieg in der demokratischen Zeit, wo man da wirklich demokratisch unter Anführungszeichen sagen muss, an den Tag legten. Dann hab ich sehr gut gekannt den Mitterhofer und den Innerhofer, ganz aktive Burschen, die ja auch dann vor dem Mailänder Prozess standen, den Amplatz natürlich, der ja erschossen worden ist von einem Südtiroler Geheimdienstmann, vom Kerbler. Und, und wir haben diesen Leuten auch den Zutritt zu den Wiener Spitzenpolitikern verschafft. Und ein, ich muss dazu noch berichten, dass ich, alle Leute glauben, der Kreisky und ich, wir wollten uns nur gegenseitig immer auffressen, davon kann keine Rede sein. Ich war sehr enttäuscht, dass er nicht begeistert war, dass ich Generalintendant wurde, weil wir jahrelang ein ausgezeichnetes Verhältnis haben, was ja alles in Vergessenheit geraten ist. Kreisky, Broda, Slavik, Olah, waren ja damals auch die Jungtürken, die gegen das versulzte System Pittermann und so weiter, ja, dagegen waren sie schon, aber gemacht dagegen haben sie nichts, außer Stimmung. Stimmung in der Partei schon. Und ich war damals ein blutjunger Chefredakteur des neu gegründeten Bild-Telegraf, der Bild-Telegraf hatte in den drei ersten Tagen seiner Existenz zwei Chefredakteure. Und es war eine Gründung von Bundesländer-Verlegern, Salzburger Nachrichten - Canaval, dann die Besitzerfamilie der Tiroler Tageszeitung und der Oberösterreichischen Nachrichten. Und die wollten ein Boulevardblatt in Wien gründen, haben das auch gegründet, und wollten vom Anfang an mich als Chefredakteur haben, und ich hab gesagt: "Mich interessiert ein Boulevardblatt überhaupt nicht." Ich war ganz im Geist der Salzburger Nachrichten, wir waren damals sicherlich die beste österreichische Zeitung, weil amerikanische Zone, und wir uns alles erlauben konnten. Meine Liebe zu Amerika dauerte ja bis zum Bush junior. Erst als dieses Oarscherl gekommen ist, habe ich mich dann von den United States of America abzuseilen begonnen. Aber ich war höchst beeindruckt von dieser Besatzungsmacht, was die zulässt an Kritik, was sie uns an Gelegenheit zu modernem Journalismus gaben. Und, und - jetzt weiß ich aber nicht, warum ich von den Amis angefangen hab.

Schweitzer

Ich war jetzt auch so, hab Ihnen gebannt gefolgt. Wieso sind wir darauf gekommen? Sie haben angefangen damit, dass …

Bacher

Ja, ja. Und ich hab dem Canaval, der Chefredakteur und Verleger der Salzburger Nachrichten war, gesagt: "Herr Doktor, ich geh net nach Wien und ich mach keine Boulevardzeitung, das interessiert mich nicht. Ich bin ein Erziehungsprodukt von Ihnen, politischer Journalismus. Aber Boulevard interessiert mich überhaupt nicht." Am dritten oder vierten Tag der Existenz des Bild-Telegraf hat mich der Canval angerufen, ich weiß das noch wie heute, ich bin am Abend über dem Rezensieren eines Buches gesessen, ruft er an und sagt: "Wenn Du morgen net um 6 Uhr in der Früh bei der Redaktionskonferenz bist," das war eine echte Morgenzeitung, die um 9 Uhr erschien und jeden Tag zwischen 5 und 6 in der Früh, das allein war schon ein Grund nicht hinzugehen, "und wenn Du da nicht hinkommst, so hast Du die Schuld, dass sie Deinen alten Chef", er war 50 Jahre alt, und mir ist das unglaublich alt vorgekommen, denn ich war da, was weiß ich, 25 oder noch jünger. Und dann hab ich gesagt: Na, ich bin morgen in der Früh dort, aber bleiben tu ich nicht." Und dann bin ich 40 Jahre geblieben. Und in dieser Neugründung spielte, ah, an dieser Neugründung war auch sehr interessiert, nicht bei den Gründern dabei, aber der Christian Broda. Und der Christian Broda war eigentlich der erste prominente politische, sozialdemokratische Politiker, den ich kennen lernte. Denn die Salzburger Sozi waren nicht so besonders interessant, aber der Broda war natürlich eine unglaublich interessante Figur. Erstens politisch bis in die Fingerspitzen, ah, kurze Zeit Kommunist, dann zur Sozialdemokratie übergetreten. Unglaublich gebildet, einer der intelligentesten und gebildetsten Leute, die mir untergekommen sind. Und der hat immer gesagt: "Na aus Ihnen müss ma einen Sozialdemokraten machen." Hab ich gesagt: "Sie, Herr Doktor, geben Sie jede Hoffnung auf, das ist ganz unmöglich. Und zwar ich hab überhaupt nichts gegen die Sozialdemokraten, nur für mich kommt es nicht in Frage, denn ich bin von der Ungleichheit der Menschen so überzeugt, dass ich mit einer Partei, die auf dem Gleichheitsprinzip figuriert, überhaupt nichts anzufangen weiß." Aber der Broda hat Gott sei Dank an mir ein ähnliches Interesse gezeigt wie ich an ihm, und hat mich dann mit der ganzen Kreisky-Runde, ich war sehr gut mit den Kreiskys, mit den Slaviks. und sie haben mich eigentlich zu Sachen dazu genommen, wo man nur einen Genossen dazu nimmt. Und obwohl ich gar keinen Zweifel darüber, hoffnungslos, völlig hoffnungslos. Ich bin kein Schwarzer, kein Grüner, kein Gelber, ich bin ein Unabhängiger, und wenn schon dann rechts aber nicht links angesiedelt. Und aus dieser Bekanntschaft schon zu Bild-Telegraf-Zeiten, das hat so in der Mitte der Fünfzigerjahre begonnen, ist dann auch ein, das kann ich ruhig sagen, ein Naheverhältnis zum Kreisky entstanden. Natürlich diese ganze Partie war für einen blutjungen Journalisten, der aber politisch sehr interessiert war, wie ich das war, eine, ein ungeheuerliches Fressen. G’scheit waren sie, gebildet waren sie, unprovinziell waren sie. Also der Kreisky ist ja ein wirklicher Weltmann gewesen, eine weltoffene Figur. Einer der, wenn er zu einem Vertrauen hatte, auch unglaublich offen begegnet ist. Wenn man allerdings dieses Vertrauen ein Mal missbraucht hat, dann hat man verspielt gehabt bis ans Lebensende. Er konnte ja nachträglich sein, dass es jeder Beschreibung spottet. Aber wir haben gegnerische Zeiten gehabt, aber verraten oder betakelt oder beschwindelt haben wir uns nie. Wie er die Absicht gehabt hat, mich nicht mehr auszuhalten beim Bild-Telegraf, hat er mir das offen gesagt. Und, und ich habe natürlich, sowohl Molden wie ich, haben die Gelegenheit unserer guten Bekanntschaften mit, ah, mit Kreisky und mit Broda zu nutzen. Und haben auch den Südtirolern, zum Beispiel dem Kerschbaumer, ah, der die wichtigste Figur war, einen Termin oder Termine beim Kreisky auszusuchen. Der Kreisky hat sich für das Südtirolproblem ganz außergewöhnlich interessiert, und für meine Begriffe, und ich bin da wirklich also ein unparteiischer Beobachter, war er die wirksamste politische Großfigur, die für Südtirol ein Herz gehabt hat und wirklich etwas getan hat. Und das hat uns natürlich auch wahnsinnig imponiert. Meiner Meinung nach waren da viele Momente ausschlaggebend für sein Südtirolinteresse. Erstens einmal hat er an schwierigen politischen Fällen a priori ein unglaubliches Interesse gehabt, auch um den anderen zu zeigen, ihr könnts das net, aber ich kann das schon. Er war natürlich auch erhaben über jeden Verdacht, dass das chauvinistisch oder gar spätnazihaft oder … Er war über alle diese Verdächtigungen natürlich als Jude, als Emigrant, völlig erhaben, und konnte sich auch eine Souveränität in seinem Verhalten leisten, zu denen andere gar nicht legitimiert waren. Und die Südtiroler sind immer ganz begeistert von ihm nach Hause gefahren. Und, der wesentliche Satz, denen er ihnen gleich beim ersten Treffen mitgab, lautete ungefähr folgender Maßen: "Fragts mich um keinen Rat, Ihr wissts das selber am Besten." Und das war der wesentliche Satz. Die haben aber, ich konnte es ihnen nachfühlen, es war nie ein Versuch dabei "gebts a Ruh" oder "hauts net drauf", er hat nur gesagt "bitte keine Menschenleben". Der Fritz Molden hat einmal aus einem Gespräch mit Kreisky veröffentlicht, dass der Kreisky bei seinem Gespräch, ah, sagte: "Wegen ein paar Masten werden wir net wehleidig sein, aber Menschenleben bitte keine". Ich glaube, dass er das gesagt hat, aber ich war nicht dabei, aber ich bin der festen Überzeugung, dass, sonst hätte uns das der Molden nicht berichtet, dass er das gesagt hat. Und die sind natürlich auch mit dem Gefühl nach Hause gefahren, ah da ist eine sozialdemokratische Spitzenfigur. Der versteht uns, der weiß was Freiheit ist, der weiß was Minderheiten sind. Und das hat er, und sie haben mit dieser Hoffnung Recht gehabt. Denn er hat den entscheidenden Schritt unternommen, bei dem der Molden und ich als die einzigen österreichischen Journalisten dabei waren, nämlich das vor die UNO zu bringen, und die UNO zu einer Resolution zu bringen, die die Schutzmachstellung Österreichs bestätigt hat. Da waren natürlich die, die Italiener sprachlos. Die haben zuerst gelacht, wie da diese österreichische Delegation da dahergekommen ist. Und, aber Kreisky hat das natürlich auch mit einer Kenntnis der internationalen Gepflogenheiten, des diplomatischen Vorgehens, der Verführungskunst, er war ja ein echter Verführer bis zu seinem letzten Schnaufer. Das hat er natürlich unglaublich verstanden. Und ich werde nie vergessen, der Fritz Molden hat zu mir eines Tages gesagt: "Du gestern ist der Kreisky nach New York gefahren, er bringt das vor die UNO, wir fliegen heute noch hinüber." Und wir sind dann hinüber geflogen und haben ihn am nächsten Tag in seinem Hotel, ich glaub es war das Hotel California in New York. Ich hab den Kreisky nie wieder in seinem Leben so gerührt erlebt, wie wir da aufgetaucht sind. Denn dass wir keine Gesinnungsbrüder sind, das wusste er eh, diesen Anschein haben wir uns auch nie gegeben. Wir waren immer sehr stolz auf unsere Unabhängigkeit, wollten uns von keiner Partei vereinnahmen lassen. Und dann stehen auf einmal die zwei Hanseln da und sagen: "Ja, wenn Sie uns brauchen, wir schreiben der Heimat jeden Tag Zeitungsseiten." Und das haben wir auch gemacht, und dann nach Tagen, dass wir jeden Tag in der Presse und im Bild-Telegraf mit Aufmachern erschienen ist, was die Kreisky-Kommission da machte, da sind dann andere Journalisten auch nachgekommen. Und der Kreisky hat uns da umarmt in dem Hotel, ist die einzige Umarmung meines Lebens, die ich von ihm empfand, und hat gesagt: "Ich werd euch das nie vergessen." Ich hab ihm dann ein paar Mal nur gesagt: "Sie, Sie haben mir einmal versprochen, Sie werden mir das Verhalten nie vergessen, davon merke ich nichts." Und, aber ich verzeih ja, oder ich versteh Politiker sehr gut, dass für sie auch andere Gesetze gelten. Sie streiten’s nur ab, dass für sie andere Gesetze gelten, aber es gelten natürlich für sie andere Gesetze. Sonst kann man auch eine große Politik gar nicht machen. Und der Kreisky hatte natürlich große Politik vorgehabt. Und mit der Feuernacht und mit diesen ah, mit der Feuernacht 1961 und die, am 11. Juni 1961, und, ah, die UNO, die wichtigste UNO-Vorsprache war im, na Momenterl, die Feuernacht war 1961 und die Vorsprachen waren 1959/60/61. Und da haben die Italiener erstens kapiert, dass die Lage viel ernster ist, als sie das angenommen haben, und dass es in Südtirol einen Kern gibt, für den das ernst ist, das Leben herzugeben. Sie haben ja auch ein ganzer Haufen ihr Leben hergegeben. Und das mit, ah, einem befreundeten Staatschef, der weiß, was Südtirolpolitik machen heißt, verbunden, das hat zur Gründung der Neunzehnerkommission geführt, und die Neunzehnerkommission, sie war 1961 oder 1962, ich weiß es nimmer, das war der wichtigste Schritt. Da haben die Italiener, die ja zuerst gesagt haben, "also euch Österreicher geht's überhaupt nichts an, die Südtiroler sollen sich putzen, das ist unsere Sache, das ist Rom, nicht Bozen und nicht Meran, das ist Rom." Das haben sie sich dann nach der Feuernacht und natürlich im Zusammenhang mit der von Kreisky erreichten UNO-Resolution, haben sie kapiert, na mei Liaba, das ist viel ernster als wir in Rom glauben. Ich rechne das dem Kreisky mein ganzes Leben lang hoch an. Und ich rechne es ihm umso höher an, als in Wien der Spott über Kreiskys und unser Verhalten viel größer war als die Sympathie. Ja Bombenwerfer und Terroristen, und da Kreisky geht da no vor die UNO. Und ah, mir hat das eben so imponiert, dass einer, dem man gar nichts ans Zeug flicken kann, der auch emotionell nicht, so wie ich zum Beispiel oder der Molden, vorbelastet war, dass so einer dann das Herz und die Kraft hat, da wirklich was zu bewirken. Ja, das wär eigentlich die, die Geschichte Kreisky-Südtirol gewesen.

Schweitzer

Darf ich ein bissel was nachfragen?

Bacher

Ja klar.

Schweitzer

Sie haben einige sehr interessante Aspekte angesprochen. Sie haben gesagt, Sie sind eigentlich von Molden und Pfaundler über Südtirol informiert worden. Mich würd interessieren, was Ihnen Molden und Pfaundler erzählt haben. Also wie Molden und Pfaundler die Geschichte …

Bacher

Na da hab ich Ihnen ja keine Neuigkeiten zu berichten. Die wirklichen Verhältnisse aufgezeigt. Das war weder in der österreichischen Publizistik bis dahin ein großes Thema, noch war irgendwann überhaupt daran zu denken, dass sich die Italiener auf Verhandlungen mit dem Staat Österreich einladen. Und das haben mir halt der Pfaundler und der Molden, haben mir dann klar gemacht, was da unten ist. Mit überhaupt keiner Gleichberechtigung, mit x Sachen, die im Gruber-Degasperi-Abkommen drinnen standen, überhaupt nichts im Sinn gehabt die Italiener, sondern verschieben, verschweigen, nicht einmal ignorieren. Und das wusste ich bis in bezeichnende Details vor den Unterrichtungen durch Molden und Pfaundler nicht. Aber sie haben mir einfach ein Bild der Tatbestände gegeben, und den Fritz Molden hab ich gekannt wie einen Bruder, der gehört wirklich zu meinen Lebensmenschen, auch ob des Vertrauens, das er mir schenkte. Und das war auch so ein weltoffener Typ, er war ja sehr gut mit dem Kreisky. Und, und ich wusste natürlich, dass diese Erzählungen des Fritz Molden keine chauvinistischen Grausamkeitsmärchen sind, sondern dass der die Situation kennt und berichtet wie sie ist.

Schweitzer

Also warum ich nachfrag ist, ich hab ja die Zeit zum Glück nicht erlebt, sagen wir so, und ich find das immer ganz spannend, wenn man über solche Erzählungen einfach auch ein Gespür dafür kriegt, also wie die Situation in den Fünfzigerjahren in Südtirol war. Und das ist eigentlich der Grund, warum ich nachfrag, beziehungsweise …

Bacher

Ja das muss man sich alles vorstellen, Namen wegnehmen, keine deutschen Schulen und so weiter. Das ist ja eine Demütigung wie wir sie im ganzen Leben nie erlitten haben.

Schweitzer

Und Sie haben dann im Zuge dieses BAS Nordtirol haben Sie vor allem Kontakte mit der Südtiroler Abteilung des BAS gehabt, oder haben Sie auch sehr viele Kontakte mit den damaligen Politikern in Südtirol gehabt? Wie war das?

Bacher

Ja, ja, Magnago hauptsächlich, und man muss sich ja darüber im Klaren sein, dass die, die Anschläge, die Öffentlichkeitsarbeit, wie wir das immer nannten, die haben ja schon längst vor der Feuernacht begonnen. Nur mussten die Südtiroler und natürlich auch Molden, Pfaundler, meine Wenigkeit zur Kenntnis nehmen, jeder Aufstand in Südafrika und jeder Aufstand in Griechenland ist in allen österreichischen Zeitungen gestanden, nur da war, was in Südtirol sich abgespielt hat wurde entweder überhaupt totgeschwiegen, oder es handelt sich um übertriebene Extremisten. Na so etwas von einem Extremisten und einem beherrschten und verantwortungsbewussten Menschen wie den Kerschbaumer hab ich ganz wenige in meinem Leben getroffen. Und diese Gründung des BAS und dann mit dem Hauptereignis der Feuernacht und Inhaftierung und Folterung von hunderten von Menschen. Und schwerste Strafen im, im Prozess. Das hat erst begonnen internationale Wirkung zu zeigen durch Großereignisse wie Feuernacht, weil da hat es so gescheppert, dass man es in ganz Europa gehört hat. Und natürlich auch, wenn ein so angesehener, internationaler Politiker wie der Kreisky, Jude noch dazu, das darf man in dem Zusammenhang nicht vergessen, hier zur Vernunft aufruft, und zwar den italienischen Staat beutelt, dann hat das einfach eine, ein völlig neues politisches Klima. Zuerst war das politische Gschaftlhuberei von irgendjemand, und irgendeiner hat halt irgendwo eine Handgranate geworfen, aber dann war das auf einmal eine, eine politische Situation von europäischer Größenordnung.

Schweitzer

Waren Sie eigentlich in Sigmundskron bei dieser großen Demonstration 1957?

Bacher

Nein, nein, war ich leider nicht dabei.

Schweitzer

Ich hab mir nämlich jetzt gedacht, hätt sein können, irgendwie.

Bacher

Na ja, interessant ist dadurch noch zu sagen, der Magnago, der ja auch einer der Südtirolerischen Hausheiligen zurecht war und ist, der hat ja einmal mitten in diesen Verhaftungswirbeln gesagt, ja, wenn er wüsste, wer die Täter sind, würde er sie verhaften lassen und so weiter und so fort. Und das hat er ja alles zurückgenommen, der Magnago und der Gruber haben bei einem gemeinsamen, ich weiß nicht wer von denen 80. Geburtstag feierte in der Industrie in Wien, im Haus der Industrie. Hab ich mir die beiden hergenommen, ich kannte sie ja sehr gut, und sie mich auch. Und hab ich gesagt: "Na ja bitte, wie ist das jetzt? Bildet ihr euch immer noch ein ihr hättet die Autonomie bekommen ohne die Feuernacht und ohne die Resolution?" "Na", hat er gesagt, "da habts ihr vollkommen recht gehabt." Die haben, also diese Verurteilung absolut zurückgenommen, sowohl der Außenminister Gruber wie der Landeshauptmann Magnago.

Schweitzer

Eben, weil auf das wollt ich ja zurück. Magnago, oder auch die Leitung der SVP hat ja nach der Feuernacht das sehr massiv abgelehnt.

Bacher

Ja, ja. Der Bischof Gargitter, der da Märchen erfunden hat, dass das kommunistisch, aus Moskau sowjetisch angezündet ist. Also das, das haben sie dann alles abgeschworen.

Schweitzer

Aber wie ist es Ihnen damit gegangen, wenn dann die, die Anführer der Südtiroler offiziell so Position gegen den BAS bezogen haben, und gesagt haben, das wollen wir nicht?

Bacher

Na ja, wir haben natürlich die Leute, viele davon, gekannt und haben intensive Gespräche mit denen gehabt. Und das hat sich von Jahr zu Jahr gebessert. Die haben ja auch gemerkt, dass sie seit Jahr und Tag verhandeln und nichts ändert sich. Und dann blitzartig mit UNO und mit der Feuernacht, ohne die Feuernacht - Rom hat einfach zu recht die Hosen voll gekriegt, was da in Südtirol ausbricht.

Schweitzer

Mit der Feuernacht wurde ja dann ein Visum erhängt für alle Österreicher und Österreicherinnen. [Bacher: Bitte?] Die Italiener haben ja dann nach der Feuernacht einen Visumzwang eingeführt für die Österreicher und Österreicherinnen. Ich nehme an, Sie haben dann nach dem Juni 1961 nicht mehr so einfach nach Südtirol fahren können, oder?

Bacher

Na ja, so einfach nicht, aber da hat uns sehr gut genützt die Tätigkeit als prominenter Journalist, ah, und die haben sich gehütet sozusagen, die ganze europäische Pressefreiheit aufs Spiel zu setzen, wenn sie mit uns jetzt darüber anbandeln. Wobei die, die kostbarste Figur der Molden mit seinen internationalen Beziehungen war.

Schweitzer

Das heißt, die haben auch Angst gehabt ihnen, wenn sie jetzt zu brutal ihnen gegenüber sind, dass sie schlechte Medienberichte im Ausland kriegen? [Bacher: Ja, ja.] OK.

Bacher

Nachweisen konnten sie uns nichts und, und sie wollten sich nicht sozusagen selbst zum zweiten Mal einen so großen Irrtum in Sachen Südtirol einbrocken. Einmal haben sie ja mit der Nullifizierung, das ist kein Problem und die sollen es Maul halten und so weiter, und das da, und nix. Und da haben sie sich also schon sehr getäuscht. Da hat natürlich als Figur der Kreisky ungeheuerlich gewirkt. Österreichischer Bundeskanzler, Jude, Emigrant, Obermacher der Sozialistischen Internationale, na da haben sie sich. Dann natürlich, es gab ja auch sozialdemokratische Regierungen in Italien, wo sich die Genossen dann bei der Internationalen getroffen haben, und der Kreisky denen ganz schön am Deckel gehaut hat. Und, denn er konnte ja auch sehr, sehr offene und grausame Saiten aufziehen. Er war ein mit allen Wassern gewaschener Politiker, das steht fest. Und es ist auch interessant, wenn ich mit meinen Südtiroler Freunden, nur bin ich langsam allmählich der Älteste, jetzt werd ich 88 Jahr, es gibt ja fast keine mehr, da hatte er natürlich auch ein riesen Ansehen. Weil die haben natürlich schon ??? engagiert, was der gebracht hat, wie er die internationale Politik in die Sache eingespannt hat.

Schweitzer

Dann schwenk ich jetzt zur internationalen Politik. Sie waren bei dieser ersten Verhandlung vor der UNO 1960 ja dabei. Wie war das?

Bacher

Also das war, das war natürlich erstens einmal für mich eine wirklich eine denkbare Schulwoche. Der Kreisky hat sich mitgenommen seine besten Diplomaten, er hatte mitgenommen den Kirchschläger und den Waldheim, die natürlich damals auf dem Höhepunkt ihrer diplomatischen Kenntnisse und ihres Ansehens waren. Und, und dann hat der Kreisky natürlich gewusst, wie man Stimmung macht, wie man sowohl mit Politikern wie mit Diplomaten spricht, das sind zwei völlig getrennte Völker, die Politiker und die Diplomaten. Er war aber beides und hat beides gekonnt. Und, und er hat uns, er war offensichtlich so gerührt davon, dass wir am nächsten Tag auf einmal dastehen, ohne dass uns jemand dazu aufgefordert hat, und er hat uns sofort in diese Arbeitsgruppe, es waren jeden Tag zwei Arbeitssitzungen, Vormittag und am Abend. Vormittag Befehlsausgabe, abends Bilanz: Was haben wir ausgerichtet, wer glaubt uns? Weil es hat natürlich eine mords Schneid dazugehört, denn die große UNO hat ja überhaupt keine Ahnung von dem Südtirolproblem gehabt. Und da hat diese Gruppe von erstklassigen Leuten, die er da aus seinem politischen, aus seinem außenamtlichen Stall mitgebracht hat, die natürlich Leut wie; vor allem der Waldheim war ja in der UNO unheimlich daham. Und das war wirklich eine Missionierung der UNO in Sachen Südtirol. Und wir haben das natürlich, publizistisch waren wir vom eigenen Wonnegrunzen umzingelt, wie man, die Entstehung wie man Stimmung macht, wie man aus einer Affäre dann wirklich eine Staatsaffäre macht. Und das, da war eben, wie gesagt, am Vormittag war die Befehlsausgabe und am Abend war dann die, die Bilanz: Was haben wir erreicht, wer glaubt uns? Am Anfang haben ja alle [???] gesagt, ihr seid ja völlig deppert worden, auch zum Kreisky, du glaubst doch nicht, dass die UNO eine Südtirolresolution machen wird. Und er aber, mit seiner ruhigen aber auch, er war ja auch ein gottbegnadeter Schauspieler, er hat, er hat sich auch die richtige heilige Wut verordnen können und hat solche ungläubigen Thomasse zusammen geschrieen, dass es grad kracht hat. [Schweitzer: Wirklich?] Ja, ja. Und das hat uns natürlich alles sehr gut gefallen.

Schweitzer

Der Waldheim, wird ja in der Forschung gesagt, dass der deshalb auch sehr wichtig war, weil er diese zum Beispiel afrikanischen oder lateinamerikanischen Staaten auf die Seite von Österreich gezogen hat, die eben auch gerade erst unabhängig geworden sind und damit ein Verständnis für das Anliegen gehabt haben. Aber die ehemaligen Alliierten waren ja eigentlich auf der Seite von Italien.

Bacher

Ja klar, ja klar.

Schweitzer

Sie haben vorher gesagt, Sie waren immer so ein Anhänger von Amerika. Amerika war ja grad sehr, sehr lange auf der Seite von Italien. Wie ist es Ihnen damit gegangen, dass die USA so lange kein Verständnis hatte?

Bacher

Ja das haben wir einfach als einen politischen Irrtum, den wir für empörend fanden, da hat auch wirklich groß gearbeitet der Fritz Molden, der ja auch die Chefs der wichtigsten Zeitungen, die New York Herold Tribune, den New Yorker und alle diese Leute, ah, indoktriniert hat, oder zumindestens ihnen erklärt hat, was da wirklich gespielt wird und wie da auf die Menschen, auf den Menschenrechten herumgetrampelt wird. Also die Verdienste des Fritz Molden waren da ganz besonders rühmenswert, muss ich sagen.

Schweitzer

Und da gab's dann auch Berichte in amerikanischen Medien?

Bacher

Da gab’s Berichte in amerikanischen Medien in den großen, die Amerikaner, ah, hatten ja zu dieser Zeit noch eine geringe Weltsicht. [Schweitzer: Schön formuliert.] Denn die United States of America war die göttliche Großschöpfung und alles andere war ein Nullum. Und das haben sie nicht einmal bös gemeint, sondern in diesem Sinn wurden sie erzogen und haben sie Politik gemacht. Und außerdem darf man ja auch nicht vergessen, dass die keine wirkliche Praxis in internationaler Politik hatten. Es waren ja lauter grimmige US-Inländer, die Präsidenten waren. Die einzige große Ausnahme, der allerdings sehr große Roosevelt natürlich, der hat natürlich schon gewusst, wie man auf internationalem Klavier spielt. Aber so, was dann nachher gekommen ist, aber mittlerweile haben sie es schon gründlich gelernt.

Schweitzer

Ja, das würd ich auch sagen. Ich würd gern, ich weiß nicht, so ein Gespür dafür kriegen, wie diese Sitzungen, diese zwei Sitzungen täglich, abgelaufen sind. Also wie da die Stimmungen waren …

Bacher

Ja, das war, das war eine Workshop-Arbeit. Den Ton angegeben hat natürlich, für Autorität hatte er ja sehr viel übrig, er ist ein verlässlicher Demokrat gewesen, aber auch ein verlässlicher Machthaber, er hat ein sehr gesundes Verhältnis zur Macht bekommen, und er hat sehr dazu geneigt, jeden, der einer anderen Meinung war, für einen Trottel zu erklären. Ich will da, aber ich könnte da mit Beweisen haufenweis [Schweitzer: Tun Sie sich keinen Zwang an.] auffallen. Nein, das bin ich ihm schuldig. Und diese, das war eine ganz zwanglose Konferenz jeden Tag zwei Mal, ob es jeden Tag zwei Mal war, kann ich nicht sagen, aber ich glaube schon, das ist ja alles so wahnsinnig lang her. Und es ist ja jetzt schon Fünfzig Jahre her. Und da hatte, es waren immer denkbar offene Diskussionen, und natürlich war für Molden und mich, aber vor allem für mich, weil der Molden hatte ja in solchen Dingen schon mehr Training, obwohl er nicht viel älter war als ich. Es war natürlich die Creme de la Creme an österreichischen Diplomaten da. Das waren natürlich lauter gescheite Leute, die auch nicht die geringste Angst hatten dem Herren Außenminister nur zu widersprechen. Und, und sie waren auch alle per Du untereinander, wie es ja im Außenamt üblich ist. Und man hat schon dem Kreisky deutlich angemerkt, dass er weiß, welche Topmannschaft er sich da mitgenommen hat.

Schweitzer

Also er hat die auch gezielt ausgewählt?

Bacher

Ja, ja. Na ja, ganz, überhaupt keine Frage. Und das waren natürlich keine Dilettanten, sondern das waren Profis, herrliche Profis.

Schweitzer

Und Sie haben auch beigetragen, nehm ich an, an diesen Diskussionen?

Bacher

Na ja, ich hab an diesen Diskussionen vom journalistischen Standpunkt beigetragen, aber schon sehr zurückhaltend, denn an sich war das ja eine gewaltige Geste des Kreisky zwei Journalisten an so einer Insiderpartie teilnehmen zu lassen. Denn wir haben ja auch da mitgekriegt, was nicht funktioniert hat. Aber das war noch ein anderer Journalismus. Heute besteht Journalismus darin, unter allen Umständen muss wer aufgeblattelt werden. Jede große Sache hat auch eine kleine Seite, und wir natürlich haben etwas, was ungünstig sein könnte, oder was dann zu einem Vorwurf ans Außenamt führt, haben wir, da hätt ma uns foltern lassen, das haben wir nie berichtet. Das hat der Kreisky natürlich auch vorausgesetzt, dass wir wissen, was berichtenswert ist und was nicht.

Schweitzer

Ich mein, er hat natürlich auch gewusst, dass Sie für die Sache sind. [Bacher: Ja, ja klar.] Das war ja irgendwie das Entscheidende in der Zeit in Wien, soweit ich das versteh, dass es da eigentlich Partei übergreifend so eine Meinung gegeben hat, Südtirol ist ein wichtiges Anliegen. Von dem her, dass Sie dort irgendwie was Negatives berichten, das wär schon eher ungewöhnlich gewesen. Ich hab zwei Fotos bei uns im Archiv gefunden, ich fürcht nur, die sind vielleicht von 1961, aber ich weiß nicht, vielleicht können Sie sich da auch dran erinnern.

Bacher

Ja da hinten ist der Waldheim.

Schweitzer

Also bei dem vermut ich sehr stark, dass das 1961 war, weil soweit ich weiß war der Tschiggfrey nur 1961 dabei.

Bacher

Ja, ja, den Zechtl hab ich natürlich gut gekennt, der Zechtl war ein sozialdemokratischer Landesrat und ein ganz prima Bursche. Der war natürlich auch mit ganz bei unserer Partie. Und er musste natürlich auch ein bissel mehr noch aufpassen als wir, wir mussten ja auf nichts aufpassen, als dass wir der Sache nicht schaden. Während, damals war ja die Stimmung in Österreich so, was hat ein sozialdemokratischer Landesrat mit den Krawallen in Südtirol zu tun.

Schweitzer

Ah, das heißt der Zechtl war beim BAS? Also zumindest am Rande?

Bacher

Er war sicher net dabei aber ein assoziiertes Mitglied.

Schweitzer

Ah, ich verstehe. Und dann war ja noch der Botschafter Matsch, der österreichische Botschafter beim, bei der UNO, der offensichtlich auch sehr gut Kontakte knüpfen konnte, so was mir alle erzählt haben.

Bacher

Ja fantastisch natürlich, fantastisch. Das konnte natürlich auch niemand so gut, ah, funktionalisieren wie der Staatssekretär beziehungsweise der Außenminister persönlich. Das ist eh klar. Er hat sie alle gekannt, von vielen war er jahrelang der Chef, also das. Aber als wirklich ebenbürtig hat er immer Waldheim und Kirchschläger. Deswegen auch so viele haben sich gewundert, dass der Kreisky sich in der Affäre Waldheim, die ich für einen Skandal halte, denn ja nichts von den Behauptungen ist bewiesen worden, nichts, überhaupt nichts. Er kommt aus einer Anti-Nazifamilie und so weiter und so fort. Er hat sich blöd verteidigt, das steht eh fest, aber Blödheit ist ja was anderes als verbrecherisch. Und ihn hat man ja da NS-Verbrechen bezichtigt, was wirklich eine Sauerei ist. Aber diese zwei hat er als absolute Edelsteine betrachtet, die waren ihm völlig ebenbürtig. Darum hat er den einen zum Bundespräsidenten gemacht, und der andere war immerhin Chef der UNO.

Schweitzer

Ja, ja, eben. Also das muss sehr faszinierend gewesen sein dort drüben dabei gewesen zu sein.

Bacher

Na fantastisch, na fantastisch.

Schweitzer:

Und waren Sie dann bei den Sitzungen, waren die öffentlich, konnte man da zuhören?

Bacher

Nein, nein, das waren völlig geschlossene. Das war eine Verschwörerpartie, die etwas erreichen wollte, und zwar die Internationalisierung des Südtirolproblems. Das ist ja net so auch, weil das manche dem Kreisky anhängen wollten, er war ja nicht bei der Bombenwerferpartie dabei, sondern er hat als Ziel gehabt, und das haben ihm die wenigsten geglaubt, dass er das zsammbringt, die Internationalisierung des Südtirolproblems. Und damit ist es ja ernst worden, und das ist ihm ja wirklich, das war einer seiner größten Triumphe. Und das hat natürlich, uns hat das wahnsinnig imponiert.

Schweitzer

Können Sie sich daran noch erinnern, an die Reaktionen in New York auf diese Resolution, also jetzt nicht von Seiten Österreichs?

Bacher

Na, kann ich mich net erinnern, na, muss ich ganz ehrlich sagen, das war. Es war ein, ein ungläubiges Erstaunen, weil wie wir, also wie die Kreiskytruppe, wir haben ja nichts gemacht, wie die, wir waren Beobachter, wie die Kreiskytruppe angefangen hat da zu missionieren, da hat man natürlich viele Stimmen gehört: "Die san wohl a bissel beschädigt da oben." Die haben natürlich geglaubt, dass der Verbündete aus Weltkrieg Zwei, Italien, zu beschützen und dessen Interessen zu verfolgen sind. Die Italiener haben ja auch nur am Anfang ein verächtliches Lächeln gehabt, ist der Kreisky noch zurechnungsfähig?

Schweitzer

Genau das hab ich gestern noch gelesen, dass es da eine Stellungnahme gegeben hat, ich glaube vom irischen Präsidenten, zugunsten, also der die Resolution unterstützt hat, wo dann offensichtlich einer von den italienischen Politikern vollkommen ausgezuckt ist vor der UNO, weil er das nicht glauben hat können, dass jemand das ernst nehmen kann. Also das glaub ich schon auch, dass Italien da realisiert hat 1960, ja so einfach ist es nicht.

Bacher

Ja, so einfach geht’s net. Mit der Internationalisierung ist der, der Weg zur Autonomie wirklich angetreten worden, das steht außer Frage.

Schweitzer

Wenn Sie sich jetzt so, also, eben Sie haben gesagt es war Feuernacht, also, der Gang vor die UNO, die UNO-Resolution und die Feuernacht waren entscheidend, dass was in Gang gekommen ist in Südtirol. Und Sie durften ja dann in den Sechzigerjahren auch noch nach Südtirol reisen. Können Sie sich da daran erinnern, wie sich das verändert hat in Ihrer Wahrnehmung? Oder, wie war denn dann die Situation in den Sechzigerjahren in Südtirol, aus Ihrer Sicht?

Bacher

Na ja. Erstens einmal haben die verantwortlichen Südtiroler, da denk ich jetzt nicht an die BAS sondern an SVP und so weiter, es hat ja auch außerhalb der SVP gewichtige Stimmen gegeben, die da ernsthaft von Nutzen waren. Die, ah, haben ja vorher zu den ganz ungläubigen Thomassen gezählt: "Auf des ham ma gwort, dass die Wiener, und no dazu Wiener Journalisten, auf eich hom ma gwort." Das hat sich also gehörig umgedreht, man hat die Rolle Kreiskys sehr zu schätzen gewusst, auch in der SVP, also sowohl Magnago wie später der Durnwalder, das ist überhaupt keine Frage. Und man hat mitbekommen, dass sich die Situation gewaltig aussichtsreicher gestaltet hat, als das noch vor relativ kurzer Zeit der Fall war. Weil da haben uns ja viele gesagt, Kinder das ist doch völlig hoffnungslos, die Itaker haben das sehr gescheit verstanden im letzten Augenblick, als eh kein Leben mehr zu riskieren war, sind sie geschwind übergetreten und sind Alliierte und so weiter und so fort. Und das war auch einleuchtend, nur wir wollten das nicht glauben, und für Kreisky, das war net seine Hauptmotivation, aber einer der Gründe, die ihn motiviert haben, war, ich zeig euch jetzt einmal, was internationale Diplomatie eines Kleinstaates fertig bringt.

Schweitzer

Und in dem war er groß, ja.

Bacher

Damit haben sie überhaupt nicht gerechnet, die haben einfach geglaubt, sie lassen uns da ausrutschen auf dem Eiswasser, das sie ausgeschüttet haben, nix.

Schweitzer

Jetzt war ja diese UNO-Resolution eigentlich der Schritt dafür, dass es quasi die Entscheidung zugunsten einer Autonomie in Italien, aber eben einer Provinzialautonomie gehen sollte, und weg von diesem Selbstbestimmungsrecht, das ja doch in den Fünfzigerjahren noch ganz stark das Thema war.

Bacher

Na ja, das ist ja noch immer nicht tot.

Schweitzer

Ist immer noch nicht tot, na das stimmt.

Bacher

Ist immer noch nicht tot, da gibt es noch viele, die glauben, und mir wär das auch sehr sympathisch, ich hab grad erst unlängst in einer Rede in Südtirol gesagt, ich bin nicht so Südtirol-begeistert nur euretwegen, ich bin ein österreichischer Imperialist. Ihr gehörts weder euch noch gehörts ihr den Itlalienern, ihr gehörts uns. Da haben sie gehörig geräuspert, ihr gehörts uns. [Schweitzer: Das glaub ich.] Und man darf ja nicht vergessen, das ist heute die wohlhabendste Autonomie, die es in irgendeiner Region in Italien gibt. Das ist ja ein Wirtschaftswunderland geworden. Auch aus der eigenen Tüchtigkeit, die Südtiroler sind weitaus tüchtiger als die Nordtiroler.

Schweitzer

Das lass ma einmal so stehen. Aber, ich mein, das stimmt natürlich, es ist eine von den wirtschaftlich prosperierendsten …

Bacher

Sehr geholfen in diesen Situationen hat uns natürlich der Landeshauptmann Wallnöfer. Gebürtiger Vinschgauer und Busenfreund des Kreisky, die zwei haben sich ja unglaublich gut verstanden. Zu vielerlei Ärger, sowohl vom Ärger in der SPÖ wie in der ÖVP, weil die zwei wirklich allerhand miteinander gedraht haben. Und der hat natürlich auch, was heißt auch, der hat natürlich Türen aufgemacht bei Kreisky, und der hat natürlich den Kreisky auch, ah, bestärkt in seiner pro Südtirolhaltung. Und der Wallnöfer war natürlich, das war auch, das war ein Menschenverführer. Die haben Ähnlichkeiten gehabt. Ja. der Kreisky und der Wallnöfer waren wirklich im positiven Sinn des Wortes, nicht im negativen, im positiven Sinn, waren das Verführer. Die konnten einen umdrehen und sie haben das auch gewusst, dass sie das können. Drum war ja ich so maßlos enttäuscht. Kreisky - Bacher war zu Journalistenzeiten ein ganz anderes Verhältnis als zu ORF-Zeiten. Er hat das überhaupt, er hat das einfach ertragen, dass jemand von ihm völlig unabhängig ist. Denn er hat ja die Regierung in einem Ausmaß in der Hand gehabt, der Konflikt Androsch - Kreisky ist nicht nur wegen der Vermögenssachen, sondern auch wegen des Aufmüpfigsein des Androsch, bei Kreisky hat’s kein Aufmüpfigsein gegeben. Und, und, ja, er hat zu mir eines Tages gesagt: "Sie verhalten sich ja, als ob der ORF Ihnen gehörte." Hab ich gesagt: "Na Herr Bundeskanzler, das unterstellen Sie mir nur. Aber es gehört weder Ihnen noch mir. Nur wenn es von uns zwei jemand gehört, dann mir, weil der Generalintendant auf jeder Seite des Rundfunkrechts vorkommt, der Bundeskanzler nicht ein einziges Mal." Und das hat er, das hat er natürlich. Ich hab mir ja gedacht, dass er sich sehr freuen wird, weil wir haben ja miteinander einige Sachen gemacht, und zwar Sachen, die ihm sehr gut getan haben und mir auch, gar keine Frage. Aber ihm haben sie noch besser getan als mir. Denn die ganze Südtirolgeschichte, die hat ihm natürlich auch Stimmen aus misstrauischer Seite gebracht. Das hat er natürlich auch in sein, er hat da seine Österreich-Supermatura abgelegt, das steht außer Frage. Aber verdient hat er mit Auszeichnung maturiert, das steht auch außer Frage. Aber er, er hielt das einfach nicht aus, dass eine große Anstalt, die sich selbst gehört, aber wo doch in allen Gremien die Parteien drinnen sitzen, nicht der Bundeskanzler das erste und das letzte Wort hat. Und ich hab ihm gesagt: "Sie haben überhaupt kein Wort bei uns." Und, und natürlich, ich mein, das ist ja dann, es war ja eine ganz merkwürdige Gegnerschaften. Der Kreisky hat eines Tages am Höhepunkt kämpfte, hat er gesagt: "Wann i wos von Ihna will komm ich zu Ihnen, und wenn Sie was von mir wollen, kommen Sie zu mir." Also die Gesprächsbasis war auch, auch während der Mordsituation, wo er mich also öffentlich geschlachtet hat, die war immer gegeben. Und das, also ich bin kein Kreiskyfan, aber ich schätze ihn sehr hoch.

Schweitzer

Aber es gab doch dann, wie Sie das zweite Mal Generalintendant waren, also von 1978 an, da sind Sie ja dazwischen noch einmal gewählt worden, und da hat ja die SPÖ, zumindest Teile, haben ja dann durchaus auch für Sie gestimmt. Also irgendwie, ein bissel was hat sich da verändert.

Bacher

Ja, aber gegen den Einwand der Partei. [Schweitzer: Ja, natürlich.] Und gegen den Einwand des Kreisky. Der Kreisky hat zwar den Einwand nie offen geäußert, die Partei ja, ah. Na, na, ich hab immer drei beziehungsweise vier sozialdemokratische Stimmen, ich hab schon immer ein halbes Jahr vor der Wahl gewusst, dass ich es wieder werde. Aber die haben gesagt, da tun wir einfach nicht mit, du kannst das so gut, und das ist alles ein Schmäh, wenn der Kreisky erzählt, das ist ein Schwarzfunk, das hat überhaupt nichts. Bei mir war nix mit Schwarz und mit Rot und mit gar nix.

Schweitzer

Und das heißt, Ihr Anliegen war da wirklich den ORF in eine moderne Zeit zu führen, wenn ich das so übersetz?

Bacher

Ja klar, ich mein, das war einfach, das war die schönste Zeit meines Lebens. Die Zwanzig Jahre den ORF führen zu dürfen halte ich für die größte Vergünstigung, die mir mein Schicksal gewährt hat. Das, das größte Kulturinstrument des Landes, das größte Informationsinstrument, endlich einmal nicht mehr bei allem daran denken müssen, was kostet es denn. Denn sowohl Unterhaltung, wie Kultur, wie Information sind teure Geschäftsfelder. Und das war da. Und, und das war. Es haben mich oft Leut, denn ich muss ehrlich sagen, die freudigste Zeit meines Lebens war der ORF, und ich hab zumindest 14 bis 16 Stunden am Tag im ORF verbracht. Und da haben sie mich dann manchmal gefragt, wenn das einzige Licht im großen Haus bei mir gebrennt ist, ob ich denn so pflichtbewusst sei. Hab ich gesagt, Sie, das ist ein völliger Irrtum, das hat mit Pflichtbewusstsein überhaupt nichts zu tun, es freut mich so. Ich hab nichts lieber getan, als das. Wie Sie wahrscheinlich eh wissen, ich war zwei Mal Kohl-Berater, auch hochinteressante Zeiten meines Lebens, und der Kohl wollte unbedingt, dass ich draußen bleib. Und ich hab gesagt, das war nach meinem ersten Hinausschmiss, und dann hab ich gesagt: "Du, ich kann da nicht bleiben, ich führ in drei Jahren wieder den ORF." Hat der gesagt: "Du wirst ihn nie mehr führen." Und dann hab ich ihn noch zwei Mal bekanntlich geführt. Und, und die deutschen Jahre waren auch eine ungeheuerliche Lehrzeit, weil das ist natürlich ein völlig anderes Klima im Zentrum einer europäischen Großmacht, der europäischen Großmacht zu sitzen. Und ich hatte das Glück, dass der, dass der Kohl sehr viel von mir hielt, und wir buchstäblich unser Leben gemeinsam verbrachten.

Schweitzer

Wie ist das dazu gekommen, dass Sie Berater vom Kohl geworden sind?

Bacher

Ja, das ist ganz komisch gekommen, das ist. Ich, ungefähr ein Jahr, nachdem ich Generalintendant war, hab ich die Bude schon ziemlich ausgeräumt und umgedreht gehabt, und war das schon im ganzen deutschsprachigen öffentlich-rechtlichen Rundfunkwesen, hat man sich, ah, wie mir berichtet wurde, immer den Kopf geschüttelt, wie macht er denn das, und der haut die Politiker ausse und so weiter und so fort. Und ich hab es ihnen dann manchmal erklärt, hab gesagt, ich kann Ihnen, Euch schon sagen warum, weil ich es nicht mache, um es zu bleiben, sondern um es zu sein. Ihr wollts das ewig bleiben, mich haben sie drei Mal ausseghaut, zwei Mal ausseghaut und drei Mal bin ich gekommen. Und der, ah, Momenterl, ja Kohl, und der, rein der Ministerpräsident jedes Bundeslandes ist gleichzeitig der Aufsichtsratsvorsitzende der Führungsgremien im jeweiligen Bundesländerfernsehen, also die ARD, das ZDF, die Landesanstalten. Und eines Tages ist das, und ich hab natürlich gewusst, wer der Kohl ist, aber hab noch nie ein Wort mit ihm geredet gehabt, ich hab höchstens gesagt, das wird ihm auch zu Ohren gekommen sein, na bei mir hätt der nix zu reden. Und, und, ah, eines Tages ist das Büro Kohl am Apparat und dann Kohl gleich am Ding, sagt er: "Sagen Sie, mich interessiert das sehr, ich brauch Ihnen ja nicht erzählen, dass ich mit Fernsehen und Radio zu tun hab, mich interessiert das sehr, was Sie da in Wien anstellen. Und würden Sie sich, würden Sie einmal mich besuchen in Mainz?" Und ich muss ehrlich sagen, es war eine Freundschaft vom ersten Augenblick an. Er hat völlig offen mit mir geredet, und ein weiteres Jahr später hat er mich dann angerufen und hat er gesagt, das war 1967 [richtig vermutlich 1976. P.W.], hat er mich dann angerufen, hat er gesagt: "Sagen Sie", da war ich gerade wieder einmal aussegschmissen, hat er gesagt: "Sagen Sie, würden Sie mich als medienpolitischer Berater unterstützen bei den Wahlen 1967 [richtig vermutlich 1976. P.W.]?" Hab ich gesagt: "Na, da muss ich mich mit Ihnen unterhalten, denn ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, Aktentaschenträger hab ich, ich bin keiner." Sagt er: "Na, na, ich hab mich über Sie schon erkundigt, ich weiß schon, das hab ich auch gar nicht vor." Und dann bin ich zu ihm wieder raus gefahren, und da hat er eben dann gesagt: "Ja, die Medienpolitik ist unsere schwache Seite, da verfügen wir nicht über entsprechende Glaubwürdigkeit. Sie haben auch im deutschsprachigen Rundfunk einen Ruf wie Donnerhall." Es haben mich ja meine Freunde von der ARD und vom ZDF haben gesagt: "Sag bist du deppert worden? Du gehst da zum Kohl?" Sag ich: "Nein, so was hab ich noch nie gemacht, das interessiert mich also wahnsinnig." Und es war wirklich so, er hat mich dann vor der, ah, Hauptversammlung der CDU, da waren vielleicht 200 Leut, hat er mich vorgestellt, hat er gesagt: "Man braucht zwar den Herrn Bacher nicht vorstellen", ich hab als Zwischenruf gesagt: "Na, größenwahnsinnig bin ich nicht, bitte stellen Sie mich vor." Und hat er gesagt: "Ich ersuche alle Dienststellen der CDU dem Herrn Bacher zu allem Zutritt, zu jeder Konferenz, zu jeder Besprechung, die ihn interessiert, er wird einer meiner wichtigsten Ratgeber werden." Und das hat er in einem Ausmaß eingehalten, dass, es war jede Türe offen, wenn ich nur am Horizont erschienen bin, weil sie gewusst haben, da steht der Kohl dahinter. Und dabei war ja völlig lustig, wir sind ja Menschen von völlig unterschiedlichem Temperament. Völlig. Und, aber, das. Und dann bin ich noch einmal raus, so ungefähr eineinhalb Jahre hab ich Dienst am Hofe Kohl gemacht. Aber ich hatte neben dem Büro des Parteivorsitzenden auch eine Halle als Büro, zwei Topsekretärinnen, jede Art von Unterstützung.

Schweitzer

Wirklich, zu der Zeit war das wirklich so auch dieses Management so eine …

Bacher

Ja, die CDU war natürlich immer, das können wir uns überhaupt nicht vorstellen, was eine deutsche Großpartei für einen Apparat hat. Das Adenauerhaus war ein Hochhaus, in dem lauter Kanonen gesessen sind. Und die haben natürlich, die waren am Anfang derartig eifersüchtig, weil sie gesagt haben, ja was ist den das, der holt sich da den Kolibri aus Wien, der ist weder ein Regierungsdirektor noch sonst was, gar nix, er erzählt uns auch überall, dass er nach einem Jahr wieder heimkehrt, er will gar nicht dableiben. Und das war natürlich ein, ein begeisterndes Arbeiten.

Schweitzer

Aber, ich mein, es stimmt natürlich, die CDU mit Adenauer hat sich dann schon sehr, sehr viel repräsentiert. Es ist natürlich nicht vergleichbar mit …

Bacher

Nein, nein, die konnten ja überall, allein die Adenauer-Stiftung als das Außenministerium war dreimal so groß wie das österreichische Außenamt zsamm. Hat in jeder Hauptstadt ihre Botschaft und, und, und, also sagenhafte Mittel.

Schweitzer

Ja eh, das muss schon sehr spannend gewesen sein, ja. Ah. [Kurze Pause.] Darf ich noch einmal zu den Anschlägen, ich weiß nie, wie ich dazu sagen soll, sagen wir einmal zur Feuernacht und zu den Anschlägen irgendwie, zurückkommen. Sie haben ja vorher irgendwie gemeint, also Sie waren im Prinzip schon für die Anschläge, Sie wären auch bereit gewesen mitzumachen.

Bacher

Na, net nur im Prinzip, auch konkret.

Schweitzer

OK, Sie wären bereit gewesen mitzumachen.

Bacher

Und ich hab diese Meinung nach wie vor. ich bin der festen Überzeugung, dass sie ohne uns, also ich war da ein ganz kleines Licht, aber ohne den BAS hätten die die Autonomie nie gekriegt.

Schweitzer

Wie ist es Ihnen denn dann gegangen …

Bacher

Bitte, das ist jetzt off the record.

Schweitzer

Soll ich kurz einmal ausschalten?

Bacher

Ja, bitte, wirklich, der Kreisky …

[Das Aufnahmegerät wird abgeschaltet.]

Schweitzer

Es waren ja dann irgendwie eben nach der Feuernacht und mit diesen Anschlägen im Juli, wo dann die ganze Stromversorgung und auch der Zugverkehr lahm gelegt worden sind, da sind ja dann diese massiven Verhaftungen, ist eigentlich die richtige Verhaftungswelle losgegangen. Das muss ja eigentlich ganz eine bedrohliche Situation auch gewesen sein.

Bacher

Ja mit schwersten Folterungen.

Schweitzer

Ja eben genau, aber auch so vom Klima in Südtirol her, also ich stell mir das auch sehr, ja …

Bacher

Ja andererseits im Land zu einer Solidarisierung mit den kämpferischen Südtirolern geführt, wie es vorher ja nicht da war. Weil das haben sie gesagt, na einsperren und so lange foltern bis sie, da sind ja ein paar gestorben an der Folter, das ist, da hat dann das Verständnis auch der gestopftesten Wirtschaftstreibenden.

Schweitzer

Und auch glaub ich die Dolomiten, die ja auch vorher auch total gegen die Feuernacht agitiert hat, war ja dann auch, ist hinter ihnen gestanden. Haben Sie in der Zeit den Kerschbaumer noch einmal getroffen, oder waren sie beim Prozess?

Bacher

Ich hab ihn oft getroffen. Ich hab ihn oft getroffen, er war ein ganz ein armer Hund. Es hat sich Österreich schäbig zu ihm verhalten …

Schweitzer

Inwiefern?

Bacher

Na ja, einen solchen schwer verletzten zu tot verzweifelten Menschen hat man einfach die Sorge ums tägliche Brot abzunehmen. Und sie haben ihm nicht einmal die Staatsbürgerschaft gegeben. Jede Rotznase von irgendwo, sowjetische oder was, kriegt die österreichische Staatsbürgerschaft zum Nulltarif, und, und das, das war schon sehr enttäuschend und, ah. Noch schädlicher, oder noch enttäuschender für mich war dann, dass natürlich, äh, Geheimdienste da mitzumischen begannen, und Neonazi mitzumischen begannen. Ja das kann ich schon sagen, warum die das konnten, denn der BAS war durch die Verhaftungswelle gelähmt, uns hat es nimmer gegeben, es ist auch aus Schonung zu den Verhafteten natürlich jede öffentliche Erklärung und alles ausgeblieben, ah, und, und das hat der Südtirolsache wieder sehr geschadet, diese windschiefen Figuren, die da auf einmal … Wir sind im Augenblick, ich hab sie eh alle aufgeschrieben, wir sind im Augenblick die Namen nicht gewärtig, aber das war einfach, die haben auf einmal Chauvinismus, Nazismus hineingebracht, und das kann ich wirklich beschwören, dass das sowohl aus Vernunft wie aus Emotion das Gegenteil von dem war, was wir wollten, vor allen aus Vernunft, weil wir gesagt haben: "Na das brauch ma. Jetzt haben wir endlich die Internationalisierung [???], und jetzt hauen uns die Neonazi alles zsamm." Also das, vor allem der Fritz Molden, der also alles eher als ein Neonazi war, der zum Tod verurteilt war und der aus der Strafkompanie geflüchtet ist und so, also das muss man sich alles vorstellen.

Schweitzer

Hat es da Diskussionen innerhalb des BAS [Bacher: Bitte?] Hat es da Diskussionen innerhalb des BAS gegeben da mit diesem, also wie so eine Neonaziunterwanderung versucht wurde?

Bacher

Der BAS hat dann nicht mehr funktioniert. Es war ja die ganze Führung verhaftet.

Schweitzer

Na, ich hab jetzt eher an den Nordtiroler BAS gedacht, also, weil der war ja nicht verhaftet, der Südtiroler schon, aber in Nordtirol waren ja dann doch auch einige, die sehr weit in der Nähe vom Nationalsozialismus …

Bacher

Also da hab ich keinen kennt. Also im Nordtiroler war der Obercapo der Pfaundler und dann der Welser, also zwei solche, ah, der Pfaundler war aktives Widerstandsbewegungs-Mitglied, und ah, der Welser war überhaupt, hat überhaupt nichts zu tun, na, das waren diese Rotzer um den, mir fallt jetzt der Name nicht ein. [Kurze Pause] Mir fallt das jetzt nicht ein, na, also.

Schweitzer

Ja ich versuch es auch grad irgendwie für die Südtiroler BAS irgendwie. Aber ich steh momentan auch auf der Leitung.

Bacher

Die haben vielleicht missbräuchlich das Firmenschiff BAS, wir waren ja alle draußen. Der BAS hat sich in der Verhaftungswelle aufgelöst, den gab es nicht mehr. Denn das hätte sich auch der heilige Kerschbaumer verbeten gehabt, dass während sie alle verhaftet sind, dritte ihre Geschäfte besorgen. Und alle die einen Kopf in der BAS gehabt haben und aktiv, bei den aktiven Tätern waren, die waren ja alle verhaftet. [Schweitzer: Ja, die waren alle weg.] Es waren ja mehr Leut verhaftet als Täter vorhanden waren.

Schweitzer

Waren Sie bei der Beerdigung vom Kerschbaumer?

Bacher

Nein.

Schweitzer

Waren Sie nicht. Weil das wird ja in Südtirol schon auch als eben auch so eine Demonstration gegen die Staatsmacht erinnert. Und, ich hab nur mit dem Hans Benedikter, hab ich jetzt kürzlich gesprochen, der eben auch gesagt hat, also diese Beerdigung vom Kerschbaumer, das war schon auch so was [Bacher: Ja das war ganz was Unglaubliches.], da waren 15.000 Leute [Bacher: Na 25, 25] ah dann hab ich mir die Zahl falsch gemerkt, aber bei Zahlen bin ich ganz schlecht.

Bacher

Ja es ist auch möglich, dass ich die falschen hab.

Schweitzer

Na, na, ich glaub Ihnen schon.

Bacher

Na, das war das größte Begräbnis, dass es in der Geschichte Südtirols je gab.

Schweitzer

Jetzt nehm ich ja an, dass Sie dann als Generalintendant nicht mehr so viel Zeit hatten, sich dem Südtirolthema zu widmen, aber wahrscheinlich Interesse hatten Sie doch noch. Wie würden Sie dann diese Entwicklung mit Verabschiedung des Pakets 1969 bis hin heute, also dann 1992 Streitbeilegung, wie würden Sie das beurteilen jetzt im Nachhinein?

Bacher

Na ja, grundsätzlich beurteil ich das als sehr positiv. Die einzige Gefahr, die ich daran sehe ist, dass es den Südtirolern hoffentlich nicht bald zu gut geht und sie ganz auf die Zeit vergessen, wo das alles nicht selbstverständlich war, was heute selbstverständlich ist. Auch, ah, was ihr Führungspersonal anlangt. Die Südtiroler hatten wirklich das fantastische Glück, zwei Landeshauptleute zu haben, die, ich kenn in Österreich kane von der Qualität. Der Magnago war überhaupt in der Leidenszeit der Hausheilige, auch wie er schon daherkommen ist und mit seiner ganzen ungeheuerlichen Würde und seiner Selbstbeherrschung. Und der Durnwalder ist natürlich ein politischer Manager der Sonderklasse. Der Magnago war ein großer, Magnago war ein großer Politiker, aber kein politischer Manager. Der Durnwalder ist ja wie vom lieben Gott eingesetzt, ein Manager, ein politischer Manager. Und ich seh da offen gestanden ein bissel schwarz was, ob sie solche Qualitäten noch hervorbringen. Aber an sich hab ich große Hochachtung vor dem Einsatz der Intelligenz und der Arbeitsfreude an dieser Aufbauarbeit, die dort geleistet wurde. Das ist ja eine, eine Region des Wohlstands, des sozialen Ausgleichs, der g’scheiten Leut der Bozener Uni, also das ist ja, und ich bete, dass das erhalten bleibt, weil da gehört natürlich auch schon der Geist der Gründerzeiten dazu. Und, und dass man das alles als selbstverständlich betrachtet.

Schweitzer

Sie haben ja vorher gesagt, eben Selbstbestimmungsrecht finden Sie auch heute noch aktuell. [Bacher: Ja.] In Zeiten von der EU, wo sich doch die Nationalstaaten ein wenig auflösen, oder ein wenig an Relevanz verlieren.

Bacher

Also ich merk von der Auflösung der Nationalstaaten gar nichts. [Schweitzer: Das ist ein Argument, ja.] Ich bin durchaus dafür, ich bin kein Kämpfer für die Nationalstaaten, mir taugt diese Gemeinschaft unabhängiger Staaten recht gut. Aber wenn es einmal zu den Vereinigten Staaten von Europa kommt, würde ich sie auch wählen. Aber ich wäre kein aktiver Kämpfer dafür. Das ist mir alles dann zu glatt, zu international. Die Internationalität hat ja auch einen riesen Nachteil, dass die Verantwortungen so schwer einzuhalten sind, weil sich jeder denkt, das ist eh alles erlaubt, und da darf nur von Rechten reden, Pflichten gibt es gar keine mehr. Und, da bin ich etwas vorsichtiger und, und misstrauischer, aber Schwierigkeiten hätt ich keine damit. Und es ist ein Unterschied, ob man in einer völlig fremden Kulturgeschichte lebt, oder in der eigenen. Und die italienische Kulturgeschichte ist von der österreichischen meilenweit und häuserhoch entfernt. Das ist gar nichts Böswilliges, sondern, alle Staaten und Völker haben automatische Reaktionen. Nur die Automatik ist nicht ein und dieselbe. [Schweitzer: Ja, das stimmt.] Und daher, mir würde also die Eingemeindung durchaus gefallen, nur es ist eh niemand dafür, ah, Wien tut nichts dafür, auch diese Durchschnittsfiguren, die heute an der Regierung sind, das können Sie alles sagen, die heute an der Regierung sind, haben kein Bedürfnis zu irgend einer großen Handlung, sondern alles muss sicher sein. Und das ist, ah, in Wien ist gar nichts los, die Südtiroler fühlen sich in ihrem Wohlstand außerordentlich wohl, und wissen, dass es ihnen besser geht als jedem österreichischen Bundesland, und die Nordtiroler fürchten sich geradezu davor, weil die Südtiroler viel mehr mitgemacht haben, viel mehr aushalten, meiner Meinung nach das tüchtigere Land sind, auch das viel eigentümlichere.

Schweitzer

Sind natürlich auch landwirtschaftlich, oder von der Landschaft ein wenig bevorzugt, das muss man auch zu Südtirol sagen.

Bacher

Südtirol wär durchaus, ah, auch von der Landschaft zu größerem Eigenwillen ermutigend.

Schweitzer

Aber auf jeden Fall ist es da sicher bevorzugt im Vergleich zu Nordtirol, von der Landschaft her, oder, ja. Aber ich hab das jetzt auch in anderen Interviews angesprochen, dass was ich so interessant immer auch find, wenn man so über Sechziger-, Siebzigerjahre, Fünfziger- bis Siebzigerjahre redet, ist einfach zu sehen, wie viel tatsächlich herausragende Persönlichkeiten es zu dem Zeitpunkt gegeben hat. Eben wenn man an einen Kreisky denkt, an Wallnöfer, an den Magnago, und dann schaut man sich heute um und ein wenig verzweifelt man.

Bacher

Ja wir leben ja deswegen in einer Demokratiekrise des gesamten Westens, weil wir keine Persönlichkeiten mehr haben. Unsere Demokratiekrise ist eine Krise der Persönlichkeiten. Die guten Leute sagen, da werd ich lieber Generaldirektor von einer geschmalzenen Firma als Bundeskanzler von eh-schon-wissen.

Schweitzer

Also von dem her stell ich mir das schon sehr spannend vor, wen Sie da alles kennen gelernt haben, ich mein, Sie gehören ja selber dazu auch, zu diesen Persönlichkeiten, die es damals gegeben hat.

Bacher

An Minderwertigkeitskomplexen hab ich nie sehr gelitten, aber ich, ich hab mir die Fähigkeit andere zu bewundern und zu verehren sehr erhalten, sehr erhalten. Ja.

Schweitzer

Ja das ist schon eine Qualität, ja.

Bacher

Weil sonst ist man ja überhaupt nichts wert, wenn man die Größe anderer nicht erkennt und anerkennt, ist man eine windige Figur.

Schweitzer

Ja dann möcht ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken, ich …

Bacher

Für mich war das ein sehr interessantes Gespräch. Ich hab ein so ausführliches Südtirol und Kreisky Gespräch seit Jahrzehnten nicht geführt.

Schweitzer

Ich, also ich hab es auch sehr, sehr genossen, weil ich find schon, dass ein paar ganz spannende Sachen raus gekommen sind, und ich hab eine einzige letzte Frage noch. Ich hab Ihnen in meinem Mail ja geschrieben, wir würden das gern, diese Interviews auch den Benutzern und Benutzerinnen des Archivs zugänglich machen. Jetzt wollt ich Sie fragen, ob das für Sie in Ordnung wär, dass wir das tun. Man kann auch das Interview noch für einige Zeit sperren lassen.

Bacher

Ja, Sie können das alles den Interessenten zur Verfügung stellen.

Schweitzer

Das ist wunderbar, weil ich denk, da haben wir schon einiges interessantes Material drinnen. Und ich denk mir, also für mich, also ich hab mir halt auch gedacht, ich würd mit Ihnen ganz gern reden, weil der Pfaundler und Molden, die haben schon sehr viel gerade zu diesem Südtirol auch immer geschrieben.

Bacher

Und außerdem sind sie leider Gottes nicht mehr in so einer guten Form. Der Wolfi Pfaundler ist überhaupt weggetreten [Schweitzer: Wirklich, so schlimm?] das war ein so blitzgescheiter, schlauer Teufel, und, und der ist ganz schlecht beinander, und der Fritz Molden ist geistig völlig da, körperlich schon sehr angegriffen, aber, und für ihn ist jede derartige Anstrengung, so gern er sie unternimmt, ah, ist so eine irrsinnige Plag, und, ja.

Schweitzer

Na eben, das hab ich auch gehört, dass es denen gesundheitlich nicht mehr sehr gut geht. Es kommt aber auch dazu, dass ich mir gedacht hab, von Ihnen gibt es sehr viele Sachen eher dann über ORF beziehungsweise Ihre Generalintendantschaft, aber zu Südtirol hat man Sie nicht so oft gehört, wie jetzt einen Pfaundler oder. Von dem her war es jetzt sehr, sehr spannend und ich möcht mich noch einmal ganz, ganz herzlich bedanken. [Bacher: Freut mich, für mich war das wirklich auch ein Genuss.] Und falls Ihnen noch irgendwas einfallt, hätte ich jederzeit ein offenes Ohr dafür, also würd ich mich freuen. Dann schalt ich einmal aus und noch mal vielen herzlichen Dank.

Bacher

Ich danke auch schön, das war eine …

[Ende des Interviews. Dauer 1 h 48 min.]


close zoom image loading image
X
<
>