BRUNO KREISKY PREIS
FÜR VERDIENSTE UM DIE MENSCHENRECHTE
 
PREISVERLEIHUNGEN
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1995 8. VERLEIHUNG, 29. SEPTEMBER 1995
FESTSAAL DER UNIVERSITÄT WIEN
 
 

Sumaya Farhat Naser, Palästina
Sergej Adamowitsch Kowaljow, Russland
Ken Saro-Wiwa, Nigeria
Leyla Zana, Türkei

Anerkennungspreise:
Komitee zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran, Österreich
World University Service, Graz
Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte, Österreich
Flüchtlingshilfe Poysdorf, Österreich
Obdachlosenasyl "Die Gruft", Österreich
Pater August Janisch, Österreich

 
   
   

Im Rahmen der 8. Preisverleihung am 29. September 1995 wurde nochmals zwischen Menschenrechts- und Anerkennungspreisen unterschieden. Mit dem Menschenrechtspreis wurde die kurdisch-türkische Oppositionspolitikerin Leyla Zana, die palästinensische Biologin und Aktivistin Sumaya Farhat Naser und Sergej Adamowitsch Kowaljow, russischer Biologe und Menschenrechtsexperte, geehrt. Kowaljow wurde 1975 wegen "antisowjetischer Aktivitäten und Propaganda" zu sieben Jahren Arbeitslager und anschließender Verbannung verurteilt. Ende der 1980er-Jahre engagierte sich Kowaljow für den Aufbau mehrerer Menschenrechtsinstitutionen und war seit 1989 für Memorial Mitglied im Obersten Sowjet der Russischen Föderation. Seinen Vorsitz des parlamentarischen Komitees für Menschenrechte verlor Kowaljow nach seinen scharfen Protesten gegen die Tschetschenien-Politik Präsident Jelzins.

Bundeskanzler Franz Vranitzky hält die Laudatio im Großen Festsaal der Universität Wien.

Die inhaftierte Leyla Zana konnte den Preis nicht persönlich übernehmen. Ken Saro-Wiwa jr. übernimmt für seinen inhaftierten Vater den Bruno Kreisky Preis für Verdienste um die Men- schenrechte.

Farhat Naser ist eine der vehementesten Verfechterinnen der Rechte und Angelegenheiten der Frauen in Palästina. In diesem Zusammenhang hat sie sich auch stets für einen friedlichen und gerechten Ausgleich zwischen Israel und Palästina ausgesprochen.

Weiters wurde der nigerianische Schriftsteller und Bürgerrechtler Kenule Beeson Saro-Wiwa, international als Ken Saro-Wiwa bekannt, ausgezeichnet. Ken Saro-Wiwa war zum Zeitpunkt der Preisverleihung inhaftiert. Er wurde am 10. November 1995 allen internationalen Aufrufen zum Trotz in Port Harcourt auf Befehl des nigerianischen Machthabers General Sani Abacha hingerichtet. Neben Ken Saro-Wiwa konnte auch die kurdische Parlamentsabgeordnete und Menschenrechtsaktivistin Leyla Zana den Preis nicht persönlich entgegen nehmen. 1994 wurde sie wegen angeblicher Kollaboration mit der kurdischen Rebellenorganisation PKK zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt. Erst am 9. Juni 2004 wurde Leyla Zana aus der Haft entlassen.

Die Anerkennungspreise wurden alle an Personen und Institutionen aus Österreich verliehen. Preise erhielten das Komitee zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran, der World University Service in Graz, das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte, das Obdachlosenasyl "Die Gruft", die Flüchtlingshilfe Poysdorf und Pater August Janisch.

PreisträgerInnen des Jahres 1995. Johannes Rau hielt die Festrede der Preisverleihung 1995.

Wenige Tage nach der Preis- verleihung wurde die Obfrau der Flüchtlingshilfe Poysdorf, Maria Loley, durch ein Briefbombenattentat verletzt.

Die Festansprache wurde vom späteren deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau gehalten.

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