BRUNO KREISKY PREIS
FÜR VERDIENSTE UM DIE MENSCHENRECHTE
 
PREISVERLEIHUNGEN
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1995 8. VERLEIHUNG, 29. SEPTEMBER 1995
FESTSAAL DER UNIVERSITÄT WIEN
 
 

Sumaya Farhat Naser, Palästina
Sergej Adamowitsch Kowaljow, Russland
Ken Saro-Wiwa, Nigeria
Leyla Zana, Türkei

ANERKENNUNGSPREISE:
Komitee zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran, Österreich
World University Service, Graz
Ludwig-Boltzmann-Institut für Menschenrechte
, Österreich
Flüchtlingshilfe Poysdorf, Österreich
Obdachlosenasyl „Die Gruft“, Österreich
Pater August Janisch, Österreich

 
   
   

Seit der Gründung im Jahre 1976 hatte es kleinere personelle Veränderungen in der Zusammensetzung der Jury gegeben. Die zweite, 1995 auf fünf Jahre ehrenamtlich bestellte Jury konnte die Präsenz von international anerkannten Menschenrechts-expertInnen in ihren Reihen stärken. Neben den bereits in der ersten Jury vertretenen Persönlichkeiten Marion Gräfin Dönhoff, Anton Benya, Egon Matzner, Erika Weinzierl, Alfred Ströer, Herwig Büchele, S.J. konnten Karl von Schwarzenberg, Antonia Rados, Peter Kreisky, Wolfgang Aigner, Peter Jankowitsch, Peter Leuprecht und Manfred Nowak für die Mitarbeit in der Jury gewonnen werden.

Im Rahmen der achten Preisverleihung am 29. September 1995 wurde erneut zwischen Menschenrechts- und Anerkennungspreisen unterschieden.

Mit dem Menschenrechtspreis wurde die kurdisch-türkische Oppositionspolitikerin Leyla Zana, die palästinensische Biologin und Aktivistin Sumaya Farhat Naser und Sergej Adamowitsch Kowaljow, russischer Biologe und Menschenrechtsexperte geehrt.

Kowaljow wurde 1975 wegen „antisowjetischer Aktivitäten und Propaganda“ zu sieben Jahren Arbeitslager und anschließender Verbannung verurteilt. Ende der 1980er Jahre engagierte sich Kowaljow in Aufbau mehrerer Menschenrechtsinstitutionen und war seit 1989 für Memorial Mitglied im Obersten Sowjet der Russischen Föderation. Seinen Vorsitz des parlamentarischen Komitees für Menschenrechte verlor Kowaljow nach seinen scharfen Protesten gegen die Tschetschenienpolitik Präsident Jelzins.

Bundeskanzler Franz Vranitzky hält die Laudatio
im großen Festsaal der Universität Wien.

Die inhaftierte Leyla Zana konnte
den Preis nicht persönlich übernehmen.
Ken Saro-Wiwa jr. übernimmt für seinen inhaftierten
Vater den Bruno Kreisky Preis für Menschenrechte.

Frau Farhat Naser ist eine vehementesten Verfechterinnen der Rechte und Angelegenheiten der Frauen in Palästina. In diesem Zusammenhang hat sie sich auch stets für einen friedlichen und gerechten Ausgleich zwischen Israel und Palästina ausgesprochen.

Weiterhin wurde der nigerianische Schriftsteller und Bürgerrechtler Kenule Beeson Saro-Wiwa, international als Ken Saro-Wiwa bekannt, ausgezeichnet. Sowohl Frau Zana als auch Ken Saro-Wiwa waren zum Zeitpunkt der Preisverleihung eingekerkert. Ken Saro Wiwa wurde am 10. November 1995 aller internationalen Aufrufe zum Trotz in Port Hartcourt auf Befehl des nigerianischen Machthabers General Sani Abacha hingerichtet. Neben Ken Saro Wiwa kann auch die kurdische Parlamentsabgeordnete und Menschenrechtsaktivistin Leyla Zana den Preis nicht persönlich entgegen nehmen. 1994 wurde sie zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt wegen angeblicher Kollaboration mit der kurdischen Rebellenorganisation PKK. Erst am 9. Juni 2004 wurde Frau Zana entlassen.

Die Annerkennungspreise wurden allesamt an Personen und Institutionen in Österreich verliehen. Preise erhielten das Komitee zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran, der World University Service in Graz, das Ludwig-Boltzmann Institut für Menschenrechte, das Obdachlosenasyl „Gruft“, die Flüchtlingshilfe Poysdorf und Pater August Janisch.

PreisträgerInnen des Jahres 1995. Johannes Rau hielt die Festrede
der Preisverleihung 1995.

Wenige Tage nach der Preisverleihung wurde Frau Maria Loley im Oktober 1995, Obfrau der Flüchtlingshilfe Poysdorf als Opfer eines Briefbombenattentats verletzt. Die Festansprache wurde von Bundestagspräsident Johannes Rau gehalten.

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