Am 29. Juli
1990 stirbt Bruno Kreisky nach langer schwerer Krankheit
in Wien. Die Familie ruft zu Kranzspenden zugunsten
der Kreisky Stiftung für Menschenrechte auf. Insgesamt
kommen der Stiftung nahezu € 60.000,- (800.000
Schilling) zu. Bei der 6. Preisverleihung am 18. Januar
1991 im Wiener Rathaus werden die bisher größte
Zahl von PreisträgerInnen geehrt.
Im Rahmen des langjährigen Themenschwerpunktes
des Anti- Apartheid Kampfes wurden der Congress
of South African Trade Unions, die österreichische
Anti-Apartheid-Bewegung
und Horst Kleinschmidt,
Generalsekretär des International Defence and Aid
Fund for Southern Africa (IDAF), London mit Preisen
gewürdigt.
PreisträgerInnen aus dem Nahen Osten waren Yael
Dayan, Faisal Husseini,
International Center for
Peace in the Middle East und Felicia
Langer.
 |
 |
| Felicia Langer und Alfred Ströer. |
Marion Gräfin Dönhoff hält die
Laudatio 1991. |
Für Ihren Einsatz für Menschenrechte in der
Türkei und für die Rechte der Kurden wurden
Insan Haklari Dernegi,
die türkische Menschenrechtsvereinigung
und Dschalal Talabani ausgezeichnet.
Die Preisverleihung stand unter dem Eindruck des Zweiten
Golfkrieges (2. August 1990 bis 27. Februar 1991). Sowohl
Faisal Husseini als
auch Dschalal Talabani
mussten ihre Teilnahme an der Preisverleihung
absagen. Dschalal Talabani wurde am 6. April 2005 zum
Staatspräsidenten des Irak gewählt.
Der langjährige Schwerpunkt Mittel- und Südamerika
wurde durch die Aufmerksamkeit für die Rechte der
Indigenen erweitert. Preisträger aus diesem Berech
waren der Führer des indigenen Volkes der Kayapo,
Paulinho Paiakan
und der Bischof von Altamira, Erwin
Kräutler.
 |
„Der Freiheitsbegriff
hat nicht nur einen
politischen, sondern auch einen materiellen
Inhalt. Demgemäß wäre also die freie
Gesellschaft so zu organisieren, dass sie die
Freiheit von Zwang und die Freiheit von
Not gewährleistet.“
Bruno Kreisky, Rede auf
dem Forum Alpbach, 3. September 1976 |
Paulinho Paiakan,
Häuptling der Kayapoo als Preisträger
1991. |
|
Zudem erhielten das ständige Komitee
für nationalen Dialog in El Salvador und
der angesehene kolumbianische Menschenrechtsexperte,
Diplomat und Politiker Alfredo
Vázquez Carrizosa Auszeichnungen.
Die friedliche Revolution in Osteuropa wandelte das
Bild der Menschenrechte in Europa grundlegend. Für
ihren jahrelangen Kampf gegen die Menschenrechtsverletzungen
des Regimes der DDR und für ihren Einsatz für
die juristische Verfolgung von Tätern des Stasi-Regimes
wurde Bärbel Bohley
ausgezeichnet. Das Poznán
Human Rights Centre war ebenfalls aus der polnischen
Bürgerrechtsbewegung hervorgegangen und entwickelte
sich schnell zu einem bedeutenden Zentrum der Menschenrechtsforschung
in Osteuropa.
 |
 |
 |
Bärbel Bohley wird von Alfred Ströer
ausgezeichnet. |
Rupert Neudeck erhält den Preis von Alfred
Ströer. |
v.l.n.r .: Alfred Ströer, Oliver Rathkolb,
Liesl Frankl und Stefan Lütgenau. |
Weiterhin von wachsender Bedeutung war die menschenrechtliche
Situation von MigrantInnen in Europa und der Welt. In
diesem Bereich hatten sich das Komitee
Cap Anamur, der Flughafen
Sozialdienst Schwechat, das Hilfskomitee
für Flüchtlinge in Österreich,
der Verein Frauensolidarität
und die Journalistin Liesl
Frankl besondere Verdienste erworben.
Weitere PreisträgerInnen waren die Gesellschaft
für bedrohte Völker, Wien, CARE
Österreich, das österreichische
Rote Kreuz und der Wissenschaftsladen
Linz.
|