BRUNO KREISKY PREIS
FÜR VERDIENSTE UM DIE MENSCHENRECHTE
 
PREISVERLEIHUNGEN
  1979 1981 1984 1986 1988 1991 1993 1995 1997 2000 2002 2005 2007  
     
 
1984 3. VERLEIHUNG, 23. NOVEMBER 1984,
PALAIS SCHWARZENBERG
 
 
Hilfskomitee für Nicaragua, Österreich
Österreichische Volkshilfe, Österreich
Österreichische Liga für Menschenrechte
Union of Concerned Scientists
Freunde der Universität Tel-Aviv
, Österreich
Vicaría de la Solidaridad, Chile
Oswald Amstler, Österreich
Erzbischof Raymond G. Hunthausen, USA
Muzaffer Saraç, Türkei
Shulamit Aloni, Israel
Luiz Inácio Lula da Silva, Brasilien
Pater Leopold Ungar, Österreich
Yolanda Urízar Martínez de Aguilar, Guatemala
Marianella García Villas, El Salvador
 
   
   

Bei der dritten Preisverleihung am 23. November 1984 im Wiener Palais Schwarzenberg werden nicht weniger als 14 Institutionen und Persönlichkeiten ausgezeichnet. Mehrere Auszeichnungen wurden an Personen und Institutionen aus Latein- und Mittelamerika vergeben.

Der brasilianische Arbeiter- und Gewerkschaftsführer Luiz Inácio Lula da Silva, der spätere Staatspräsident Brasiliens, wurde für seine mutige Arbeit unter der brasilianischen Militärdiktatur geehrt.

Vicaría de la Solidaridad, hat sich durch die Arbeit zur Unterstützung der politischen Gefangenen und ihrer Familien in Chile verdient gemacht. Nicht nur juristische Beratung sondern auch materielle Hilfe an die oft mittellosen Familien gehören zu den Diensten der Gruppe von katholischen Laien und Geistlichen. Dabei sind die Mitglieder der Gruppe selbst zum Ziel der Verfolgung durch die Diktatur geworden.

Johanna Dohnal und Luiz Inácio Lula da Silva,
der spätere Präsident Brasiliens, als PreisträgerInnen 1984.
 

Aus Guatemala wird Yolanda Urízar Martínez de Aguilar, eine Menschenrechtsanwältin, die von den guatemaltekischen Behörden 1983 verschleppt wurde, nachdem bereits 1975 ihr Ehemann und ihr 7 Jahre alter Sohn ermordet, und 1979 ihre 16 jährige Tochter verhaftet und gefoltert worden waren.

Das österreichische Hilfskomitee für Nicaragua wurde für seine ambitionierte Aufbauarbeit in Nicaragua gewürdigt.

Die 1983 ermordete salvadorianische Menschenrechtsanwältin Marianella García Villas wurde posthum ausgezeichnet.

Nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan und dem Beginn der Amtsperioden von Ronald Reagan in den USA und Margret Thatcher in Großbritannien verschärfte sich der Kalte Krieg gefährlich und mündete in ein neuerliches Wettrüsten.

Daher setzte die Kreisky Stiftung ein Zeichen der Unterstützung des friedlichen Dialoges zwischen Ost und West mit der Preisverleihung an die Union of Concerned Scientists (UCS), eine Gruppe international führender Wissenschaftler, die sich für eine umfassende ökologische, soziale, gemeinsame und friedliche Sicherheitspolitik einsetzt. Die Auszeichnung erhielt UCS für die konsequente Forderung nach nuklearer Abrüstung.

  Eric van Loon nimmt für die Union of
Concerned Scientists den Preis entgegen.

In diesem thematischen Zusammenhang erhielt auch der katholische Erzbischof von Seattle, Raymond G. Hunthausen den Kreisky Preis für seinen Aufruf zur nuklearen Abrüstung.

Muzaffer Saraç, türkischer Gewerkschafter und Oppositionspolitiker war in den 1970er und 1980er Jahren schwersten Repressalien und Verfolgungen der türkischen Behörden ausgesetzt. Die Auszeichnung durch die Kreisky Stiftung sollte seine Arbeit für Menschenrechte und Demokratie unterstützen und Saraç vor weiteren Repressalien schützen.

Die österreichische Liga für Menschenrechte wurde 1926 als eine der 105 Mitgliedsorganisationen der Fédération International des Ligues des Droits de l'Homme (FIDH) mit Sitz in Paris gegründet. Den Preis erhielt die Liga für ihren überragenden Beitrag zur Verbreitung des Menschenrechtsbewusstseins in Österreich.

Prälat Msgr. Leopold Ungar, langjähriger Leiter der Caritas hat sich nicht nur große humanitäre Verdienste in Österreich und dem Ausland erworben, sondern ist auch konsequent für den Schutz und die Entwicklung der Menschenrechte eingetreten.

Der türkische Gewerkschaftsführer Muzaffer Saraç aus der Hand von Anton Benja. v.l.n.r.: Leopold Ungar, Sepp Wille,
Leopold Gratz, Anton Benya
Shulamit Aloni bei ihrer Dankesrede 1984.

Mit dem österreichischen Hilfskomitee für Nicaragua, der Gesellschaft der Freunde der Universität Tel Aviv in Österreich, der österreichischen Volkshilfe und Oswald Amstler werden weitere Institutionen und Personen in Österreich ausgezeichnet. Mit Shulamit Aloni wurde eine Aktivistin des israelisch-palästinensischen Dialoges außerhalb des israelischen Mainstream und spätere israelische Ministerin gewürdigt.

____top