KUNSTAUKTION ZU GUNSTEN DER
BRUNO KREISKY STIFTUNG
FÜR VERDIENSTE UM DIE MENSCHENRECHTE 2014
 
Vorwort Oliver Rathkolb Die KünstlerInnen
      Marc Adrian †
Eduard Angeli
Minna Antova
Franz Blaas
Eva Bodnár
Max Boehme
Erwin Bohatsch
Brigitte Bruckner-Mikl
Malgorzata Bujnicka
Waltraut Cooper
Georgia Creimer
Gunter Damisch
Christian Eisenberger
Martin Eiter
Lorenz Estermann
Bernd Fasching
Gerda Fassel
Jenny Feldmann
Thomas Feuerstein
Hubert Fischlhammer
Karin Frank
Ernst Fuchs
Max Gangl
Jakob Gasteiger
Ilse Gewolf
Joanna Gleich
Wolfgang Herzig
Lore Heuermann
Oskar Höfinger
Alfred Hrdlicka †
Josef Kern
Michael Kienzer
Dieter Kleinpeter
Peter Kogler
Cornelius Kolig
Kajana Krebs (OM)
Hans Kupelwieser
Milan Markovich
Oswald Oberhuber
Valentin Oman
Christine de Pauli
Gustav Peichl (IRONIMUS)
Markus Prachensky †
Wolf D. Prix
Arnulf Rainer
Peter Rataitz
Werner Reiterer
Kurt Ryslavy
Birgit Sauer
Hubert Scheibl
Roman Scheidl
Alfons Schilling †
Walter Schmögner
Deborah Sengl
Veronika Smejkal
Erich Smodics
Rudolf Stanzl
Rini Tandon
Elmar Trenkwalder
Monika Verhoeven
Eva Wagner
Ingrid Wald
Peter Weibel
Sebastian Weissenbacher
Wolf Werdigier
Ernst Zdrahal
Herwig Zens
 

Zum 6. Mal führt die Bruno Kreisky Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte eine Auktion von Kunstwerken durch, die von österreichischen Künstlerinnen und Künstlern zur Verfügung gestellt wurden. Ich möchte mich namens der Stiftung sehr herzlich für diese großzügige Unterstützung bedanken. Heuer können wir wieder in einem Katalog die Kunstauktion mit hochwertiger österreichischer Gegenwartskunst dokumentieren. Die bewährte Zusammenarbeit mit dem Auktionator Otto Hans Ressler ist ein zentraler Bestandteil für den Erfolg der Versteigerung, ebenso wie die großzügige Unterstützung der BAWAG-PSK und von Rudolf Leeb vom WAGNER:WERK in dem von Otto Wagner entworfenen Großen Kassensaal der Österreichischen Postsparkasse. Beiden möchte ich im Namen der Kreisky-Menschenrechtsstiftung sehr herzlich danken. Außerdem möchte ich Herrn Michael Bigus und sein Team hervorheben, die für die perfekte Vorbereitung der Kunstauktion verantwortlich sind.

Seit 1979 sind 15 Mal Menschenrechtspreise verliehen worden – an über 130 Einzelpersönlichkeiten und Institutionen, unter ihnen 1981 Nelson Mandela, 1984 Luis Ignazio da Silva, beides spätere Präsidenten ihrer Heimatstaaten Südafrika bzw. Brasilien, und 2007 der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan. Von den zahlreichen, verdienstvollen österreichischen Preisträgern und -trägerinnen möchte ich beispielweise Pater Georg Sporschill, Ute Bock und Kardinal König erwähnen. 2013 haben der der syrische Journalist Mazen Darwish und die äthiopische Menschenrechtsaktivistin Dr.in Bogaletch Gebre den Bruno Kreisky Menschenrechtspreis erhalten. Ebenfalls letztes Jahr ausgezeichnet wurde Cecily Corti, 2004 Mitgründerin der VinziRast in Wien-Meidling. Bei dieser Einrichtung handelt es sich um Notschlafstellen, in der auch Menschen Übernachtungsmöglichkeiten vorfinden, die in anderen Institutionen die Aufnahmekriterien nicht erfüllen. Bruno Kreisky, 1970–1983 Bundeskanzler der Republik Österreich und zuvor langjähriger Staatssekretär und Außenminister sowie 1967–1983 Parteiobmann der SPÖ, hat selbst keinen besonderen Wert auf „Denkmäler“ oder „Kränze“ gelegt, sondern war primär daran interessiert, nachhaltig Veränderungen durchzusetzen. So hat er 1976 anlässlich seines 65. Geburtstags gebeten, ihm keine Geschenke zu machen, sondern die Idee von Parteifreunden aufgegriffen, unsere Stiftung zu gründen. Bruno Kreisky war als junger engagierter Sozialdemokrat mehrfach selbst Opfer politischer und rassistischer Verfolgung geworden: Während des autoritären Schuschnigg-Regimes war er über 15 Monate in Haft und wurde als Hochverräter verurteilt. Die nationalsozialistische Gestapo inhaftierte ihn fünf Monate unmittelbar nach der Machtübernahme 1938, folterte ihn und zwang ihn ins Exil nach Schweden. Es sollte bis zum 18. Jänner 2012 dauern, ehe formell mit den Stimmen aller fünf Parlamentsparteien die ausdrückliche Rehabilitierung von Opfern des Austrofaschismus – unter ihnen auch posthum Bruno Kreisky – beschlossen worden ist. Mit dem „Aufhebungs- und Rehabilitierungsgesetz“ werden nun alle Personen rehabilitiert, die zwischen 6. März 1933 und 12. März 1938 („Anschluss“ an Deutschland) verurteilt, angehalten bzw. ausgebürgert wurden, weil sie sich für ein unabhängiges und demokratisches Österreich eingesetzt hatten. Bruno Kreisky hatte noch 1986 im ersten Band seiner Memoiren geschrieben, dass er „1970 der erste wegen ,Hochverrats‘ verurteilte Bundeskanzler“ wurde.

Zeit seines Lebens hat sich Kreisky – selbst am Höhepunkt der Entspannungspolitik im Kalten Krieg – für Menschenrechte und für einzelne politisch verfolgte Oppositionelle eingesetzt. Stellvertretend will ich hier nur den späteren Präsidenten Tschechiens Václav Havel oder den Atomphysiker Andrej Sacharow in der damaligen Sowjetunion erwähnen. Typisch für Kreiskys Ziele in dieser Zeit war diese politische Maxime aus 1967: „Den Gedanken zu vertreten, daß die Idee der Demokratie die große Alternative ist, dies aber nur dann sein kann, wenn sie in sich nicht nur als Freiheit von äußerem Zwang begriffen wird, sondern auch als Freiheit von Not; denn nur diese beiden Freiheiten zusammen führen zu einem menschenwürdigen Leben, einem Leben in Freiheit von Furcht.“ Auch nach dem Ende des Kalten Krieges bleibt diese Maxime höchst aktuell im globalen Streben nach Durchsetzung der Menschenrechte.

Der chinesische Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng (Kreisky Preis 2007) wurde nach erneuten drei Jahren Haft in einem entlegenen Gefängnis in Xinjiang, erst kürzlich im August 2014 freigelassen. Dieses Beispiel zeigt in dramatischer Weise, wie schwierig es nach wie vor in vielen Staaten ist, für Menschenrechte einzutreten. Daher wird die Bruno Kreisky Stiftung für Verdienste um die Menschrechte weiterhin jene Persönlichkeiten und Institutionen auszeichnen, die im Sinne des Namensgebers des Preises wirken: Menschenrechte sind nicht teilbar, weder international noch in Österreich.

Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb Ehrenamtlicher Geschäftsführer der Bruno Kreisky Stiftung