KUNSTAUKTION ZU GUNSTEN DER
BRUNO KREISKY STIFTUNG
FÜR VERDIENSTE UM DIE MENSCHENRECHTE 2012
 
Vorwort Otto Hans Ressler Die KünstlerInnen
      Marc Adrian †
Angela Aschauer
Peter Atanasov
Annemarie Avramidis
Eva Bodnár
Erwin Bohatsch
Brigitte Bruckner-Mikl
Malgorzata Bujnicka
Karin Christof
Waltraut Cooper
Georgia Creimer
Gunter Damisch
Simona Donosa
Christian Eisenberger
Martin Eiter
Lorenz Estermann
VALIE EXPORT
Gerda Fassel
Jenny Feldmann
Hubert Fischlhammer
Karin Frank
Ernst Fuchs
Ilse Gewolf
Bruno Gironcoli †
Joanna Gleich
Anselm Glück
Wolfgang Herzig
Lore Heuermann
Oskar Höfinger
Giselbert Hoke
Hans Hollein
Rudolf Hradil †
Alfred Hrdlicka †
Hermann Juritsch
Johanna Kandl
Angelika Kaufmann
Dieter Kleinpeter
Cornelius Kolig
Brigitte Kowanz
Richard Kriesche
Hans Kupelwieser
Marie-Louise Lepschick
Sonja Lixl
Oswald Oberhuber
Valentin Oman
Christine de Pauli
Gustav Peichl (IRONIMUS)
Markus Prachensky †
Arnulf Rainer
Rikki Reinwein
Kurt Ryslavy
Peter Sandbichler
Birgit Sauer
Hubert Scheibl
Roman Scheidl
Günter Schimunek
Walter Schmögner
Lilo Schrammel
Bettina Semmer
Veronika Smejkal
Hubert Stocker-Reicher
Hartmut Urban †
Linde Waber
Ingrid Wald
Sebastian Weissenbacher
Rainer Wölzl
Ernst Zdrahal
 

Otto Hans Ressler

geboren 1948 in Knittelfeld, Geschäfts-führer der im Kinsky Kunst Auktionen GmbH von 1993 bis 2011, davor Leiter der Kunstabteilung
des Dorotheums.

 

Kunst und Kultur

Robert Musil hat im „Mann ohne Eigenschaften“ geschrieben, dass es nicht nur einen Wirklichkeitssinn gebe, sondern auch einen Möglichkeitssinn. Er beschreibt ihn als Fähigkeit, sich vorzustellen, dass auch etwas ganz anderes als das, was geschehen ist, geschehen sein könnte. Und er zieht daraus den Schluss, dass man, was ist, nicht wichtiger nehmen soll als das, was nicht ist.

Genau das ist eine der Aufgaben der Kunst: Zu zeigen, wie die Welt sein könnte. Die Kunst stellt sich dieser Aufgabe auch, indem sie die Welt zeigt, wie sie ist – nackt, ungeschminkt, unverfälscht von Kultur, Politik, Religion, Wissenschaft, Tradition und gesellschaftlichen Konventionen. Und deshalb gerät (zeitgenössische) Kunst so oft in Konflikt mit eben dieser Kultur der herrschenden Verhältnisse. Deshalb steht sie so oft in Widerspruch zur vermeintlichen Realität.

Denn Kunst – jedenfalls zeitgenössische Kunst – ist das Gegenteil von Kultur. Kunst lehnt sich gegen Kultur auf; manchmal leise und subtil, manchmal provokant und lautstark. Kunst sucht das Bild hinter den Bildern, die uns weisgemacht werden. Kunst versucht, den Blick auf das wahre Antlitz der Welt hinter ihrer Schminkschicht, ihren Lügen, ihren kulturellen Vorurteilen zu lenken. Kunst macht sichtbar – sie ist bares, unverfälschtes Schauen: Das Schauen gegen die Verzerrungen und Verrenkungen kultureller Vorbildung.

Eine Auktion vermag einen sehr guten Überblick über die unterschiedlichen Zugänge von Künstlern zu geben, diese Auflehnung gegen die bestehenden Verhältnisse zu formulieren. Die Auktion zugunsten des BRUNO KREISKY PREISES FÜR VERDIENSTE UM DIE MENSCHENRECHTE ist dafür ein besonders gutes Beispiel. Sie verbindet die strenge geometrische Abstraktion eines Marc Adrian mit der sinnlichen Farbigkeit eines Gunter Damisch. Sie präsentiert Objekte von überschäumender Phantasie wie jene von Christian Eisenberger, daneben aber die nur vordergründig fröhliche Malerei von Anselm Glück. Sie vereint auch unterschiedlichste Techniken: Die figurale Ölmalerei von Roman Scheidl und
eine frühe (1987) Zeichnung von Cornelius Kolig; eine klassische Kaltnadelradierung von Arnulf Rainer, einem der wichtigsten Künstler des Landes, und ein digital bearbeitetes Foto von VALIE EXPORT, einer Künstlerin mit Weltgeltung.

Besonders stolz sind wir auf „Senatus Consultum“, eine dynamische Arbeit in Acryl auf Bütten des 2011 leider verstorbenen Markus Prachensky. Aber auch die Arbeit Hubert Scheibls, der mit „Plants and Murders“ derzeit eine viel beachtete Ausstellung im Museum der Bildenden Künste in Leipzig hat, ist hervorzuheben. Oskar Höfinger ist in der Auktion mit einer kleinen Bronze „Amor“ vertreten, Walter Schmögner mit einer subtilen Zeichnung aus dem Jahr 1999. Oswald Oberhuber stellt seine Wandlungsfähigkeit einmal mehr mit einer von Blau dominierten Mischtechnik unter Beweis.

Allen Künstlern, die sich mit Werken an der Auktion beteiligen, ist für Ihre Großzügigkeit und ihre Auswahl zu danken. Jetzt liegt es an Ihnen, den Sammlern, den Kunstliebhabern, allen, die mit ihrem Mitmachen bei der Auktion ein Zeichen für die Kunst und für die Menschenrechte setzen möchten.

Ich freue mich schon auf Ihre Gebote.

Ihr Otto Hans Ressler