Der gute Sammler, hat Josef Mikl einmal gesagt, lese nicht zufällig die besseren Bücher und höre nicht zufällig die bessere Musik. Wer sich mit Kunst auseinandersetze, komme nicht umhin, auch in der Literatur, in der Musik, in der Politik, ja selbst im Alltag höhere Ansprüche zu stellen. Und das geschehe nicht aus intellektueller Eitelkeit, sondern weil es als Vergnügen empfunden werde, den Dingen den richtigen Stellenwert zu geben.
Kennerschaft bestehe deshalb nicht allein im Erkennen von Künstlern und Stilen und Epochen und ihrer Qualität; Kennerschaft bedeute, in der Lage zu sein, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen.
Menschen, die sich intensiv mit Kunst auseinandersetzen, besitzen ein ausgeprägtes Sensorium für Werte; sie kennen das sinnliche wie intellektuelle Vergnügen, den Dingen auf den Grund zu gehen. Sie entwickeln eine immer stärker werdende Begeisterung für das, was sie tun – es kann sogar zur Obsession werden. Kunstliebhaber sind Genussmenschen; sie genießen die intellektuellen Herausforderungen von Kunst und sie genießen das Erlebnis der Schönheit von Kunst.
Jeder von uns kennt den ersten Satz der "Metaphysik" von Aristoteles, wonach alle Menschen von Natur aus nach Wissen streben. Aber wahrscheinlich ist der zweite Satz (der viel weniger bekannt ist) noch wichtiger, denn er sagt uns etwas über die Mittel aus, die uns zur Verfügung stehen, um unser Bedürfnis nach Wissen zu erfüllen:
Dies beweist die Freude an den Sinneswahrnehmungen, denn diese erfreuen an sich, auch abgesehen von ihrem Nutzen, und vor allen anderen die Wahrnehmungen mittels der Augen.
Für Leonardo da Vinci war schon vor fünfhundert Jahren klar: Der Mensch, das Augenwesen, braucht das Bild. Mithilfe der Wahrnehmung – also der Sinne – sind Einsichten möglich, und zwar noch bevor wir bewusst Wertungen vornehmen. Ich bin überzeugt, dass auch zeitgenössische Kunst – neben der Erkenntnisvermittlung durch Theorien – ein hohes Potential für eine Vertiefung durch sinnliche Wahrnehmung besitzt.
Genau diese Wahrnehmungen wünsche ich Ihnen für die Auktion. Dass Sie damit auch noch den Bruno Kreisky Preis für Verdienste um die Menschenrechte fördern, ist ein glücklicher Nebeneffekt, der nicht zu gering erachtet werden sollte.
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