BRUNO KREISKY PREIS
FÜR VERDIENSTE UM DIE MENSCHENRECHTE
 
     
Die Bruno Kreisky Stiftung trauert um Kofi Anan und Uri Avnery, die knapp hinter einander am 18. bzw. am 20. August verstorben sind
     
 

Kofi Annan

Geboren in Kumasi, Ghana, am 8.April 1938, studierte Annan an der Universität für Wissenschaft und Technologie in Kumasi und absolvierte sein Grundstudium der Wirtschaftswissenschaften am Macalester College in den Vereinigten Staaten im Jahre 1961. Von 1961 bis 1962 absolvierte er Studiengänge in Wirtschaftswissenschaften am Institut universitaire des hautes études internationales in Genf. Als Fellow am Massachusetts Institute of Technology (1971 – 1972) erhielt Annan einen Master of Science in Management.
Kofi Annan kam im Jahre 1962 zur UN, wo er anfangs für die Weltgesundheitsorganisation in Genf arbeitete. Im UN-Hauptquartier in New York arbeitete er in den unterschiedlichsten Bereichen in leitenden Positionen, unter anderem in der Personalwirtschaft (1987-1990), Haushalt und Finanzen (1990-1992) und Friedenssicherung (1992-1996). Bevor er UN-Generalsekretär wurde, erhielt er eine Reihe von besonderen Aufgaben, unter anderem die Führung erster Verhandlungen mit Bagdad über den Verkauf von Erdöl um humanitäre Hilfsmaßnahmen zu finanzieren.
Als Generalsekretär hat Kofi Annan sein Geschick in mehreren heiklen politischen Situationen unter Beweis stellen müssen; der Versuch, im Jahr 1998 den Irak zur Einhaltung der Resolutionen des Sicherheitsrates zu bewegen, sowie im Jahre 1999 die festgefahrene Situation zwischen Libyen und dem Sicherheitsrat aufzulockern sind nur zwei Beispiele dafür. Seit den erneuten Gewalteskalationen im Nahen Osten im September 2000 hat sich Kofi Annan bemüht, Israelis und Palästinenser zu ermutigen, ihre Differenzen durch Verhandlungen basierend auf dem Prinzip "Land für Frieden" beizulegen.

Die Bekämfung der AIDS-Epidemie hat Kofi Annan als seine "persönliche Priorität" gesehen; so wurde auf Vorschlag des Generalsekretärs im April 2001 ein globaler Aids- und Gesundheitsfonds eingerichtet, der seitdem mehr als 1,5 Milliarden $ durch Spenden und Beiträge eingebracht hat.

Kofi Annan hat während seiner Dekade als UN-Generalsekretär wie kein anderer zur Weiterentwicklung des internationalen Menschenrechtsschutzes im UN-System beigetragen. Besonders hervorzuheben ist auch seine Initiative zum UN Global Compact, einem Vertrag zwischen der UN, der Internationalen Handelskammer und weltweit führenden multinationalen Unternehmen zur Globalisierung sozialer und ökologischer Standards, sowie zu den UN Millennium Development Goals, acht Zielen zur globalen Armutsbekämpfung. Kofi Annan hat Ehrendoktorwürden von Universitäten in Afrika, Asien, Europa und Nordamerika, sowie eine Reihe weiterer Preise und Auszeichnungen, wie auch den Friedensnobelpreis für seine Verdienste um die Ziele und Zwecke der Vereinten Nationen erhalten.

Inhalt/ Weitere Informationen:
http://nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/2001/annan-bio.html

Uri Avnery

Uri Avnery wurde am 1. September 1923 geboren und stammt aus einer jüdischen Familie in Beckum, Deutschland. 1933 verließ seine Familie Deutschland und zog nach Israel.

Avnery gründete „Gush Shalom“ im Jahr 1993, weil er fühlte, dass die anderen Friedensgruppen nicht stark genug waren, um wirksam gegen die neue Regierung von Yitzhak Rabin aufzutreten. Gush Shalom bedeutet Friedensblock. Diese Organisation bemüht sich um den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern. Sie gehört keiner politischen Partei an und ihr Schwerpunkt ist die Veränderung der öffentlichen Meinung in Israel. Gush Shalom empfiehlt die „Grüne Linie“, die es vor 1967 schon gegeben hatte, mit Jerusalem als Hauptstadt beider Länder. Gush Shalom hat nur einige hunderte aktive Mitglieder, wird aber von tausenden Menschen unterstützt. Diese organisieren nicht nur viele Proteste gegen Menschenrechtsverletzungen in Israel, sondern auch Ausbildungsprogramme für Friedensaktivitäten. Uri Avnery wurde als Autor mit seinem Buch „In den Feldern der Philister“ bekannt. Es handelt sich um ein Tagebuch aus dem Krieg von 1948. Er erwarb in den darauf folgenden Jahren die Zeitschrift haOlam haZeh und blieb vierzig Jahre lang deren Chefredakteur. Darin weist er der Regierung Korruptionsfälle nach. Die Regierung drohte ihm mit der Auflösung der Zeitung . Die Konsequenz bestand darin, dass die UnterstützerInnen der Zeitschrift eine politische Partei gegründet haben, die sogar ein Mandat in der Knesset im Jahre 1965 gewonnen hat. Avnery war selbst zehn Jahre Mitglied der Knesset. Zur Zeit schreibt er einmal wöchentlich eine Online-Kolumne, die Gush Shalom publiziert. Hier diskutiert er wesentliche politische Themen.
http://www.uri-avnery.de
http://www.gush-shalom.org

 
     
Ari Rath Preis für kritischen Journalismus
     
 

Wien (OTS) - Der „Ari Rath Preis für kritischen Journalismus“ wurde auf der Basis einer Privatinitiative eingerichtet, um im Sinne des im Jänner 2017 verstorbenen renommierten ehemaligen Chefredakteurs der Jerusalem Post Journalistinnen und Journalisten, auszuzeichnen, die sich in ihrer Arbeit um eine kritische und der Wahrung der Menschenrechte verpflichtete Berichterstattung über Flucht, Vertreibung und Asyl in hervorragender Weise verdient gemacht haben. Der engagierte und erfolgreiche Publizist Ari Rath war am 2. November 1938 als Kind im Alter von 13 Jahren nach der nationalsozialistischen Machtübernahme mit Gewalt vertrieben worden und hat in Palästina und später im Staat Israel eine neue Heimat gefunden. Er gehörte zur Generation der bekannten Politiker Jizchak Rabin, Teddy Kollek und Schimon Peres und war Berater von Ben Gurion, Israels erstem Premierminister ab 1948. In den letzten Jahren lebte Ari Rath Großteils in Wien und wirkte als kritischer Mahner für eine demokratische und friedliche Zusammenarbeit der Menschen in Israel und in Österreich. Als Zeitzeuge des nationalsozialistischen Terrors plädierte er immer wieder für die absolute Ablehnung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, die er in vielen Vorträgen und den Gesprächen mit Schülern über den Antisemitismus hinaus als Botschaft vermittelt hat.

Eine Experten-Jury unter dem Vorsitz von Gertraud Auer Borea d'Olmo, der Generalsekretärin des Bruno Kreisky Forums für internationalen Dialog und einer engen Vertrauten von Ari Rath, hat einstimmig Dr.in Alexandra Föderl-Schmid den ersten „Ari Rath Preis für kritischen Journalismus“ verliehen. Fast drei Jahrzehnte hat sie die Tageszeitung „Der Standard“ mitgestaltet, seit 2007 als erste Frau in Österreich Chefredakteurin und seit 2012 als Mitherausgeberin. Seit 1. November 2017 arbeitet sie als Korrespondentin in Israel für die Süddeutsche Zeitung.

Seit Beginn ihrer professionellen journalistischen Arbeit 1990 – zuerst in Linz, dann in Berlin bzw. in Brüssel – hat sich Föderl-Schmid immer mit allem Nachdruck für die Verteidigung der Menschenrechte in der seit 1990 heftig politischen umkämpften Migrations- und Asyldebatte eingesetzt, und genau jenes humanistische Ideal Tag für Tag versucht umzusetzen, das Ari Rath Zeit seines Lebens hochgehalten hat. Es war kein Zufall, dass sie ihn in den letzten Jahren oft getroffen hat, um seinen Rat in der turbulenten Gegenwart einzuholen. In diesem Sinne gibt es eine enge persönliche Verbindung zu dem Namensgeber der Auszeichnung. Dass sie heute aus Israel berichtet, stellt die Preisträgerin vor neue Herausforderungen, die ebenfalls mit der Lebensgeschichte Ari Raths zu tun haben, der sich engagiert für eine friedliche und permanente Lösung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern eingesetzt.

Der Preis, von einem Freund Aris gespendet, wird am 3. Mai 2018 – am Tag der Pressefreiheit – im Radio Kulturhaus in Kooperation mit ORF III verliehen werden. Bundeskanzler a.D. Dr. Franz Vranitzky wird die Laudatio auf die Preisträgerin halten.

Rückfragen & Kontakt:

Bruno Kreisky Forum for International Dialogue
Gertraud Auer Borea d'Olmo
Mobil: 0664 831 0060
kreiskyforum@kreisky.org
www.kreisky-forum.org
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20171102_OTS0006/ari-rath-preis-fuer-kritischen-journalismus

 
     
Bruno Kreisky Preis für Verdienste um die Menschenrechte 2017
     
 

Die Bruno Kreisky Stiftung für Verdienste um die Mesnchenrechte bedankt sich für die zahlreichen Besuche zu den Preisverleihungen am 9. Juni sowie am 19. Juni 2017.

Besonderer Dank gilt auch den diesjährigen Laudatorinnen, deren Reden hier aufgerufen werden können:

Laudatio für Asli Erdogan von Barbara Frischmuth
Laudatio für Wolfgang Kaleck von Kathrin Röggla
Rede von Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck
Queer Base – eine menschenrechtliche Notwendigkeit: Laudatio von Marianne Schulze

Die internationale Jury des Bruno Kreisky Preises für Verdienste um die Menschenrechte hat dieses Jahr den Preis einstimmig an die türkische Autorin Aslı Erdoğan für ihre herausragenden Verdienste um die Sicherung der Menschenrechte verliehen.

Die Bruno Kreisky Stiftung feiert überdies ihr 40-jähriges Bestehen und wird am 9. Juni 2017 im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek den nach dem Bundeskanzler Bruno Kreisky benannten, ältesten renommierten Menschenrechtspreis in Österreich vergeben.

Zeit ihres Lebens hat sich Aslı Erdoğan, die als Physikerin am CERN in Genf geforscht hat und von 2012 bis 2013 als "writer in exile" Gast im Internationalen Haus der Autorinnen und Autoren Graz gewesen war, aktiv und vorbehaltslos für die Durchsetzung der Menschenrechte eingesetzt. Derzeit wird Frau Aslı Erdoğan in der Türkei gerichtlich verfolgt. Am 29. Dezember 2016 wurde sie gegen Kaution freigelassen, es ist ihr jedoch derzeit verboten, ins Ausland zu reisen.

Neben dem Preis für Verdienste um die Menschenrechte an Aslı Erdoğan werden noch weitere Preise an die „Queer Base“ und an das „UMF Haus Liebhartstal“ vergeben, die in Österreich einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Menschenrechte leisten.

Queer Base ist eine Organisation von Menschen mit und ohne Fluchterfahrung in Wien, die geflüchtete Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Interpersonen sowie Queers (LGBTIQ) bei ihrem Asylverfahren und danach sowie der Organisation von Wohnraum unterstützt. LGBTIQ werden in über 70 Ländern der Welt kriminalisiert, von körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt bedroht. In Österreich ist es seit längerer Zeit möglich, unter dem Titel „Angehörige einer sozialen Gruppe“ Asyl aufgrund von homo- bzw. transfeindlicher Verfolgung zu beantragen. Jedoch gibt es strukturelle Probleme, die die Situation von LGBTIQ-Geflüchteten verschlechtern.

Das UMF Haus Liebhartstal wurde im August 2015 eröffnet. Das Haus wird vom Arbeiter-Samariter-Bund betrieben und befindet sich im 16. Wiener Gemeindebezirk in einem ehemaligen Pensionistenwohnheim. Derzeit wohnen 60 unbegleitete minderjährige Mädchen und Burschen aus Syrien, Afghanistan, Somalia und anderen afrikanischen Ländern in drei koedukativen Wohngruppen, außerdem gibt es eine Wohngruppe für Achtzehn- bis Fünfundzwanzigjährige. Seit Herbst 2015 leitet Mag. Christine Okresek zusammen mit Ihrem engagierten Team das UMF Haus Liebhartstal.

Der Ehrenpreis der Bruno Kreisky Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte wird am 19. Juni um 19 Uhr im Bruno Kreisky Forum für Internationale Dialoge an den Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck in besonderer Anerkennung seiner juristischen Arbeit im Rahmen des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) vergeben.

Als unabhängige Organisation initiiert, betreibt und unterstützt das ECCHR gemeinsam mit Anwältinnen und Anwälten sowie Organisationen weltweit eine Vielzahl juristischer Verfahren wegen Völkerstraftaten gegen staatliche und nicht-staatliche Akteure. Im Bereich Wirtschaft und Menschenrechte nutzt das ECCHR vielfältige rechtliche Mittel, um gegen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und deren Folgen vorzugehen.

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2017 in der Übersicht:

Die Preise werden am 9. Juni 2017 im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek (Josefsplatz 1, 1015 Wien) in Wien vergeben.

Bruno Kreisky Preis für Verdienste um die Menschenrechte

Internationale Nominierung: Aslı Erdoğan
Mit Laudatio von Barbara Frischmuth (Schriftstellerin/Übersetzerin)

Nationale Nominierung: Queer Base
Mit Laudatio von Dr.in Marianne Schulze (Menschenrechtskonsulentin)

Nationale Nominierung: UMF Haus Liebhartstal
Mit Laudatio von Dr. in Anna Sporrer (Vizepräsidentin des VwGH)

Ehrenpreis der Bruno Kreisky Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte

Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck, in besonderer Anerkennung seiner juristischen Arbeit im Rahmen des ECCHR
Mit Laudatio von Kathrin Röggla (Schriftstellerin)

Der Ehrenpreis an Wolfgang Kaleck wird am 19. Juni 2017 im Bruno Kreisky Forum für Internationale Dialoge vergeben.

 
     
Bruno Kreisky Preis für Verdienste um die Menschrechte geht an Asli Erdogan
     
 

Die internationale Jury des Bruno Kreisky Preises für Verdienste um die Menschenrechte hat den Bruno Kreisky Menschenrechts-Preis einstimmig an die türkische Autorin Aslı Erdoğan für ihre herausragenden Verdienste um die Sicherung der Menschenrechte verliehen. Der Bruno Kreisky Preis für Verdienste um die Menschenrechte wurde nach dem verstorbenen Bundeskanzler Österreichs Bruno Kreisky benannt und ist der älteste renommierte Menschenrechtspreis in Österreich (http://www.kreisky.org/human.rights/index.htm).

Zeit Ihres Lebens hat sich Frau, die Aslı Erdoğan als Physikern am CERN in Genf geforscht hat und von 2012 bis 2013 als "writer in exile" Gast im Internationalen Haus der Autorinnen und Autoren Graz gewesen war, aktiv und vorbehaltslos für die Durchsetzung der Menschenrechte eingesetzt.

Als Maßstab der Orientierung dienen der engagierten Menschenrechtsaktivistin Erdogan in allen Ihren Veröffentlichungen insbesondere die Erscheinungsformen von Leid und Ungerechtigkeit, denen sie immer wieder nachspürt.

Derzeit wird Frau Aslı Erdoğan in der Türkei gerichtlich verfolgt. Sie wurde wegen vier verschiedener Verbrechen angeklagt, u. a. wegen ihrer Kolumne und Mitgliedschaft in einem Beirat in einer kurdischen Zeitung. Sie wurde aufgrund der Anschuldigung der Zerstörung der Einheit und der Integrität des Staates und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation verhaftet. Sie wurde gegen Kaution am 29. Dezember 2016 freigelassen, aber es ist ihr verboten, ins Ausland zu reisen. Der nächste Prozesstermin ist der 14. März.

Der Bruno Kreisky Menschenrechtspreis an die Schriftstellerin Aslı Erdoğan ist auch ein Zeichen gegen massive Einschränkungen von Menschenrechten.

 
     
STIFTUNG
     
  Zu seinem 65. Geburtstag verzichtete Bruno Kreisky auf Geschenke. Ein Kreis von FreundInnen und MitarbeiterInnen um den damaligen Wiener Bürgermeister Leopold Gratz und den Präsidenten des ÖGB, Anton Benya, entwickelte die Idee einer Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte, die den Namen Kreiskys tragen sollte. Der damalige Finanzsekretär des ÖGB, Alfred Ströer, der während der NS-Zeit inhaftiert war, übernahm die Realisierung und Verwaltung dieses Projekts.  
     
 

Zu dieser Zeit war die österreichische Wahrnehmung der internationalen Menschenrechtsproblematik von den Verbrechen diktatorischer Regime in Mittel- und Südamerika, der Unterdrückung im kommunistischen System sowie vom beginnenden KSZE-Prozess, dem Apartheid-System im südlichen Afrika, aber auch der Unterentwicklung der südlichen Hemisphäre und dem Nord-Süd Konflikt bestimmt.

 

Bruno Kreisky wurde sowohl durch das Dollfuß-Regime 1935 für 15 Monate, als auch von den Nationalsozialisten 1938 für weitere fünf Monate eingekerkert und schließlich in das Exil nach Schweden getrieben, von wo er erst 1951 zurückkehrte. Diese Erfahrung hatte sein politisches Leben, insbesondere auch gegenüber diktatorischen Regimen, Menschenrechtsverletzungen und Asylsuchenden geprägt.


Bruno Kreisky im schwedischen Exil
Bruno Kreisky
   

Dies spiegelte sich in Kreiskys Politik zu den großen Fragen seiner Zeit, dem Ost-West Konflikt und der Détente, der Entwicklungspolitik, aber auch in seinem Einsatz für Einzelne, etwa DissidentInnen in Osteuropa sowie der Sowjetunion oder Opfern von Verfolgung und Folter in Lateinamerika, wider.


Polizeifoto 1935

 

„Im Bewußtsein der Verantwortung, die ich habe, und zwar in ihrem umfassensten Sinn, bin ich zu der Auffassung gelangt, es sei notwendig, ohne Gehässigkeit und ohne Absicht, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen.

13. September 1973, Bruno Kreisky, Tagung des Internationalen Rates von Amnesty International
 

Bruno Kreisky mit Willy Brandt und Olof Palme im Garten der Armbrustergasse 15 in Wien.

Um den unabhängigen und überparteilichen Charakter der Stiftung zu betonen, beteiligten sich auch Unternehmen und Institutionen, die nicht dem sozialdemokratischen Lager Österreichs zuzurechnen waren, an der Aufbringung des Stiftungskapitals. In zwei Tranchen wurden € 700.000,- (ATS 10 Mio.) zusammengetragen. Aus Erträgen dieses Stiftungskapitals und durch Spenden finanziert sich die Stiftung bis heute maßgeblich. Auf Grund österreichischer Steuergesetze ist die Stiftung angehalten, 50 % der Preisgelder in Österreich auszuschütten.

 

 

Während Bruno Kreisky auf die Gründung der Stiftung keinen Ein- fluss nahm, spiegelt die Zusammensetzung der ersten internationalen und unabhängigen Jury sehr wohl Aspekte des internationalen Netzwerkes des Staatsmannes Kreisky wider. Neben internationalen Persönlichkeiten wie der deutschen Publizistin und Widerstandskämpferin Marion Gräfin Dönhoff, den Staatsmännern und persönlichen Freunden Kreiskys, Willy Brandt, Olof Palme und Roland Dumas, gehörten insbesondere österreichische Sozialexperten wie Professor Herwig Büchele, SJ, der Jury an. Damit unterstrich die Stiftung ihre Bereitschaft, auch besondere Verdienste im Bereich der Verteidigung und Förderung wirtschaftlicher und sozialer Menschenrechte auszuzeichnen.
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