BRUNO KREISKY PREIS
FÜR VERDIENSTE UM DIE MENSCHENRECHTE
 
     
6. Benefizauktion der Bruno Kreisky Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte
     
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Kreisky-Preisträger Gao Zhisheng aus der Haft entlassen
     
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Nähere Informationen dazu auf:
http://www.bbc.com/news/world-asia-china-28793055

 
     
15. Verleihung der Bruno Kreisky Preise für Verdienste um die Menschenrechte
     
 


Von l. nach r.: Prof. Oliver Rathkolb (Kreisky-Stiftung), Prof. Manfred Nowak (Laudator), die Preisträgerinnen Dr. Bogaletch Gebre und Cecily Corti, in Vertretung von Preisträger Mazen Darwish (inhaftiert) seine Frau Yara Bader, Dr. Hans Peter Haselsteiner und S.E. Dr. Stéphane Gompertz (Laudatoren)

 

 

Am 10. Juni 2013, 19.00 Uhr, fand im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek die bereits 15. Verleihung des Menschenrechtspreises der Bruno Kreisky Stiftung statt.

Heuer gingen die Preise an Persönlichkeiten aus Äthiopien, Syrien und Österreich – Mazen Darwish, Dr.in Bogaletch Gebre und Cecily Corti haben sich, teils unter großer persönlicher Gefahr, für Meinungsfreiheit, für die Rechte von Frauen und gesellschaftlichen Randgruppen eingesetzt.

Die Laudationes hielten S.E. Stephane Gompertz, Botschafter der Republik Frankreich in Österreich (für Bogaletch Gebre), Univ. Prof. Dr. Manfred Nowak (für Mazen Darwish) und Dr. Hans Peter Haselsteiner (für Cecil Corti).

 
Preisverleihung im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek, musikalisch begleitet von Andrej Prozorov und Christian Bacanic.
 

Mazen Darwish
Der syrische Journalist und Menschenrechtsaktivist Mazen Darwish gründete im Jahr 2004 das Syrian Center for Media and Freedom of Expression (SCM). Gemeinsam mit anderen Aktivisten berichtete er über die eingeschränkte Meinungsfreiheit und die Situation der politischen Gefangenen in Syrien. Er setzte sich für eine Reform des Pressegesetzes ein und machte die internationale Öffentlichkeit auf das Verschwinden von Bloggern und Journalisten aufmerksam. Seit dem Beginn der Protestbewegung in Syrien gehörte er zu den wichtigsten Informationsquellen für ausländische Medien. Sein Engagement führte zu wiederholten Konflikten mit dem syrischen Regime. Seit 2007 war über ihn ein Reiseverbot verhängt und er wurde mehrfach verhaftet. Im Februar 2012 wurden die Büros von SCM durch den syrischen Geheimdienst gestürmt und 16 Mitarbeiter verhaftet, darunter auch Mazen Darwish. Bis heute befindet sich Darwish in Haft. Reporter ohne Grenzen wählte ihn zum Journalisten des Jahres 2012.

 

Bogaletch Gebre
Die äthiopische Menschenrechtsaktivistin Dr.in Bogaletch Gebre studierte ab 1975 als Fulbright-Stipendiatin Parasitologie und öffentliches Gesundheitswesen in den USA. Bereits in dieser Zeit gründete sie die Organisation Parent International Ethiopia-Development through Education. Nach ihrer Rückkehr nach Äthiopien 1997 rief sie gemeinsam mit ihrer Schwester Fikrete Kembatti Mentti Gezzimma-Tope (KMG) ins Leben. Das Engagement der Einrichtung ist vor allem Frauen und Randgruppen in ländlichen Gebieten Äthiopiens gewidmet und umfasst die Bekämpfung weiblicher Genitalverstümmelung, von Kinderheirat und häuslicher Gewalt. Darüber hinaus werden interdisziplinäre Frauengesundheits- und Bildungsprogramme entwickelt, Projekte zur Eindämmung von HIV und AIDS umgesetzt und ökologische Initiativen veranlasst. 1,5 Millionen Menschen profitieren direkt von der Arbeit der KMG. Der große Erfolg zeigt sich in der Reduktion weiblicher Genitalverstümmelung um 97% innerhalb von 10 Jahren im Wirkungsbereich der Organisation und im Rückgang der HIV-Infektionen. Frau Bogaletch Gebre wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem King Bedouin Foundation African Development Prize 2013 mit dem Jonathan Mann Award des Global Health Council 2007 und dem North-South Prize des Europarats 2005.
 
Die Preisträgerin Dr. Bogaletch Gebre bei ihrer Dankrede.
Cecily Corti
Cecily Corti, Obfrau der Vinzenzgemeinschaft St. Stephan, war 2004 Mitgründerin der VinziRast in Wien-Meidling und leitet diese seitdem. Bei dieser Einrichtung handelt es sich um eine Notschlafstelle mit 48 Betten, in der auch Menschen Übernachtungsmöglichkeiten vorfinden, die in anderen Institutionen die Aufnahmekriterien nicht erfüllen. 2008 wurde das VinziRast-CortiHaus eröffnet - durch Spenden aus der Bauindustrie konnten hier 16 Wohnungen errichtet werden. Im Jahr 2010 wurde zudem eine Wohngemeinschaft für alkoholkranke Obdachlose eröffnet. Am Projekt VinziRast-MITTENDRIN wird seit 2011 gearbeitet. Cecily Corti wurde für ihr Engagement mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goldenen Verdienstzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und der Ernennung zum Chevalier dans l’Ordre de la Légion d’Honneur.





STIFTUNG
     
  Zu seinem 65. Geburtstag verzichtete Bruno Kreisky auf Geschenke. Ein Kreis von FreundInnen und MitarbeiterInnen um den damaligen Wiener Bürgermeister Leopold Gratz und den Präsidenten des ÖGB, Anton Benya, entwickelte die Idee einer Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte, die den Namen Kreiskys tragen sollte. Der damalige Finanzsekretär des ÖGB, Alfred Ströer, der während der NS-Zeit inhaftiert war, übernahm die Realisierung und Verwaltung dieses Projekts.  
     
 

Zu dieser Zeit war die österreichische Wahrnehmung der internationalen Menschenrechtsproblematik von den Verbrechen diktatorischer Regime in Mittel- und Südamerika, der Unterdrückung im kommunistischen System sowie vom beginnenden KSZE-Prozess, dem Apartheid-System im südlichen Afrika, aber auch der Unterentwicklung der südlichen Hemisphäre und dem Nord-Süd Konflikt bestimmt.

 

Bruno Kreisky wurde sowohl durch das Dollfuß-Regime 1935 für 15 Monate, als auch von den Nationalsozialisten 1938 für weitere fünf Monate eingekerkert und schließlich in das Exil nach Schweden getrieben, von wo er erst 1951 zurückkehrte. Diese Erfahrung hatte sein politisches Leben, insbesondere auch gegenüber diktatorischen Regimen, Menschenrechtsverletzungen und Asylsuchenden geprägt.


Bruno Kreisky im schwedischen Exil
Bruno Kreisky
   

Dies spiegelte sich in Kreiskys Politik zu den großen Fragen seiner Zeit, dem Ost-West Konflikt und der Détente, der Entwicklungspolitik, aber auch in seinem Einsatz für Einzelne, etwa DissidentInnen in Osteuropa sowie der Sowjetunion oder Opfern von Verfolgung und Folter in Lateinamerika, wider.


Polizeifoto 1935

 

„Im Bewußtsein der Verantwortung, die ich habe, und zwar in ihrem umfassensten Sinn, bin ich zu der Auffassung gelangt, es sei notwendig, ohne Gehässigkeit und ohne Absicht, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen.

13. September 1973, Bruno Kreisky, Tagung des Internationalen Rates von Amnesty International
 

Bruno Kreisky mit Willy Brandt und Olof Palme im Garten der Armbrustergasse 15 in Wien.

Um den unabhängigen und überparteilichen Charakter der Stiftung zu betonen, beteiligten sich auch Unternehmen und Institutionen, die nicht dem sozialdemokratischen Lager Österreichs zuzurechnen waren, an der Aufbringung des Stiftungskapitals. In zwei Tranchen wurden € 700.000,- (ATS 10 Mio.) zusammengetragen. Aus Erträgen dieses Stiftungskapitals und durch Spenden finanziert sich die Stiftung bis heute maßgeblich. Auf Grund österreichischer Steuergesetze ist die Stiftung angehalten, 50 % der Preisgelder in Österreich auszuschütten.

 

 

Während Bruno Kreisky auf die Gründung der Stiftung keinen Ein- fluss nahm, spiegelt die Zusammensetzung der ersten internationalen und unabhängigen Jury sehr wohl Aspekte des internationalen Netzwerkes des Staatsmannes Kreisky wider. Neben internationalen Persönlichkeiten wie der deutschen Publizistin und Widerstandskämpferin Marion Gräfin Dönhoff, den Staatsmännern und persönlichen Freunden Kreiskys, Willy Brandt, Olof Palme und Roland Dumas, gehörten insbesondere österreichische Sozialexperten wie Professor Herwig Büchele, SJ, der Jury an. Damit unterstrich die Stiftung ihre Bereitschaft, auch besondere Verdienste im Bereich der Verteidigung und Förderung wirtschaftlicher und sozialer Menschenrechte auszuzeichnen.
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