ofra - online archiv frauenpolitik
Auf der Suche nach Asyl: Das 20. Jahrhundert

„Auch schon eine Vergangenheit“
Erinnerungsort Wien
Frauentag! Die Erfindung einer Tradition

Familienrecht und Geschlechterpolitik

 



ofra - online archiv frauenpolitik

Medien-gerecht aufbereitete Information zur institutionalisierten Frauenpolitik in Österreich wird online zur Verfügung gestellt.

Bisher unveröffentlichte Materialien zur Frauenpolitik von mehr als drei Jahrzehnten werden EDV-gestützt erschlossen, eine kommentierte Auswahl wird online als Wissensressource zugänglich gemacht. Zentrale Fragen und Themen wie die Auseinandersetzung um die Fristenregelung, um die geschlechtsspezifische Lohnschere, die Familienrechtsreform, Gewalt in der Familie oder die gerechte Aufteilung von unbezahlter Haus- und Betreuungsarbeit sind einige der Bereiche, die hier mit eindrucksvollem Dokumentarmaterial wesentlich anschaulicher gemacht werden können, als dies klassische nüchterne historische oder sozialwissenschaftliche Darstellungen erlauben.

Relevante, kommentierte Dokumente, aber auch Bilder und Plakate, von denen BenutzerInnen selbstständig Downloads durchführen können, werden so präsentiert, dass sie einzelne „Geschichten“ erzählen sowie Materialien enthalten, die für LehrerInnen im Unterricht relevant sind. In diesem Sinne ist ein neuer Transfer zwischen Archivwissen, breiter Rezeption und öffentlichem Diskurs angestrebt.


Einladung zur Buch- und Websitepräsentation

Donnerstag, 5. November 2009, 18.00 Uhr

im Vorwärts, Lesesaal, 1. Stock
Rechte Wienzeile 97, 1050 Wien

Begrüßung durch Maria Mesner (Kreisky Archiv)

Edith Saurer, Johanna Gehmacher und Heidi Niederkofler sprechen über das Buch
„Mehrheit verpflichtet“

Elisabeth Brandl, Remigio Gazzari und Maria Steiner präsentieren „ofra – online archiv frauenpolitik“, die neue Website des Kreisky Archivs

Anschließend lädt das Kreisky Archiv zu einem kleinen Buffet.

U.A.w.g.:
T el.: 01 / 545 75 35-32, Fax: 01 / 545 30 97, E-mail: brandl@kreisky.org

Einladung




Auf der Suche nach Asyl: Das 20. Jahrhundert

Konferenz
15. - 16. Oktober 2009
Aula im Campus der Universität Wien
Spitalgasse 2 - 4, Hof 1, 1090 Wien

Programm

Aus Anlass ihres 25-jährigen Bestehens veranstaltet die Stiftung Bruno Kreisky Archiv zum
genannten Thema eine Konferenz, die sich mit Aspekten der Aufnahme von Flüchtlingen während des 20. Jahrhunderts beschäftigt. Totalitäre Regimes, bewaffnete Konflikte, Diskriminierung, Verfolgung, Naturkatastrophen oder drückende Armut zwangen immer wieder Menschen, den Ort, an dem sie bisher gelebt hatten, zu verlassen in der Hoffnung auf offene Grenzen und Möglichkeiten, in einem anderen Land, einer anderen Gesellschaft ihr Leben führen zu können. Diese Menschen trafen, zu Flüchtlingen geworden, auf eine Vielzahl von Reaktionen: von Unterstützung und freundlichem Empfang bis zu Ausschluss, In/Toleranz, Disziplinierung, Nicht-Beachtung etc. Die Vorträge sollen sich vor allem mit Personen oder Gruppen beschäftigen, die sich dafür oder dagegen entschieden haben, Menschen, die gezwungenerweise migrieren mussten, aufzunehmen — staatliche Institutionen, private Gruppen, NGOs oder Einzelpersonen —, und wie sie reagierten: sowohl ihre Strategien und Politiken als auch die Bilder, die sie sich von denen machten, die ins Land kommen wollten und/oder mussten.

 


„Auch schon eine Vergangenheit“:
Gefängnistagebuch und
Korrespondenzen von Bruno Kreisky

Kommentierte Quellenausgabe, herausgegeben von Ulrike Felber

Mandelbaum Verlag 2009, ISBN 978385476-294-2

„Auch schon eine Vergangenheit“ zu haben, war für den 24-jährigen Bruno Kreisky das Resultat der Kriminalisierung der politischen Opposition durch den autoritären österreichischen Ständestaat. Die Inhaftierung Ende Jänner 1935 und die Anklage wegen des Verdachts des Hochverrats bedeuteten einen Bruch im politischen und privaten Leben, der dem Studenten und sozialistischen Jugendfunktionär unfreiwillig „eine Vergangenheit“ bescherte und zugleich dessen Zukunft gewaltsam beschnitt. Das Gefängnistagebuch sowie Bruno Kreiskys Kassiber und Briefe an Freunde und Eltern vermitteln ein authentisches Bild des bedrückenden Gefängnisalltags und geben einen unmittelbaren Einblick in die Gedankenwelt des politischen Häftlings Kreisky. Briefe aus dem Jahr 1931 an eine Berliner Sozialdemokratin ergänzen die bisher unveröffentlichten Quellen. Damit liegen neue Zeitdokumente zu einer von politischer Polarisierung und antidemokratischen, autoritären Haltungen bestimmten Periode der österreichischen Geschichte vor.

Das Bildmaterial stammt aus Kreiskys persönlichem Nachlass, den die Stiftung Bruno Kreisky Archiv verwahrt, sowie aus anderen Archiven und bisher unveröffentlichten privaten Beständen. Das Gefängnistagebuch galt seit Jahren als verschollen und lag zunächst nur in Kopie vor, wurde dem Archiv aber erfreulicherweise zu Weihnachten 2008 im Original übermittelt und konnte bei der Herausgabe des Buches noch berücksichtigt werden.

Das Projekt wurde von der Oesterreichischen Nationalbank finanziert und erschien 2009 im Mandelbaum Verlag.

 



Erinnerungsort Wien

Das historische Online-Portal „Erinnerungsort Wien“ wurde um das Kapitel „Neue soziale Bewegungen“ erweitert. Unter dem internationalen Einfluss der StudentInnenbewegung der späten 1960er-Jahre formierten sich im Wien der 1970er- und 1980er-Jahre soziale Bewegungen, die sich für und gegen bestimmte gesellschafts- und umweltpolitische Agenden einsetzten. Dazu finden sich in den Beständen des Kreisky Archivs und des Johanna Dohnal Archivs ein Fülle von Dokumenten und Quellen über die Anti-Zwentendorfbewegung rund um die Volksabstimmung 1978, über die Protestaktionen der Friedensbewegung Anfang der 1980er-Jahre und die Besetzung der Hainburger Au im Winter 1984. Die Geschichte dieser drei Bewegungen wird im Rahmen von „Erinnerungsort Wien“ in kurzen Texten dargestellt. Die online gestellten Dokumente, Protestbriefe, Flugblätter, Zeitungsausschnitte und Fotos geben Einblick in die Vorgangsweisen und Motive der verschiedenen Initativen und Bewegungen. Mit ihren politischen Forderungen und Aktionen im öffentlichen Stadtraum wie z. B. Großdemonstrationen haben sie Politikverständnis und Stadtbild seit den 70er-Jahren mitgeprägt. Für engagierte BürgerInnen wurde die Stadt ein Ort für politischen Aktionismus gegen die Beschlüsse von politischen Entscheidungsträgern. Als Ausgangspunkt und konkreter Erinnerungsort auf der Startseite dient diesmal der Wiener Rathhausplatz, der ähnlich wie der Ballhausplatz und die Wiener Ringstraße Ausgangs- bzw. Endpunkt vieler Großdemonstrationen war und nach wie vor ist.

Die Bestände der Stiftung Bruno Kreisky Archiv und des Johanna Dohnal Archivs umfassen ca. 2300 Archivkartons. Darin enthaltenes und bisher wenig bekanntes vielfältiges historisches Material trägt dazu bei, die Rolle und Bedeutung der Stadt Wien als Katalysator politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Prozesse in der Geschichte der Zweiten Republik zu erfassen. Bisher wurden sieben Kapitel mit folgenden Themen erstellt: „Wirtschaft und Aufbau“, „Macht Politik Entscheidung“, „Souveränität“, „Konfliktzonen“, Identität, „Kommunikationsräume“, „Neue soziale Bewegungen“.

Ausgewählte historische Quellen werden im Rahmen des Projektes "Erinnerungsort Wien" der wissenschaftlichen Forschung, aber auch Medien, JournalistInnen und der interessierten Öffentlichkeit online zugänglich gemacht. Damit besteht erstmals die Möglichkeit, in größerem Umfang Aspekte der jüngeren Regional- und Stadtgeschichte Wiens anhand von hochwertigen Primärquellen und ihrer Einbettung in ein beschreibendes und erklärendes Umfeld für NichtwissenschaftlerInnen "lesbar" zu machen. In einer kommentierten Präsentation von hochrangigen Text- und Bildquellen werden Interessierte in den historischen Kontext und die "Geschichte" hinter der Quelle eingeführt. Hinweise zu weiterführenden und/oder verwandten Quellen, komplementären Bildquellen und einschlägiger Literatur ergänzen das Informationsangebot. So wird insbesondere einem nicht akademischen Publikum eine einfache und sachgerechte Nutzung der Forschungsergebnisse einer spezialisierten Fachwissenschaft ermöglicht. BetrachterInnen erhalten darüber hinaus eine Reihe von "Werkzeugen" zur Konstruktion und Dekonstruktion von Erinnerung im gesellschaftlichen Rahmen, die bisher nur einem engen Kreis von WissenschaftlerInnen und JournalistInnen als KonstrukteurInnen von Erinnerungsorten und kollektivem Gedächtnis zur Verfügung standen.

Die Stiftung Bruno Kreisky Archiv plant, das Projekt „Erinnerungsort Wien“ in den nächsten Jahren um weitere Kapitel zu ergänzen.

Projektleitung: Univ.-Doz. Dr. Maria Mesner
ProjektmitarbeiterInnen
: Elisabeth Brandl, Remigio Gazzari, Mag.a Li Gerhalter, DI Christiane Koch, Mag.a Sonja Niederacher, Mag.a Johanna Zechner

www.erinnerungsort.at

 


Frauentag! Die Erfindung einer Tradition

Der Frauentag ist das seit 1911 (mit Unterbrechungen) alljährlich wiederkehrende Ereignis, in dem sich wie in einem Brennglas die frauen- und geschlechterpolitischen Forderungen der jeweiligen Zeit bündeln. Es besteht jedoch eine bemerkenswerte Lücke zwischen der langen Kontinuität des Frauentages — seit 1911 in Österreich(-Ungarn), am deutlichsten wohl innerhalb der sozialdemokratischen und zeitweise der überparteilichen und autonomen Frauenbewegung — und dem geringen gesicherten Wissen um seine Entstehung sowie die Art und Weise, wie er, mit Ausnahme des Ersten und Zweiten Weltkrieges sowie im Austrofaschismus, kontinuierlich begangen wurde.

Sowohl für Österreich als auch international sind der Frauentag, seine Zelebrierung und die beteiligten AkteurInnen kaum wissenschaftlich erforscht worden. Dies ist aus mehreren Gründen überraschend: Der Frauentag war und ist ein öffentlich und auch medial stattfindender Festtag. Das Ereignis bietet zudem Anlass für eine Mobilisierung und Organisierung von Frauen, und spielt somit eine wichtige Rolle bei der Etablierung eines politisch handelnden Subjekts „Frau“. Zweitens manifestieren sich am alljährlich begangenen Ereignis frauen- und geschlechterpolitische Positionen verschiedener AkteurInnen, von autonomen und überparteilichen, kirchlichen bis hin zu parteipolitischen Kontexten, und bietet somit Gelegenheit, Schwerpunkte und Veränderungen zu untersuchen. Und drittens sind am Frauentag, der einen seiner Ursprünge in internationalistischen Zusammenhängen hat, transnationale Verflechtungen und Politiken nachvollziehbar. Das vorliegende Forschungsprojekt zum Frauentag in Österreich setzt sich zum Ziel, die genannten Forschungslücken zu schließen.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts werden in einer Publikation münden. Geplant ist weiters eine Ausstellung zum Frauentag, die 2011 stattfinden soll.

Projektleitung: Univ.-Doz. Dr. Maria Mesner
Projektmitarbeiterinnen: Dr. Heidi Niederkofler, Mag.a Johanna Zechner

 


Familienrecht und Geschlechterpolitik:
Vergleichende historische Analysen zur Kodifizierung des privaten Lebens

Das Projekt behandelt in vergleichender Perspektive die Entwicklung des Familienrechts in Österreich, der Slowakei und der Tschechischen Republik bzw. deren Vorgängerstaat(en) im Zeitraum 1945 bis 2000. Die Studie fokussiert auf die Wechselwirkungen zwischen öffentlichem Diskurs und der Rechtsnormierung, wobei folgende Aspekte zentral sind:

Wir interessieren uns für die politischen AkteurInnen, die sich an der öffentlichen Diskussion und am Gesetzgebungsprozess beteiligen. Unser Blick richtet sich dabei sowohl auf die Organisationsweise der verschiedenen AkteurInnen als auch auf ihre Strategien zur Politikgestaltung. Hierbei interessiert insbesondere die Frage, inwiefern und in welcher Weise verschiedene AkteurInnen in der Lage sind, ihre politik- und rechtsrelevanten Anliegen im Bereich des Ehe- und Familienrechts durchzusetzen.
Der Vergleich von Staaten mit verschiedenen politischen Systemen und Gesellschaftsformen beugt einer Universalisierung der Forschungsergebnisse vor. Das Projekt analysiert im historischen Längsschnitt die Konzeptionen von Familie und Gesellschaft, sowohl in Hinblick auf die einzelnen Interessengruppierungen als auch die Rechtsnormierung.

Ausgehend von Gesetzesinitiativen werden wir den am politischen Verhandlungsprozess beteiligten AkteurInnen nachgehen. Die im Rahmen des Familienrechtsdiskurses produzierten Materialien werden mit Hilfe der historischen Diskursanalyse untersucht; in diesem Kontext sind auch Interviews mit zentralen ProtagonistInnen vorgesehen.

Die vergleichende Rekonstruktion der Familienrechtsentwicklung in verschiedenen europäischen Staaten stellt ein Novum in der historischen Forschung dar. Der bis ins Jahr 2000 reichende Untersuchungszeitraum ermöglicht mehrdimensionale Fragestellungen, die, über eine Ost-West-Dichotomie hinausgehend, einen wichtigen Beitrag zu einer Länder- und ehemalige Systemgrenzen übergreifenden europäischen Geschichtsforschung liefern.

Projektleitung: Maria Mesner
Projektmitarbeiterinnen: Sonja Niederacher, Heidi Niederkofler, Andrea Salingova, Veronika Wöhrer

Programm des Workshops am 23. und 24. 11. 2007 pdf 49 KB