Medien-gerecht aufbereitete Information zur institutionalisierten Frauenpolitik in Österreich wird online zur Verfügung gestellt. Bisher unveröffentlichte Materialien zur Frauenpolitik von mehr als drei Jahrzehnten werden EDV-gestützt erschlossen, eine kommentierte Auswahl wird online als Wissensressource zugänglich gemacht. Zentrale Fragen und Themen wie die Auseinandersetzung um die Fristenregelung, um die geschlechtsspezifische Lohnschere, die Familienrechtsreform, Gewalt in der Familie oder die gerechte Aufteilung von unbezahlter Haus- und Betreuungsarbeit sind einige der Bereiche, die hier mit eindrucksvollem Dokumentarmaterial wesentlich anschaulicher gemacht werden können, als dies klassische nüchterne historische oder sozialwissenschaftliche Darstellungen erlauben. Relevante, kommentierte Dokumente, aber auch Bilder und Plakate, von denen BenutzerInnen selbstständig Downloads durchführen können, werden so präsentiert, dass sie einzelne „Geschichten“ erzählen sowie Materialien enthalten, die für LehrerInnen im Unterricht relevant sind. In diesem Sinne ist ein neuer Transfer zwischen Archivwissen, breiter Rezeption und öffentlichem Diskurs angestrebt. Donnerstag, 5. November 2009, 18.00 Uhr Begrüßung durch Maria Mesner (Kreisky Archiv) Edith Saurer, Johanna Gehmacher und Heidi Niederkofler sprechen über das Buch Elisabeth Brandl, Remigio Gazzari und Maria Steiner präsentieren „ofra – online archiv frauenpolitik“, die neue Website des Kreisky Archivs Anschließend lädt das Kreisky Archiv zu einem kleinen Buffet. U.A.w.g.:
Konferenz Programm
„Auch schon eine Vergangenheit“ zu haben, war für den 24-jährigen Bruno Kreisky das Resultat der Kriminalisierung der politischen Opposition durch den autoritären österreichischen Ständestaat. Die Inhaftierung Ende Jänner 1935 und die Anklage wegen des Verdachts des Hochverrats bedeuteten einen Bruch im politischen und privaten Leben, der dem Studenten und sozialistischen Jugendfunktionär unfreiwillig „eine Vergangenheit“ bescherte und zugleich dessen Zukunft gewaltsam beschnitt. Das Gefängnistagebuch sowie Bruno Kreiskys Kassiber und Briefe an Freunde und Eltern vermitteln ein authentisches Bild des bedrückenden Gefängnisalltags und geben einen unmittelbaren Einblick in die Gedankenwelt des politischen Häftlings Kreisky. Briefe aus dem Jahr 1931 an eine Berliner Sozialdemokratin ergänzen die bisher unveröffentlichten Quellen. Damit liegen neue Zeitdokumente zu einer von politischer Polarisierung und antidemokratischen, autoritären Haltungen bestimmten Periode der österreichischen Geschichte vor. Das Bildmaterial stammt aus Kreiskys persönlichem Nachlass, den die Stiftung Bruno Kreisky Archiv verwahrt, sowie aus anderen Archiven und bisher unveröffentlichten privaten Beständen. Das Gefängnistagebuch galt seit Jahren als verschollen und lag zunächst nur in Kopie vor, wurde dem Archiv aber erfreulicherweise zu Weihnachten 2008 im Original übermittelt und konnte bei der Herausgabe des Buches noch berücksichtigt werden.
Die Bestände der Stiftung Bruno Kreisky Archiv und des Johanna Dohnal Archivs umfassen ca. 2300 Archivkartons. Darin enthaltenes und bisher wenig bekanntes vielfältiges historisches Material trägt dazu bei, die Rolle und Bedeutung der Stadt Wien als Katalysator politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Prozesse in der Geschichte der Zweiten Republik zu erfassen. Bisher wurden sieben Kapitel mit folgenden Themen erstellt: „Wirtschaft und Aufbau“, „Macht Politik Entscheidung“, „Souveränität“, „Konfliktzonen“, Identität, „Kommunikationsräume“, „Neue soziale Bewegungen“. Ausgewählte historische Quellen werden im Rahmen des Projektes "Erinnerungsort Wien" der wissenschaftlichen Forschung, aber auch Medien, JournalistInnen und der interessierten Öffentlichkeit online zugänglich gemacht. Damit besteht erstmals die Möglichkeit, in größerem Umfang Aspekte der jüngeren Regional- und Stadtgeschichte Wiens anhand von hochwertigen Primärquellen und ihrer Einbettung in ein beschreibendes und erklärendes Umfeld für NichtwissenschaftlerInnen "lesbar" zu machen. In einer kommentierten Präsentation von hochrangigen Text- und Bildquellen werden Interessierte in den historischen Kontext und die "Geschichte" hinter der Quelle eingeführt. Hinweise zu weiterführenden und/oder verwandten Quellen, komplementären Bildquellen und einschlägiger Literatur ergänzen das Informationsangebot. So wird insbesondere einem nicht akademischen Publikum eine einfache und sachgerechte Nutzung der Forschungsergebnisse einer spezialisierten Fachwissenschaft ermöglicht. BetrachterInnen erhalten darüber hinaus eine Reihe von "Werkzeugen" zur Konstruktion und Dekonstruktion von Erinnerung im gesellschaftlichen Rahmen, die bisher nur einem engen Kreis von WissenschaftlerInnen und JournalistInnen als KonstrukteurInnen von Erinnerungsorten und kollektivem Gedächtnis zur Verfügung standen. Die Stiftung Bruno Kreisky Archiv plant, das Projekt „Erinnerungsort Wien“ in den nächsten Jahren um weitere Kapitel zu ergänzen. Projektleitung: Univ.-Doz. Dr. Maria Mesner
Der Frauentag ist das seit 1911 (mit Unterbrechungen) alljährlich wiederkehrende Ereignis, in dem sich wie in einem Brennglas die frauen- und geschlechterpolitischen Forderungen der jeweiligen Zeit bündeln. Es besteht jedoch eine bemerkenswerte Lücke zwischen der langen Kontinuität des Frauentages — seit 1911 in Österreich(-Ungarn), am deutlichsten wohl innerhalb der sozialdemokratischen und zeitweise der überparteilichen und autonomen Frauenbewegung — und dem geringen gesicherten Wissen um seine Entstehung sowie die Art und Weise, wie er, mit Ausnahme des Ersten und Zweiten Weltkrieges sowie im Austrofaschismus, kontinuierlich begangen wurde. Sowohl für Österreich als auch international sind der Frauentag, seine Zelebrierung und die beteiligten AkteurInnen kaum wissenschaftlich erforscht worden. Dies ist aus mehreren Gründen überraschend: Der Frauentag war und ist ein öffentlich und auch medial stattfindender Festtag. Das Ereignis bietet zudem Anlass für eine Mobilisierung und Organisierung von Frauen, und spielt somit eine wichtige Rolle bei der Etablierung eines politisch handelnden Subjekts „Frau“. Zweitens manifestieren sich am alljährlich begangenen Ereignis frauen- und geschlechterpolitische Positionen verschiedener AkteurInnen, von autonomen und überparteilichen, kirchlichen bis hin zu parteipolitischen Kontexten, und bietet somit Gelegenheit, Schwerpunkte und Veränderungen zu untersuchen. Und drittens sind am Frauentag, der einen seiner Ursprünge in internationalistischen Zusammenhängen hat, transnationale Verflechtungen und Politiken nachvollziehbar. Das vorliegende Forschungsprojekt zum Frauentag in Österreich setzt sich zum Ziel, die genannten Forschungslücken zu schließen. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts werden in einer Publikation münden. Geplant ist weiters eine Ausstellung zum Frauentag, die 2011 stattfinden soll. Projektleitung: Univ.-Doz. Dr. Maria Mesner
|